So kann es nicht weitergehen: unser Demographieproblem

Reisig

Kindermangel, Überalterung und Bevölkerungsrückgang prägen unsere postindustrielle Gesellschaft. Die Schulzeit und die Studiendauer werden verkürzt, die Lebensarbeitszeit wird verlängert und das Rentenalter erhöht. Man verlangt von uns, dass wir länger und mehr arbeiten – wie konnte es dazu kommen?

Blicken wir zunächst einmal in der Zeit zurück: Kinder waren in Europa einmal zusätzliche Arbeitskräfte und Altersvorsorge. Kinderreiche Großfamilien waren an der Tagesordnung; noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Haushalte mit 8, 10 oder mehr Kinder keine Seltenheit. Mit der Industrialisierung kam die Urbanisierung, dann staatliche Sicherungssysteme und schließlich im Zuge der Dienstleistungsgesellschaft ein nie gekannter Wohlstand. Vor allem auf die Jahrzehnte, die mit dem so genannten „Wirtschaftswunder“ begannen, schaut man heute angesichts der vielbedauerten wirtschaftlichen Lage sehnsüchtig zurück. Die Menschen in den 50er Jahren und danach konnten es kaum glauben, zu welch wirtschaftlicher Größe sich Westdeutschland aufschwang, wo es doch nach dem Krieg so am Boden gewesen war. Politisch ein Zwerg, aber wirtschaftlich ein Riese! Die BRD fand sich unter den Exportweltmeistern wieder.

Unser heutiges Demographieproblem ist hausgemacht.

So erfreulich der Aufschwung war, so bedenklich ist die soziale Entwicklung, die damit einherging: Man empfand Kinder zunehmend als Klotz am Bein und das Kinderkriegen wurde so unpopulär wie nie zuvor. Luxus gönnte man sich, doch Kinder schienen nun hinderlich auf dem Weg zur Befriedigung der eigenen, individuellen Wünsche. So empfand man gerade den eigenen Nachwuchs als Einschränkung der persönlichen Freiheiten, als allzu großen Luxus! Der Wunsch nach beruflicher Karriere beider Eltern, nach Selbstverwirklichung jenseits der Familie und bald nach immer mehr Autos und Fernsehern gewann zunehmend Anhänger – eine Entwicklung, die bis heute anhält. Bitter wäre heute ein Bewusstsein für demographische Zusammenhänge in der breiten Bevölkerung vonnöten; es wäre allerdings ein Novum, denn der Einzelne hielt und hält seinen persönlichen Einfluss auf das Zeitgeschehen für unerheblich und ist so geneigt, den bequemen Weg zu gehen und den Aufbau der nächsten Generation auf die anderen zu schieben. Als sich die Bevölkerungen der Industrienationen noch reichlich vermehrten, war ein solches Bewusstsein allerdings auch nicht erforderlich. Anfang der 70er Jahre dagegen gipfelte die bisherige Entwicklung darin, dass eine Frau in Westdeutschland durchschnittlich keine zwei Kinder mehr hatte, wodurch die Bevölkerung abnehmen musste. In anderen Industrieländern gehen die gleichen Schreckgespenster um: Die Geburten sind rückläufig und die Bevölkerung altert, immer weniger Menschen nehmen aktiv am Arbeitsleben teil. Dort wie auch hierzulande, vor allem im Rahmen des „Wirtschaftswunders“, wurde die entstandene und für die Zukunft weiter prognostizierte Menschenlücke durch Zuwanderung gestopft, um die Wachstumschancen voll auszunutzen, die sich der Wirtschaft boten. Die Probleme, die uns aus der sozialen und kulturellen Vielfalt unserer heutigen Gesellschaft erwachsen, sind der Preis, den wir für unseren Wohlstand zu zahlen haben. Zuwanderung allein kann kein Patentrezept sein, um Deutschland eine Zukunft zu geben.

Es wurde viel zu lange weggeschaut.

Seit nunmehr über 30 Jahren sterben hierzulande Jahr für Jahr mehr Alte als Kinder geboren werden. Auch wenn das niemandem mehr neu ist, kann man es nicht oft genug betonen. Aber was wird dagegen getan? Die Politiker nehmen es als den unabänderlichen Lauf der Dinge hin. Sie könnten ja jemandem in seine privaten Angelegenheiten hineinreden! In dieser Beziehung scheint ihnen der Liberalismus und der Glauben an den mündigen Bürger heilig zu sein. Ein aufrüttelndes Wort aber wäre mehr als angebracht!

Familie und Beruf vereinbar machen!

Es sind unbedingt Anreize zu schaffen, dass in Deutschland wieder deutlich mehr Kinder, mindestens 2-3 pro Frau, in die Welt gesetzt werden. Lösungsansätze sind eine Umgestaltung der Arbeitswelt zu mehr Halbtagsstellen, der Ausbau der staatlichen Kinderbetreuung sowie die Integration von Kindern in das Arbeitsumfeld ihrer Eltern, etwa in Form von in großen Betrieben integrierten Kinderhorten. Auch ein vernünftiger Ansatz ist Elternzeit, die beide Elternteile untereinander aufteilen können sollten. Denn die Gleichberechtigung von Mann und Frau muss mit solchen Maßnahmen vereinbar sein. Finanzielle Anreize kommen hinzu. Eltern dürfen nicht länger mit dem Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf alleingelassen werden. Es kann nicht angehen, dass eine junge Frau beim Bewerbungsgespräch abgelehnt wird, weil sie möglicherweise schwanger werden könnte. Besonders benachteiligt sind heutzutage Akademiker, die neben der Karriere auch die Familie im Sinn haben. Der Zwang zur Zurückstellung von Kindern und Familie, den Wissenschaft und Wirtschaft im Flexibilitätswahn vor allem auf geistige Arbeiter ausüben, bringt die Gesellschaft der Zukunft um ihre langfristige Zukunft.

Neben wirtschaftlichen und organisatorischen Anreizen muss von Seiten der Politik in der Öffentlichkeit und der schulischen Bildung ein Bewusstsein für die Verantwortung jedes Einzelnen für das Geschick der ganzen Gesellschaft geschaffen werden. Die Entwicklung hin zu immer mehr Individualisierung, Verantwortungslosigkeit und kurzfristigem Lustgewinn muss aufgehalten und der Geist der Gemeinschaft muss in Deutschland wiederbelebt werden! Daran kann jeder Einzelne mithelfen, indem er „ja“ zur Gemeinschaft sagt und anderen Denkanstöße gibt. Letztlich sitzen wir alle in einem Boot, und dieses Boot heißt „Deutschland“.

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Über Reisig

Reisig erblickte 1983 in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums und dem Abitur führte ihn die Bereitschaft, seinen Dienst an der Gemeinschaft zu tun, zur Bundeswehr, wo er seinen Grundwehrdienst leistete. In den folgenden Jahren studierte er ein naturwissenschaftliches Fach. Während des Studiums engagierte sich Reisig einige Zeit in der politischen Linken. Dies ergab sich ihm aus seiner Ablehnung eines unreflektierten Untertanengeistes und der wirtschaftlichen Ausbeutung des unmündigen Bürgers. Dabei galt ihm stets das Wohl des deutschen Volkes als höchstes Ziel. Die Erkenntnis, dass weite Teile der Linken dieses Ziel nicht teilen wollen und dass er nunmehr keine faulen Kompromisse mehr machen wollen würde, ließ Reisig vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand nehmen. Eine neue politische Heimat fand Reisig bei den Jungdeutschen. Er hat an einer deutschen Universität in einem naturwissenschaftlichen Fach promoviert, ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland.

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