Stauffenberg, tote Bamberger und die Uni: alles Nazis

Zum zweiten Mal wurde die Gedenktafel für Stauffenberg und die Bamberger Opfer und Gefallenen beschmiert bzw. mit Farbbeuteln beworfen. Dies ist anscheinend schon im Januar bzw. Februar passiert, wir wurden allerdings erst jetzt darauf aufmerksam gemacht.

Die Gedenktafel für die gefallenen Bamberger Bürger (von 1957) und Opfer der NS-Zeit (1987) liegt an der unteren Brücke am Ende (flussabwärts) des Alten Rathauses, die Gedenktafel für Stauffenberg am Anfang im Durchgang. Länge des Rathauses zwischen den beiden Positionen: ca. 50 m. Um zu beiden Positionen zu gehen, muss „man um den Block gehen“. Die Stellen, an denen die Gedenktafeln hängen, sind nachts dunkel und schlecht einsehbar, obwohl sie an einer Hauptroute für Touristen und Bewohner liegen. Vielleicht sind diese Gegebenheiten ein Grund, warum es erneut dazu kam, dass die Tafeln geschändet wurden.

Weil das langsam auch der Stadtverwaltung auffällt, wird über Kamerabeobachtung nachgedacht. Das kann man bei den Bamberger Piraten lesen (bereits im Januar). Dort stehen auch so Dinge wie dass es „objektiv das Richtige wäre„, die Tafel „die nicht in unsere aufgeklärte Zeit passt„, abzuhängen. Über Meinungen kann man bekanntlich streiten. Ich meine, dass es objektiv das Richtige wäre, die Tafel hängen zu lassen, da die Inschrift nicht dem Zeitgeist unterworfen, sondern zeitlos ist:

„Im Weltkrieg 1939 – 1945 fielen aus der Stadt Bamberg 1992 getreue deutsche Soldaten an den Fronten Europas und Afrikas. Durch Bombenangriff gaben ihr Leben für die Heimat 242 Männer, Frauen und Kinder. Vermisst bleiben 1642 Brüder und Schwestern. Wir gedenken Ihnen in unauslöschlicher Dankbarkeit.“ (aus der „Stellungnahme“, siehe unten)

So lange es noch Deutsche und Bamberger gibt, wird diese Tafel dort noch hängen bleiben. Wie die Tafel der Opfer des Systems, das von einigen der Gefallenen auf der anderen Tafel gestützt wurde. Das bedingt sich gegenseitig. Eine Seite zu streichen, wäre nicht mehr objektiv.

Eine Kameraüberwachung ist teuer und an so einer Stelle immer noch ein harter Eingriff in die Privatsphäre aller Passanten. Ausleuchtung und Schutz der Tafeln durch Vorrichtungen wäre effizienter.

Nun zur Tafel von Stauffenberg: Diese wurde wieder mit „Nazi Dreck“ und Schmutz beschmiert. Der Schrift nach muss es sich um den gleichen Schmierfinken wie beim ersten Mal handeln.

Durch Zufall bin ich über Google auf diesen Verweis http://campusnews.uni-bamberg.de/news/dnewsweb.exe/stellungnahmegedenktafelnfeb.2012.pdf?cmd=article&group=Aktuelles-Liste&item=4218&part=2&utag=&/stellungnahmegedenktafelnfeb.2012.pdf gestoßen, der zu einer PDF ohne Autorennennung führt, die es in sich hat. Ich veröffentliche sie deswegen:

Stellungnahme zu den sogenannten „Farbanschlägen“ auf den Bamberger Rathausbrücken
Freudig nehmen wir zur Kenntnis, dass geschichtsbewusste Menschen unserem Beispiel folgen und die beiden geschichtsrevisionistischen Tafeln auf Unterer und Oberer Brücke unleserlich machen. Sie setzen damit ein Zeichen gegen Verharmlosung und Relativierung des nationalsozialistischen Terrors.
Die Tafeln stehen beispielhaft für die Verleugnung der Mittäterschaft Bamberger Bürgerinnen und Bürger an der von Deutschen begangenen Barbarei. Genau jene, denen auf der rechten Tafel der Unteren Brücke „in unauslöschlicher Dankbarkeit“ gedacht wird, machten den Holocaust möglich, dessen Opfer zwei Meter links davon auf einer weiteren Tafel bedauert werden.
So lange Bamberg den Täterinnen und Tätern „in unauslöschlicher Dankbarkeit“ gedenkt, fordern wir dazu auf, die geschichtsrevisionistischen Tafeln weiterhin unleserlich zu halten.
Der Text auf der im Jahr 1957 angebrachten Tafel lautet:
„Im Weltkrieg 1939 – 1945 fielen aus der Stadt Bamberg 1992 getreue deutsche Soldaten an den Fronten Europas und Afrikas. Durch Bombenangriff gaben ihr Leben für die Heimat 242 Männer, Frauen und Kinder. Vermisst bleiben 1642 Brüder und Schwestern. Wir gedenken Ihnen in unauslöschlicher Dankbarkeit.“
Der Text der Tafel ist an öffentlichem Geschichtsrevisionismus kaum zu überbieten. Die 242 Bamberger Männer, Frauen und Kinder gaben ihr Leben nicht für die „Heimat“, sondern aufgrund von Untätigkeit oder aktiver Unterstützung für den Nationalsozialismus. Es wird den 1992 gefallen „getreuen deutschen Soldaten an den Fronten Europas und Afrikas“ gedankt, die in Wehrmacht und SS einen totalen Angriffskrieg mit 60 Millionen Ermordeten in die Welt trugen. Dies erst hatte zur Folge, dass auch in Bamberg „Brüder und Schwestern“ Ziel alliierter Interventionen wurden.
Das ist auch der Stadt Bamberg und Oberbürgermeister Starke nicht entgangen, demzufolge die 1986 angebrachte Tafel die alte ergänze und auch deren Text relativieren solle. Die Aussage des Ältestenrates, wonach beide Tafeln als wichtige Zeitdokumente anzusehen seien, erscheint richtig. Jedoch ist solch heuchlerisches Gedenken blanker Hohn, solange unkommentiert den Täterinnen und Tätern auf der rechten Tafel gedankt wird, deren Opfer auf der linken bedauert werden. Sicherlich unterstützten nicht alle „Brüder und Schwestern“ aktiv den Vernichtungsfeldzug und Massenmord, der auch die Opfer der linken Tafel zu verantworten hat. Gewiss tat dies jedoch der Antisemit Oberst Stauffenberg, dem auf der Oberen Brücke als Bamberger Widerstandskämpfer gedacht wird. Zu selbigem ist ein Denkmal geplant. Neben den Skulpturen der Dargestellten soll auf einer Stele ein aussagekräftiges Zitat derselben Person stehen. Stauffenberg lässt sich durch das folgende rassistische Zitat charakterisieren, das seinem Eid für die Verschwörung des 20. Juli entstammt:
„Wir bekennen uns im Geist und in der Tat zu den großen Überlieferungen unseres Volkes, die durch die Verschmelzung hellenischer und christlicher Ursprünge in germanischem Wesen das abendländische Menschentum schufen. Wir wollen eine Neue Ordnung, die alle Deutschen zu Trägern des Staates macht und Ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgt, verachten aber die Gleichheitslüge und fordern die Anerkennung der naturgegebenen Ränge. Wir wollen ein Volk, das in der Erde der Heimat verwurzelt den natürlichen Mächten nahe bleibt…“
(Stauffenberg, Juli 1944)
Heute wäre er damit ein Feind der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Solange solchen Nazi-Schergen als Widerstandskämpfern gedacht und unwidersprochen deutschen Täterinnen und Tätern gedankt wird, fordern wir dazu auf, die Gedenktafeln unleserlich zu halten. Ein angemessener Umgang bestünde in der Ergänzung der geschichtsrevisionistischen Tafeln um eine Erläuterung, die das Aufhängen und den kritiklosen Verbleib über mehr als 50 Jahre kritisch dokumentiert. Falls nicht bleibt Bamberg hoffentlich bunt.
Februar 2012″

Also kurz gefasst:
1. Bamberger dürfen nicht „ihrer“ Opfern gedenken, weil die ja alle, oder zumindest zum Großteil, Verbrecher waren. Dass diese Leute auch Söhne und Töchter, Menschen, waren… Egal!
2. Irgendwie sind auch die Bamberger heute noch für 60 Millionen Tote schuldig.
3. Die Tafeln (Gefalle/NS-Opfer) hängen nicht „unkommentiert“ gegenüber, denn sie sprechen für sich. Diese geforderten Kommentare, wären nichts anderes als eine weitere einseitige Ideologisierung der Öffentlichkeit und eine Verklärung der Gedenktafel.
4. Natürlich wäre Stauffenberg heute ein Verfassungsfeind.  Weil man ihn dazu machen würde. Deswegen fehlt der genannte Schwur auch in der Gedenkstätte im Bendlerblock.  Weil Menschen, die die „Zukunft der Deutschen“ nicht sehen oder vernichten wollen, um selber die Menschen zu einem „schöneren Leben“ zu führen. Weil diese „geschichtsbewussten Menschen“ kaum Ahnung von „der Geschichte“ haben, denn sonst hätten sie die Wahrheit in den Zeilen des Schwurs gesehen oder sich kritisch und sich nicht im Stil des Hexenjägers damit befasst. Deswegen hier  folgend, der ganze Schwur, zu dem auch mein Mitstreiter Märzkämpfer eine gute Analyse im letzten Jahr verfasst hat (Verweis folgt in Kürze).

„Wir glauben an die Zukunft der Deutschen.

Wir wissen im Deutschen die Kräfte, die ihn berufen, die Gemeinschaft der abendländischen Völker zu schönerem Leben zu führen.

Wir bekennen uns im Geist und in der Tat zu den großen Überlieferungen unseres Volkes, das durch die Verschmelzung hellenischer und christlicher Ursprünge in germanischem Wesen das abendländische Menschentum schuf.

Wir wollen eine Neue Ordnung, die alle Deutschen zu Trägern des Staates macht und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgt, verachten aber die Gleichheitslüge und fordern die Anerkennung der naturgegebenen Ränge.“

Wir wollen ein Volk, das in der Erde der Heimat verwurzelt den natürlichen Mächten nahebleibt, das im Wirken in den gegebenen Lebenskreisen sein Glück und sein Genüge findet und in freiem Stolze die niederen Triebe des Neides und der Mißgunst überwindet.

Wir wollen Führende, die aus allen Schichten des Volkes wachsend, verbunden den göttlichen Mächten, durch großen Sinn, Zucht und Opfer den anderen vorangehen.

Wir verbinden uns zu einer untrennbaren Gemeinschaft, die durch Haltung und Tat der Neuen Ordnung dient und den künftigen Führern die Kämpfer bildet, derer sie bedürfen.

Wir geloben:
untadelig zu leben –
gewissenhaft zu dienen –
unverbrüchlich zu schweigen –
und füreinander einzustehen.“

(zitiert nach Wolfgang Venohr: Stauffenberg – Symbol des Widerstands. Eine politische Biographie, 3., überarb. u. erg. Neuauflage, München 2000, S. 304 f.)
von: http://www.stauffenberg1944.de/schwur.html

5. „Falls nicht bleibt Bamberg hoffentlich bunt.“ Yeah, Sachbeschädigung für die „gerechte Sache“!

Unter dem gleichen Verweis findet man zudem einen E-Mail-Verkehr zwischen der Uni Bamberg und der Antifa Bamberg (Überrascht?), in der die Uni „an den rechten Rand“ gestellt wird. Dabei werden Harald Seubert, Erik Lehnert und Josef Schmid als Vordenker der „Neuen Rechten“ bezeichnet und ihnen indirekt „rassistische, nationalistische, xenophobe und antisemitische“ Denkarten vorgeworfen, die zu Morden führen. Alle Autoren sind tatsächlich für die „Neue Rechte“ tätig. Schmid schreibt z.B. (laut der Antifa-E-Mail) Sätze wie „„Mit der Einwanderung als „Heilmittel“ des Geburtendefizits werde in absehbarer Zeit „das zu Erhaltende, nämlich das Stammvolk als Träger des demokratischen Volkswillens und des leistungsbezogenen Wirtschaftsstils, unter der Last seiner Nebenwirkungen zusammenbrechen“.
Die Universität weist die Vorwürfe als verleumderisch zurück, stellt klar, dass die Professoren kaum Einfluss haben und dass „die Universität als Ort der wissenschaftlichen Auseinandersetzung einen offenen Dialog ermöglichen muss.“ Des Weiteren distanzierst sie sich von extremistischen politischen Positionen. Amerikanisch übersetzt: „In your face Antifa! In your face!“ 🙂

Ja, Bamberg bleibt weiterhin bunt. Wirklich bunt. Das nehme ich freudig zur Kenntnis.

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