Die hippe globale Zivilgesellschaft soll zuschlagen: KONY 2012

cundar

Seit einigen Tagen macht ein Video die Runde, das, wie ich finde, eine Konzentration des Zeitgeistes ist… Wahrscheinlich wurde es deswegen auf YouTube und Vimeo mittlerweile ca. 30 Millionen mal aufgerufen. Eine kurze Einleitung: Joseph Kony ist ein Rebellenführer, der seit einigen Jahrzehnten Terror in Uganda und benachbarten Ländern verbreitet. Seine „Widerstandsarmee des Herren“ rekrutiert sich aus geraubten Kindersoldaten (laut Wiki 66.000 Kinder). Die Aktion KONY 2012 richtet sich deswegen an niemanden anderen als „die Menschheit“ und fordert, dass die Verbrechen bekannt gemacht und Kony bis zum Ende des Jahres 2012 gestoppt werden soll. Ehrbare Ziele… aber die Methoden! Das Video sprüht vor Hippster-Stil, „Der weiße Mann als Erlöser“-Geist und amerikanisch-moderner Weltanschauung, dass es mich gruselte. Deswegen steht die Aktion und die verantwortliche Organisation „Invisible children“ auch in der Kritik. Darauf hat sie mittlerweile reagiert: hier klicken. Wer des Englischen mächtig ist, sollte sich den kritischen Blog-Eintrag  und das 30-minütige Video „KONY 2012“ (folgend) anschauen. Es zeigt sehr gut, was heute alles möglich scheint.

Advertisements

Ein Gedanke zu „Die hippe globale Zivilgesellschaft soll zuschlagen: KONY 2012

  1. Die ZEIT weist darauf hin, dass die USA schon länger hinter Kony her sind. Es ist also unsinnig, so zu tun, als sei noch nie etwas gegen ihn unternommen worden. Wer jetzt glaubt, die Greuel der LRA könnten schlagartig beendet werden, sollte erst einmal die Lehren aus der jünsten Vergangenheit ziehen:
    „Schon 2001 hatte das amerikanische Außenministerium die LRA auf die Liste terroristischer Organisationen gesetzt. Schon George W. Bush hatte Militärberater nach Uganda entsandt. Und 2008 hatte das ugandische Militär mit amerikanischer Unterstützung die entscheidende Militäroperation mit einem Luftschlag gegen Konys Camp im Kongo eingeleitet. Sie scheiterte. Aus Rache verübte die LRA in den folgenden Monaten Massaker im Kongo mit mehreren Hundert Toten. Es ist naiv bis gefährlich, zu suggerieren, man müsse nur genügend Elitesoldaten losschicken, um Kony aus dem Busch zu »pflücken«. Für solche Operationen braucht es aufwendige und teure Begleitmaßnahmen: UN-Soldaten und halbwegs disziplinierte einheimische Militärs zum Schutz der Zivilbevölkerung; erfahrene Demobilisierungsexperten, die LRA-Kämpfer aus dem Busch locken können; ständige Kommunikation mit den lokalen Gemeinden. Das ist teuer. Das kann noch Jahre dauern. Und da helfen Kony-Armbänder und Posterkampagnen wenig.“ (http://www.zeit.de/2012/12/Kampagne-Kony-2012)

    Und noch ein ganz anderer Kritikpunkt an der Kony-Geschichte: Konys Verhalten ist sicherlich verwerflich und zu verurteilen. Aber wer garantiert, dass sich die im Internet mobilisierten Massen nur gegen menschenverachtende und Gräueltaten verübende Regime richten, und nicht eines Tages auch gegen irgendwie vom Vorbild der amerikanischen Gesellschaft und Politik abweichende politische Mächte? Man braucht dazu nur Propaganda gegen ungeliebte Regime in anderen Ländern zu betreiben, die ihnen alles Mögliche in die Schuhe schiebt, und die Jugend im Internet gegen sie aufzuhetzen, und schon hagelt es Luftschläge. Wenn sich solche Mechanismen einspielen, wird die bestehende, von den USA dominierte Weltordnung durch eine spontan-pseudodemokratische Untermauerung gefestigt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s