Zitat zum Sonntag: Ernst Niekisch über den „Geist des Westens“

„Die Kraft und Nachhaltigkeit des Widerstandes wird freilich davon bestimmt sein, daß man ahnend oder erkennend erfaßt, aus welchen wesentlichen und tiefen Quellen die Gewalten gespeist und getrieben werden, gegen die er geleistet werden soll. Es ist Zeit zu begreifen, daß eine Wurzel unseres Verderbens die westliche Geistigkeit ist, jene Geistigkeit, die sogar mit ihren ‚liberalen Verlockungen’ und ‚fortschrittlichen’ Rattenfängermelodien unsre Arbeiterschaft zu gewinnen vermochte. Gläubig übernahm unsre Arbeiterschaft das Weltbild englischer Industrielords und französischer Finanzkönige, als könnte es jemals Ausdruck und Zielsetzung proletarischer Lebenssphäre, proletarischen Seins und Wollens sein. Westlerisch sein heißt: mit der Phrase der Freiheit auf Betrug ausgehen, mit dem Bekenntnis zur Menschlichkeit Verbrechen in die Wege leiten, mit dem Aufruf zur Völkerversöhnung Völker zugrunde richten. England, das ‚freie’ England würgt Inder und Ägypter; Frankreich, das ‚großmütige, menschliche’ Frankreich vergiftet Marokkaner und Syrer. – Sie waten im Blute der Geknechteten kraft Auftrags der ‚Zivilisation’. Den ‚gerechten’ Frieden, den der andere große Westler Wilson uns verhieß, empfingen wir in Versailles.“

Ernst Niekisch: Widerstand, Krefeld 1982.

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