Zitat zum Sonntag: Schiller über die Reform des Staates

„Wenn ich also, Gnädigster Prinz, über die gegenwärtigen politischen Bedürfnisse und Erwartungen meine Meinung sagen darf, so gestehe ich, daß ich jeden Versuch einer Staatsverbesserung aus Principien (denn jede andere ist bloßes Noth- und Flickwerk) so lange für unzeitig, und jede darauf gegründete Hoffnung so lange für schwärmerisch halte, bis der Karakter der Menschheit von seinem tiefen Verfall wieder emporgehoben worden ist – eine Arbeit für mehr als ein Jahrhundert. Man wird zwar unterdessen von manchem abgestellten Mißbrauch, von mancher glücklich versuchten Reform im Einzelnen, von manchem Sieg der Vernunft über das Vorurtheil hören, aber was hier zehn große Menschen aufbauten, werden dort funfzig Schwachköpfe wieder niederreißen. Man wird in andern Welttheilen den Negern die Ketten abnehmen, und in Europa den – Geistern anlegen. So lange aber der oberste Grundsatz der Staaten von einem empörenden Egoismus zeugt, und so lange die Tendenz der Staatsbürger nur auf das physische Wohlseyn beschränkt ist, so lange, fürchte ich, wird die politische Regeneration, die man so nahe glaubte, nichts als ein schöner philosophischer Traum bleiben.

Soll man also aufhören, darnach zu streben? Soll man gerade die wichtigste aller menschlichen Angelegenheiten einer gesetzlosen Willkühr, einem blinden Zufall anheimstellen, während daß das Reich der Vernunft nach jeder andern Seite zusehends erweitert wird? Nichts weniger, Gnädigster Prinz. Politische und bürgerliche Freiheit bleibt immer und ewig das heiligste aller Güter, das würdigste Ziel aller Anstrengungen, und das große Centrum aller Kultur – aber man wird diesen herrlichen Bau nur auf dem festen Grund eines veredelten Karakters aufführen, man wird damit anfangen müssen, für die Verfassung Bürger zu erschaffen, ehe man den Bürgern eine Verfassung geben kann.“

Friedrich Schiller an Herzog Friedrich Christian von Augustenburg, 1793.

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Ein Gedanke zu „Zitat zum Sonntag: Schiller über die Reform des Staates

  1. Wort zum Tag
    15.12.2014

    Reisebericht
    Wir waren im Schillerhaus in Weimar und auf dem Weihnachtsmarkt in Erfurt, dazwischen liegt Nohra mit einer ehrlichen, herzlichen Herberge „Klostergrotte“ und noch lieben Thüringern Originalen, die Wirtsleute Lindner. Mein Gedicht soll eine Ode und Animation für Euch sein. Der Weihnachtsmarkt ist schön gedacht, aber voll, voll, voll, die Stadt quillt aus allen Nähten, der Spießrutenlauf durch die Gassen und Gänge macht keinen Spaß. Die Besinnlichkeit ist weg, saufen und Polizeimacht, die den finsteren Gestallten entgegen stehen sind der Tugend gewichen. Fressen-Ficken-Feuerwehr oder Brot und Spiele. Im Dom dann ein Orgelkonzert, in feuchter Kälte zelebrieren die hoch geistigen ihr Bettelgeschäft und die Scheinheiligen sitzen in Eintracht, um ihrer Sünden zu gedenken, auf Abbitte hoffend. Ein Bild was perverser nicht sein kann, aber die Realität widerspiegelt, einen Schritt aus der Scheinheiligkeit und man steht im Krieg des Konsums.
    Der Besuch im Schillerhaus in Weimar war schön und hat mir die Augen geöffnet, ich bin ein Schiller, weniger Goethe. Das Revolutionäre von Schiller ist mir eigen und Schiller ist 1759 geboren und ich 1959 was eine Seelenverwandtschaft hervorruft. Schiller hatte seine Charlotte und einige Nebenfrauen, was bei meiner lieben Britta nicht nötig ist, sie reicht mir als Muse, das Andere wäre Stress. 🙂
    Ich werde dem Museum ein Angebot machen, um diese Verbindung zur Neuzeit festzuhalten.
    Nun war ich zwei Tage nicht im Netz und nichts hat sich geändert. Ihr lasst Euch noch immer verarschen, Günther Jauch mit seiner Hetze und den Volksverdummern darf noch senden, obwohl Tausende auf der Straße demonstrieren, die dann mit bezahlten Gegendemos der Regierung, die abgeduckt ist, konfrontiert werden. Alle werden als Rechte beschnitten und die Beschnittenen lachen sich eins, wie sich das deutsche Volk selbst zerfleischt. Schiller hatte es schon begriffen als er sagte „….. man wird damit anfangen müssen, für die Verfassung Bürger zu erschaffen, ehe man den Bürgern eine Verfassung geben kann.”, Ihr seid noch weit weg und daher werde ich meine Kraft nicht mehr mit Euch Widersinnigen vergeuden, die für einen Cent weniger an der Tankstelle ihre Familien umbringen lassen. Ich war Euch Prophet und Freund, Ihr habt Euch erbrochen um meiner Worte, einige sich meiner entledigt, nie verstanden oder gar Beistand signalisiert, nun tragt das Blut und ersauft in Eurer Gleichgültigkeit. So wie der Europäische Gerichtshof mir nicht antwortet, mich betrügt, Andreas Voßkuhle, Verfassungspräsident, mit seinen Verbrechern am Bundesgerichtshof seine Geschäfte weiter pflegt, die Politiker weiter auf Gewalt setzen, werdet Ihr ins Leere laufen, weil Ihr dem Irrglauben unterliegt, wenn ich nur langgenug meinen Frieden tanze, tanzen die Machthaber irgendwann alle mit.

    „Klostergrotte“ in Nohra

    Zwischen Erfurt und Weimar
    lag eine beschauliche Abtei,
    in Nohra sind noch Reste da,
    einst Goethe nicht einerlei.

    Wirtsleute Lindner erhalten
    das Thüringer Original,
    mit Lieb Aufenthalt gestalten,
    selbst kochend jedes Mahl.

    Der Ursprung knarrt leise
    erzählt die Geschichte der Müh,
    halte auf deiner Reise,
    Thüringer Spezialität auch für sie.

    Sterne wurden keine angebracht,
    habe sie aber in den Augen gesehen,
    saubere Handarbeit Freude gebracht,
    werden wieder auf dieser Schwelle stehen.

    Volksdichter
    Frank Poschau
    15.12.2014
    http://www.frank-poschau.jimdo.com

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