Baut der Iran Atomwaffen? Muss uns das überhaupt interessieren?

Die erste Frage beschäftigt die Zeitungen; man könnte teilweise schon von Kriegstreiberei sprechen, wie z.B. in der ZEIT. Die zweite fällt unter das Merkelsche Tabu der besonderen Verantwortung Deutschlands für Israel. In dieser medialen und politischen Gemengelage ist der Reporter Klaus Kleber für das ZDF in den Iran gereist und hat den Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad befragt, um herauszufinden, ob dieser zu einem Einlenken in der Frage der Offenlegung des iranischen Atomprogrammes bereit ist. Auf diese Frage bekommt er keine zufriedenstellende Antwort. Aber in anderer Hinsicht ist das Interview sehenswert, denn Ahmadinedschad rührt an so manches Tabu unserer Zeit. Gleich zu Anfang der ZDF-Sendung sowie sicherheitshalber nochmal am Ende in ähnlicher Formulierung wird der Zuschauer darauf hingewiesen, dass Ahmadinedschad Aussagen macht, „die in Deutschland strafrechtlich relevant sind“. Danach geht kein weltanschaulich durchgeformter, politisch korrekter deutscher Fernsehkonsument mit Ahmadinedschads Aussagen mehr unbefangen um. Musste das sein? Im Folgenden einige Auszüge aus dem in Gänze durchaus sehenswerten Interview:

Hier eine für Kleber peinliche, geradezu lächerliche Passage zum Atomwaffensperrvertrag (Non-Proliferation Treaty):

  • Kleber: „Israel gehört nicht zum Atomwaffensperrvertrag. Es hat keine vertragliche Ver-pflichtung, das offen zu legen. Iran hat diese Verpflichtung.“
  • Ahmadinedschad: „Das heißt, jeder, der nicht Mitglied des NPT-Vertrag ist, ist frei, zu tun, was er will?“
  • K.: „So ist das wohl“.

Das heißt, wer anderen gegenüber keine Verpflichtungen eingeht, kann diese bedrohen, wie es ihm passt. Wer aber Verantwortung übernimmt, kann bestraft werden. Dass Ahmadinedschad diese Situation als ungerecht empfindet, ist nachvollziehbar. Auch zu denken geben diese Äußerungen:

  • A.: „Gibt es ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Zionisten über allen internationalen Regelungen und Gesetzen und Vorschriften stehen?“„Die Frage ist, warum die europäischen Staaten blind die Zionisten unterstützen.“ „Warum muss das Kapital und das Geld der europäischen Völker für die Zionisten ausgegeben werden?“

Ahmadinedschad spricht nicht von den Juden, sondern den Zionisten. Damit macht er eine Unterscheidung, die es im deutschen politisch korrekten Sprachgebrauch nicht gibt. Zionisten unterstützen den Staat Israel, es gibt jedoch auch Juden, die darauf keinen oder wenig Wert legen, geschweige denn darauf, die Pälastinenser zu entrechten und ihnen Gewalt anzutun. Da die deutsche Politik Israel bedingungslos beistehen, ja vielleicht sogar in einem Krieg mit dem Iran auf israelischer Seite teilnehmen will, verbietet es sich dem Mainstream, zwischen nicht-zionistischen und zionistischen Juden zu unterscheiden. Man merke auf: Ahamdinedschad greift hier nicht die Juden an sich an, sondern nur die Zionisten!

  • A.: „Die haben eine Geschichte mit dem Titel Holocaust gemacht und die Schäden und die Kosten dafür müssen die Palästinenser bezahlen.“

Hier haben wir vielleicht eine nach deutschem Recht strafbare Aussage Ahmadinedschads. Wir Jungdeutschen unterstützen diese Meinung nicht und stellen den Holocaust nicht in Frage.Pikant geht es auch an dieser Stelle zu:

  • A.: „Welche Schuld hat das deutsche Volk? Warum muss das deutsche Volk von Zionisten bestraft werden? Die Neugeborenen in Deutschland, welche Sünden haben sie gemacht?“
  • K.: „Ich würde gerne weggehen von Deutschland. Ich würde gerne dieses Thema wechseln.“

Natürlich vermeidet Kleber die weitere Diskussion über die Frage der deutschen Schuld. Leicht geriete er in ein Fahrwasser, das ihn seinen Job kosten könnte. Er soll seine eine Frage klären und sich nicht von Ahmadinedschad zu politisch unkorrekten Aussagen verleiten lassen. Den hier schlafenden Hund will Kleber nicht wecken, und zwar dass sich die deutschen Zuschauer in ihrer heimlichen Frage nach der heutigen deutschen Schuld und der daraus folgenden Rechtfertigung für die Diskriminierung Deutschlands in der EU- und der Weltpolitik bestätigt sehen.

Ahmadinedschad spricht einen weiteren wunden Punkt der politischen Korrektheit an: den Unterschied zwischen der öffentlichen Meinung des Volkes und der veröffentlichten Meinung der Presse und Politik:

  • A.: „Warum werden diejenigen Länder an den Pranger gestellt, die gegen die Politik der USA sind, aber die Freunde der USA dürfen tun, was sie wollen? Der Schah im Iran war ein Diktator, und alle waren befreundet mit ihm, und Menschenrechtsfragen gab es nicht.“
  • K.: „Junge Deutsche haben gegen den Schah demonstriert. Ein junger Student in Deutschland ist gestorben bei solchen Demonstrationen.“
  • A.: „Ja, es ist richtig. Wir diskutieren nicht mit dem Volk. Wir wissen, dass auch jetzt das deutsche Volk für uns ist. Das können wir probieren, wenn sie wollen. Machen wir ein Referendum in Deutschland. Dann schauen wir, was die Deutschen über uns sagen. Es geht um die Regierungen. Die Völker haben keine Probleme miteinander.

Es ist gut möglich, dass die meisten Deutschen keine Lust verspüren, für Israels Abenteuer den Kopf hinzuhalten. Es mag jedoch zu weit gehen, zu sagen, die Deutschen seien auf der Seite der iranischen Regierung. Wir haben nur einfach keinen vernünftigen Grund, einen Krieg gegen den Iran vom Zaun zu brechen, geschweige denn, uns in einen solchen verwickeln zu lassen. Sicherlich, im Iran steht nicht alles zum Besten und viele Menschen werden unterdrückt. Aber einen Krieg rechtfertigt das nicht.

Nun noch einige weitere Zitate Ahmadinedschads, die für sich sprechen:

  • „Die IAEO arbeitet nicht selbstständig und ist beeinflusst von Großmächten. Wenn wir ein Vetorecht hätten im UN-Sicherheitsrat, würde die IAEO genauso gegen uns vorgehen? Oder wenn wir zu den Ländern gehörten, die im amerikanischen Block stehen, würde die IAEO auch weiter so mit uns vorgehen? Das ist ein Problem. Das zweite Problem ist die Verfahrensweise bei der IAEO. Die IAEO sagt uns, wir müssen nachweisen, dass wir clean sind, dass wir korrekt sind. Wie kann man das beweisen? Wie kann man beweisen, dass man nicht krank ist?“
  • „Die Erfahrung zeigt, dass unsere Geheiminformationen unseren Feinden zur Verfügung gestellt werden. Wir haben zusammengearbeitet, wir haben die Namen unserer Atomwissenschaftler der IAEO gegeben und die haben das veröffentlicht. Und unsere Wissenschaftler sind durch Zionisten terrorisiert worden; die sind umgebracht worden.“
  • „Wir sind das einzige Land, dessen nukleare Informationen und Daten überall in der Welt verbreitet wurden. Das steht in klarem Gegensatz zu den Regelungen der IAEO. Es tut uns leid, dass die IAEO unter dem Einfluss des politischen Drucks handelt.“
  • „Es kann nicht sein, dass gewisse Länder für uns ein Sondergesetz definieren.“
  • „Welche Wurzeln haben diese Spannungen? Das ist Ungerechtigkeit und das ist Diskriminierung. Dass einige Länder sich zusammensetzen und die Welt regieren wollen.“
  • „Das zionistische Regime ist sehr klein. Es ist nur ein Instrument der Amerikaner.“
  • „Wir haben über eine lange Periode weit über die Regelungen der IAEO mit der IAEO zusammengearbeitet. Das Ergebnis war, wir wurden härter bestraft, wir wurden entrechtet, wir wurden diskriminiert. (…) Und jetzt kooperieren wir auch, aber unsere Wissenschaftler werden terrorisiert.“
  • „Wir sagen, wenn es Gesetze gibt, dann müssen diese Gesetze für alle gültig sein. Die Regelungen der IAEO sind Maßstab. Und parteilose Rechtswissenschaftler sollen darüber urteilen.“
  • „Welche Rolle spielen eigentlich die europäischen Länder in diesem Zusammenhang? Warum sind die europäischen Länder gegen uns?“
  • „Alle unsere Nuklearanlagen werden kontrolliert von Videokameras der IAEO. Und per Gesetz dürfen sie nichts außerhalb der atomaren Anlagen besichtigen. Aber sie wollen Druck ausüben und auch Zugang bekommen. Das ist gegen die Gesetze.“
  • „Welches Problem hat Deutschland mit uns? Wenn die Amerikaner keinen Druck ausüben, wird die Bundesregierung gar keine Probleme mit uns haben.“
  • „Das iranische Volk hat einen Diktator beseitigt und eine Republik gegründet. Seit 33 Jahren werden wir bestraft, weil wir gesagt haben, dass wir eine Republik haben wollen. Das ist das Problem.“
  • „Geht es tatsächlich um die Menschenrechte? Überall in der Welt hat man die Menschenrechtsprobleme gelöst, nur im Iran sind diese Probleme ungelöst geblieben? In den besetzen palästinensischen Gebieten sind diese Probleme gelöst? Sind die USA und die europäischen Ländern genauso streng gegenüber Israel wie uns gegenüber?“
  • „Werden Menschenrechte in Europa respektiert und eingehalten? Warum darf man in Europa nicht frei über den Holocaust forschen?“
  • „Ich glaube, man muss erlauben, dass das deutsche Volk seine Meinung sagt. Und das ist genau das, was in Europa nicht möglich ist.“

Etwas Bauchpinseln zum Schluss, und hoffen wir, dass Ahmadinedschad dabei nicht nur an das unrühmliche Kapitel der NS-Diktatur denkt:

  • A.: „Wir lieben die Deutschen. Ja, ziemlich stark.“

 

Quellen:

http://www.youtube.com/watch?v=35zflcwAY8g&feature=related

http://www.zeit.de/2012/16/Kriegsspiele

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Über Reisig

Reisig erblickte 1983 in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums und dem Abitur führte ihn die Bereitschaft, seinen Dienst an der Gemeinschaft zu tun, zur Bundeswehr, wo er seinen Grundwehrdienst leistete. In den folgenden Jahren studierte er ein naturwissenschaftliches Fach. Während des Studiums engagierte sich Reisig einige Zeit in der politischen Linken. Dies ergab sich ihm aus seiner Ablehnung eines unreflektierten Untertanengeistes und der wirtschaftlichen Ausbeutung des unmündigen Bürgers. Dabei galt ihm stets das Wohl des deutschen Volkes als höchstes Ziel. Die Erkenntnis, dass weite Teile der Linken dieses Ziel nicht teilen wollen und dass er nunmehr keine faulen Kompromisse mehr machen wollen würde, ließ Reisig vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand nehmen. Eine neue politische Heimat fand Reisig bei den Jungdeutschen. Er hat an einer deutschen Universität in einem naturwissenschaftlichen Fach promoviert, ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland.

Ein Gedanke zu „Baut der Iran Atomwaffen? Muss uns das überhaupt interessieren?

  1. Tatsächlich ist die Aufregung „Oh Gott, der Iran hat Atomwaffen“ Unsinn.
    Der Iran hat genauso das Recht, Atomwaffen zu besitzen, wie US Amerika, bzw. er hat eben genauso wenig das Recht dazu.
    Auch wenn z.B. US Amerika Atomwaffen hat, wird ein kluger Staat KEINE Atomwaffen bauen bzw. vorhandene vernichten. Notfalls auch einseitige Abrüstung ist das Gebot der Stunde.
    Wie immer ist es gut, den Überblick zu behalten – eine Karte der Länder, in denen Atomwaffen lagern: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Nuclear_weapons_states.svg&filetimestamp=20120419120111
    Ahmadinedschad will aber bekanntlich Israel und die Juden vernichten und ist daher den Nationalsozialisten sehr verbunden. Daher ist die Sorge Israels schon berechtigt. Auch hier gibt es aber Wechselwirkungen, die Israel positiver beeinflussen könnte.

    Zitat von Ahmadinedschad:
    „In den besetzen palästinensischen Gebieten […]“

    Man kann nicht sein eigenes Land besetzen.
    Soweit ich weiß sind die Juden/Israelis die Ureinwohner Israels/Palästinas und dort ca. 1800 v. Chr. eingewandert. Die arabischen Palästinenser sind glaube ich erst seit der islamischen Eroberung dort.
    Daher haben die Juden primäres Recht auf diesen Boden – die Palästinenser haben eben nur sekundäres Recht darauf.

    Zitat von Reisig:
    „Ahmadinedschad spricht nicht von den Juden, sondern den Zionisten. Damit macht er eine Unterscheidung, die es im deutschen politisch korrekten Sprachgebrauch nicht gibt. Zionisten unterstützen den Staat Israel, es gibt jedoch auch Juden, die darauf keinen oder wenig Wert legen, geschweige denn darauf, die Pälastinenser zu entrechten und ihnen Gewalt anzutun. Da die deutsche Politik Israel bedingungslos beistehen, ja vielleicht sogar in einem Krieg mit dem Iran auf israelischer Seite teilnehmen will, verbietet es sich dem Mainstream, zwischen nicht-zionistischen und zionistischen Juden zu unterscheiden. Man merke auf: Ahamdinedschad greift hier nicht die Juden an sich an, sondern nur die Zionisten!“

    + Es gibt einen Berg Zion, wonach die Juden z.B. auch als „Tochter Zion“ bezeichnet werden.
    + Kurz nach Christus wurden die Juden von den Römern in die Diaspora vertrieben. Später haben Moslems das Land erobert. Der Jude Theodor Herzl hat Ende des 19. Jh.s die Zionismus-Bewegung mitbegründet, mit dem Ziel, dass die Juden in ihr Land zurückkehren können.
    + Tatsächlich: Die Massenmedien benutzen das Wort „Zionismus“ nicht. Es wird einerseits von anti-jüdisch eingestellten Rechtsextremen genutzt,
    + andererseits von Linksextremen, z.B. der Antifa, die ja auch keine Juden mag. Die linken Juden-Feinde nennen ihre Einstellung aber „Anti-Zionismus“ und kämpfen natürlich trotzdem gegen „Antisemitismus“, ein Wort, das keiner versteht, und das für die Linksextremen wohl am treffendsten mit „rechts“ zu übersetzen ist. Auch ein Judenfeind kann so „gegen Antisemitismus“ kämpfen. So kann es dann vorkommen, dass Antifas einer pro-israelischen Kundgebung Antisemitismus vorwerfen („gegen Antisemitismus und Zionismus“ – mancher mag glauben, das sei das gleiche).

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