Alltagserlebnisse und durchgeschnittene Kehlen

Der Blogger Jörmund berichtete auf seinem Blog von verschiedenen U-Bahnfahrten und währenddessen statt gefundenen Erlebnissen: Ältere Frauen und Araber-Banden, U-Bahnen voller Kinder – die aber kein Deutsch sprechen – oder versteckte Sympathien Mitreisender für JF-Schriften.

Er beendet seine Erzählungen mit dem „Aufruf“, dass wir, Deutsche, über solche Erlebnisse schreiben, sprechen oder bloggen sollen, um ein entsprechendes Gegenbild zur schweigenden „Systempresse“ („Systemmedien“ schreibt er; ein Begriff, der ungenau ist und zwar nicht nur weil ihn die NPD verwendet) zu bilden. Das werde ich auch tun und einen Punkt einer seiner Geschichten hinterfragen.

Den folgenden Text habe ich letztens einer jungen identitäteren Gruppe aus Wien zukommen lassen:

Ich bin zwar kein Wiener, fühle mich aber durch einige wundervolle Aufenthalte bei Bekannten mit dieser Stadt sehr verbunden. Allerdings verbinde ich mit dieser Stadt auch ein prägendes  Erlebnis, was das Thema „Identität“ betrifft. […] Bei meinem ersten Besuch in Wien fuhr ich mit meinen Gastgebern in  der Bim (Straßenbahn, Anm. des Autors ) zu einer Kneipe. Da wies eine meiner Gastgeberinnen auf ein  falsch geschriebenes Schild am Fenster eines Ladens hin, an dem wir   vorbei fuhren. „Wird vielleicht ein Ausländer sein, der Name klingt  so“, meinte sie noch dazu. Keine Sekunde später schallte es aus dem Eingangsbereich im vorderen Zugteil: „Ey, hast du was gegen  Ausländer gesagt!?“. Eine Gruppe von vier, fünf Türken hatte sich  uns zu gewandt. Einer blickte mich herausfordernd an. Ich kannte so  eine Situation nicht und versuchte dieses „Missverständnis“ verbal  zu lösen, aber der Ton der Gruppe wurde immer aggressiver. Eine  Bekannte die hinter mir saß, zog mich zurück und erklärte mir, still  zu sein. Es würde immer so anfangen, erst pöbeln und dann  zuschlagen. Also hielt ich den Mund und schaute aus dem Fenster,  ließ die Pöbelei ins Leere laufen. Doch ein Satz, kurz bevor der  Haufen ausgestiegen ist, hat sich eingebrannt „Bis‘ du so ’n stolzer Österreicher, oder was?“ Fuhr mich einer an.

„Nein, stolzer Deutscher!“

Wollte ich sagen – aber meine Bekannte erinnerte mich mit heftigem Klopfen auf meiner Schulter daran, dass ich die nächsten Tage nicht  im Krankenhaus, sondern mit Wien verbringen wollte.
In den folgenden Tagen erfuhr ich, dass in dem Bekanntenkreis meiner   Bekannten nicht ein Mensch war, der nicht schon einmal Ähnliches oder Schlimmeres erfahren hatte.

Solche Situationen in Deutschland/Österreich sollte es eigentlich nicht geben.
Aber das mit „sollte“ ist ja so eine Sache…

Aber nun zurück zu der ersten Geschichte von Jörmund. Hier noch einmal der Verweis. Man sollte sie vorher gelesen haben.

Kurzer Abriss: Eine ältere Frau schimpft und beleidigt einen Haufen Araber in der U-Bahn. Die erwidern das mit einem „Halt’s Maul!“. Die Frau schimpft weiter, ein Mitfahrer schaut genervt, Jörmund bereitet sich auf das Schlimmste vor. Dann steigt die Gruppe aus und die Frau ruft ihr noch nach, „dass man so einem Pack die Kehle durch schneiden sollte.“.
Im Anschluss daran grüblte Jörmund nach, ob er mehr Solidarität mit der Pöblerin hätte zeigen soll. Denn die Solidarität zwischen den Deutschen sei ja ungewöhnlich schwach. Weiter schreibt er:

Die Stimme der Dame erschien mir wie ein Wetterleuchten, in all dem grauen Schweigen. Egal aus welchem inneren Zustand sie sich erhob, kamen hier, für einen kurzen Moment, all jene zur Sprache, die nicht mehr als Kollateralschäden von Multi-Kulti herhalten wollen. Von diesem Ausbruch ausgehend, Schlüsse über den Gemütszustand der deutschen Bevölkerung in jenen von Migrationsströmen besonders betroffenen Gebieten zu ziehen, ist sicherlich Unsinn. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass die Wut über die Zustände dort, die sich bei der alten Dame enthemmt geäußert hat, von einer weitaus größeren, doch meist schweigenden, Gruppe geteilt wird.

Mich erinnert diese Dame etwas an Emma West. Eine Britin, die in einer Straßenbahn gegen „Nicht-Briten“ ausfällig wurde und Anwesende oder im Allgemeinen Polen, Neger usw. beschimpft hat. Das Ergebnis war eine beispiellose öffentliche Hexenjagd, da ein anwesender, vermutlich negrider Fahrgast, das Geschehene aufzeichnete und es anschließend auf YouTube veröffentlichte. Die Frau wurde in „Schutzhaft“ genommen und die Kinder in staatliche Obhut genommen. Im Internet wurde die Frau von Angehörigen aller Rassen auf Gröbste beleidigt und stellenweise zum Tode verurteilt (das Urteil: ein Gedankenverbrechen; der Richter: die multikulturelle Gesellschaft).
Mittlerweile ist bekannt, dass die gute Dame in psychiatrischer Behandlung war… aber das bringt das Geschehene nicht aus der Welt.

Nun, niemand hat die Äußerungen der von Jörmund beschriebenen Frau gefilmt (zum Glück?), aber trotzdem ist an der Sache etwas Delikates.

Stellen wir uns mal vor, eine Gruppe germanischer/europäischer Jungs geht in die U-Bahn und ist sichtlich angeheitert. Plötzlich werden sie von einer arabischen Kopftuch-Tante als „Nazis“, „Mörder“ und „Schweinefleischfresser“ beschimpft. In gebrochenem Deutsch drückt sich die Dame mehr als recht unpassend über die Jungs aus. Keine wirklich schöne Situation.

Genau darum geht es: um die Situation.

Gar nicht so sehr, ob jemand fremd oder einheimisch ist. Die Situation sollte man im Blick behalten. Es ist mehr als verständlich, dass in dieser zusammengewürfelten, multikulturellen Verfügungsmasse Brüche und Spannungsfelder entstehen müssen, wo keine staatliche Kontrolle oder Umerziehung und Doppeldenk besteht. Die Menschen bleiben auf ihren Inseln und bekommen gefiltert Informationen („Nazis/Ausländer haben einen von uns angegriffen“) und versinken in ihren kulturellen Wurzeln. In der Öffentlichkeit kommen sie dann zusammen. In der medialen Öffentlichkeit können sie aber zusammen konstruiert werden. Kollateralschäden werden ausgeblendet und ideologisch umgedeutet („sozialer Hintergrund“) – ein Hohn für alle Betroffenen und Menschen, die voll bei Bewusstsein sind. Das darf nicht mehr so bleiben und muss endlich entschieden werden – und zwar natürlich für die „Eingeborenen“.

Aber abseits davon gibt es noch Elemente, die man nicht einfach in den Wind schlagen sollte.

Solche Dinge wie: Anstand und Gerechtigkeit.

Irgendjemanden nur wegen eines Details in aller Öffentlichkeit zu drangsalieren und zu erniedrigen… Ist es das, was wir wollen? Willkür?

„Oh! Ein Deutscher/Ausländer! Lass ihn uns verprügeln!“

Soll man sich wirklich auf dieses Niveau beigegeben?

Meine Solidarität mit arabischen Banden, die deutsche Frauen angehen, hält sich ebenso in Grenzen, wie es die Solidarität mit deutschen Volksgenossen/innen angeht, die gläubigen Mohammedanerinnen das Kopftuch vom Kopfe reißen.
Wer nicht einmal Ehre bei Fremden kennt, wird auch bei dem „Eigenen“ die Ehre vergessen. Gerade wenn man meint, „die Drecksarbeit“ zu übernehmen.

Wenn wir diese Elemente mit in das Umdenken für den baldigen Umschwung mit einbeziehen, wird das nicht nur das Drehen der Verhältnisse, sondern eine wirkliche Entwicklung, die dieser Staat und erst recht das Volk braucht.
P.S.: Wer jetzt glaubt, dass ich Jörmund Ehrlosigkeit vorgeworfen habe, sollte den Text noch einmal lesen. Ich bin ihm nämlich ausgesprochen dankbar für seine alltäglichen Geschichten aus der verrückten Hauptstadt und begrüße es, dass er sich mit den Problemen auseinandersetzt… und nicht einfach nur draufschlägt 🙂

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