Live-Ticker der taz zum 1. Mai

Beim Live-Ticker der taz muss es schnell gehen, deswegen wird auch schnell und reißerisch, wohl auch unüberlegt, geschrieben.
Und genau darum ist er ein wunderbarer Einblick in das tiefe Verlangen und die innersten Wünsche der Redakteurinnen und Redakteure… bzw. der LeserInnen oder was sich die RedakteurInnen darunter vorstellen.

Kleine Zitatsammlung zur „Revolutionären 1.-Mai-Demo“:

Vor dem Jüdischen Museum steht der Piraten-Abgeordnete  Oliver Höfinghoff in einer orangenen Weste mit dem Aufdruck „parlamentarischer Demobeobachter“. Er sagt: „Es macht den Eindruck, als wenn die Polizei genau hier eskalieren wollte. Offenbar sollte die Demo nicht in Mitte ankommen.“ Dann huscht er weiter Richtung Oranienstraße. Die Polizei löscht eine brennende Barikade auf der Lindenstraße.

Die Straße ist verriegelt, die Polizei will verhindern, dass die Demonstranten sich hier entlang zurück nach Kreuzberg bewegen. Doch die Demonstranten improvisieren. Sie nutzen einen Eingang eines Wohnhauses und brechen sich in einem Hinterhof einen Durchgang in einen benachbarten Park.

Berlin. Die Menschen sind frustiert, weil die Demo schon vorbei ist. Den Ärger auf Polizei will man unterschiedlich begegnen: „Frustbier, Myfest oder einfach nur nach Hause“, heißt es von den meisten Aktivisten.

Rote Flora. Die Polizei geht nun mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vor, die jetzt mit Böller werfen. Ein neue Demonstration beginnt unter dem Motto „Ganz Hamburg hasst die Polizei“.

Berlin – Kottbusser Tor. Am Kottbusser Tor hat die Polizei mit dutzenden  Polizeibussen den Verkehrsknotenpunkt großräumig abgesperrt. Im letzten Jahr hatte die Polizei mit einer fragwürdigen Einsatztaktik hier für zahlreiche Verletzte gesorgt. Immer wieder hatten damals Polizisten teilweise willkürlich Pfefferspray in die Menschenmengen gespritzt. Nun ist hier alles ruhig.

Sobald ein Polizeiwagen vorbeirollt, rufen noch einige „Ganz Berlin hasst die Polizei!“ Das war’s an Militanz. Die Masse widmet sich lieber dem Tanzen.

Aber dann läuft plötzlich eine Einsatzhundertschaft der Polizei noch einmal durch die Menschenmenge und das Reiz-Reaktions-Schema funktioniert. Es fliegen Plastikbecher, dann Flaschen – und dann stürmt die Polizei rennend ins Myfest hinein – ein Moment, an dem die Stimmung kippen kann.

Berlin – Adalberstraße. „Das ist jetzt nur noch Dorffest, was hier passiert“, sagt ein Alt-Autonomer, der das Myfest schon seit Jahren beobachtet.

Eine junge Frau fotografiert mit ihrem Smartphone einen kleinen Plüschpanda, im Hintergrund die Polizisten. „Für Facebook“, erklärt sie. „Der Panda ist ein Krawalltourist und war schon überall, New York, Philippinen.“

Berlin – Adalbertstraße. Feierstimmung am Kotti, dort, wo die Straße unter dem Wohnblock „Zentrum Kreuzberg“ hindurch führt. Ein Mann schwenkt die rote Fahne. Die Menge grölt: „Reeevoluuuuschön“. Eine junge Frau tritt in den Kreis, die Menge ruft: „Ausziehen, ausziehen.“
Polizisten laufen wieder in Schleifen durch die Menge und die Stimmung kippt. Rufe: „Haut ab!“ und „Ganz Berlin hasst die Polizei“. Böller, Pfiffe. Kurze Zeit später singt die Menge wieder etwas fröhlicher: „Alle Bullen sind Schweine“. Händeklatschen. Eben eine ganz spezielle Feierstimmung am 1. Mai in Kreuzberg.
Zur Stunde gibt es noch ein paar kleinere Scharmützel in der Berliner Adalberstraße – offenbar wollen noch ein paar Betrunkene zum 1. Mai festgenommen werden. Das taz-Ticker-Team verabschiedet sich nun in die Nacht.  So wie das spanische Pärchen, das erstmals den 1. Mai in Berlin genossen  hat. Es zeigte sich begeistert – und brachte die Abendstimmung gegen  Mitternacht treffend auf den Punkt: „Jetzt gehen wir ficken.“

Spaßig, nich‘? Dank geht an die GenossInnen der taz.

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Über cundar

Cundar wurde 1988 in Oberfranken geboren und gehört der gemeinen 3. Generation mit Migrationshintergrund (Niederschlesien) an. Während seiner Schullaufbahn konnte er nahezu alle Facetten des deutschen Schulsystems kennenlernen und erlangte dadurch schon einen kritischen Blick auf Abläufe und Zusammenhänge im System BRD. Sein näheres Umfeld, Zivildienst und Pfadfinder prägten sein Verständnis von Gemeinschaft. Seit 2009 studiert Cundar eine sehr interdisziplinäre Fachrichtung im Osten der Republik.

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