„Kauf die Junge Freiheit! Da erlebt man was.“

Es war ja nur kurz, was ich erlebt habe, aber doch noch so überraschend, obwohl es doch allgemein bekannt ist… Aber von vorne: Endlich ein paar Tage Zeit! Nachdem ich mir Wochen lang die Augen beim Schreiben/Arbeiten am Bildschirm blutig gesehen habe, kam ich auf die Idee, mir endlich mal wieder eine Zeitung zu kaufen. Da traf es sich ausgesprochen gut, dass die Junge Freiheit ein Interview mit dem Rapper Harris (oder er mit der JF; Wer ist Harris? Harris hat ein patriotisches Musik-Video gemacht: hier klicken.) geführt hat. „Spitze!“, dachte ich mir, verließ die Fakultät, erwischte die Straßenbahn und tuckerte damit anschließend zum Hauptbahnhof. Dort angekommen stand ich vor dem großen Regal mit den „sonstigen“ Zeitungen und fand die JF gleich neben dem „Freitag“. Nebendran war ein Regal mit den Mainstream-Pressorganen. Die „Tageszeitung“ schrie mich mit ihrem rot-weißen Titel regelrecht an und entfachte in mir den Gedanken neu, endlich mal auch die Druckausgabe zu kaufen. Gedacht getan mit JF und TAZ in der Hand schlenderte ich zur Kasse, wo mich die Verkäuferin schon herwinkte. Ich legte die Zeitungen auf die Tresen und zog meine Geldbörse schon heraus, als ich feststellte, dass die Verkäuferin die JF auf den Tresen ausgebreitet hatte und offensichtlich mustere. „Was is’n das für ’ne Zeitung?“, fragte sie in einem fragend-schnippischen Ton. „Wie bitte? Wie meinen Sie das?“, fragte ich und ahnte, worauf es hinaus laufen würde. Die Halsschlagadern begannen spürbar zu arbeiten. „Naja, welches Spektrum? Wo ist die einzuordnen?“ …erwiderte sie und blickte mich kurz fragend an, bevor sie wieder auf das Titelbild schielte, auf dem Harris mit herausgestreckter Zunge und freiem Oberkörper zu sehen war. Seine Zunge war schwarz-rot-gold eingefärbt und auf der nackten Brust prangte in Fraktur „Deutschland“. „Gut. Das hatte ich erwartet. Was sage ich jetzt? Soll ich jungdeutsch antworten? Also eher sachlich. Oder eher in dem Links/Rechts-Schema? Die JF sagt von sich aus, dass sie rechts ist und die Verkäuferin meint das sicher auch so. Also, ich sage rechts.“
„Rechts.“ sagte ich gefasst. Kurz angebunden kam ein: „Aha. Und „Der Freitag“?
„Der ist links-liberal.“ antwortete ich etwas verblüfft, da der Wechsel doch recht schnell kam.

Im Anschluss daran entwickelte sich ein kurzer Dialog, in dem ich erklärte, dass die Zeitung vor dem Bundesverfassungsgericht Recht bekommen hat, nicht mehr vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden, und überhaupt müsse man hier doch unterscheiden. Sie erklärte mir, dass ein Kunde vor mir sie „zusammen geschissen“ hätte, „weil sie ja so was mit NPD und so…“ verkaufen würden. In fast einem verzweifelten Ton sagte die Frau, sie könne nichts dafür, es sei ja die große Firma, der Betreiber des Zeitschriftenhandels, die die Zeitungen bestellen würde. Hastig versuchte ich sie zu beruhigen. Eine Unverschämtheit sei das doch, anderen die Meinung zu verbieten. Wie ist das mit Meinungsfreiheit und Rechtsstaat?
Und die JF stelle hier wirklich keine Gefahr da. Hinter mir kam schon ein neuer Kunde und fing an zu drängeln. Ich bezahlte und erlebte eine Verkäuferin, die heftig mit dem Kopf nickend sagte: „Ja, dafür haben wir ja Meinungsfreiheit. Soll sich doch jeder seine Meinung bilden, wie er will! Ja, ja…!“. Ich wünschte einen schönen Feiertag und sagte „Auf Wiedersehen!“ und verließ den Zeitschriftenhändler. Daheim schlug ich die Zeitung auf, las ein verdammt „geiles“ Interview mit Harris (Deswegen lohnt sich der Kauf. Liebe JF, bitte kümmert euch öfters um das „Neue Deutschland“, das Harris anspricht, anstatt irgendwelchen „Verschwörungstheoretikern“ Raum zu geben.) und kringelte mich vor Lachen wegen einiger Sätzen von Herrn Rouhs (Er dankt seinen Eltern für die „körperliche Voraussetzung zur Entwicklung von Intelligenz“. In der Summe mit seinen anderen Aussagen war das die Krönung.). Ich freue mich schon auf die Leserbriefe in der nächsten Ausgabe, die das Interview loben oder sich darüber aufregen, dass so ein „Neger“ doch gar nicht deutsch sein kann. Die TAZ blätterte ich durch, fand aber keinen großen Aufhänger. Außer, dass diese Zeitung irgendwie schon nach „links“ aussah, mit ihren vielen kleinen Anzeigen und ihren subversiven Titeln.

Deutschland im Jahre 2012: Verkäuferinnen werden von Kunden dazu angehalten die Gesinnung ihrer Zeitungen zu prüfen, „Neger“ verteidigen die deutsche Nation gegen antideutsche Germanen und der Sommer lässt weiter auf sich warten. Noch… 🙂

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Über cundar

Cundar wurde 1988 in Oberfranken geboren und gehört der gemeinen 3. Generation mit Migrationshintergrund (Niederschlesien) an. Während seiner Schullaufbahn konnte er nahezu alle Facetten des deutschen Schulsystems kennenlernen und erlangte dadurch schon einen kritischen Blick auf Abläufe und Zusammenhänge im System BRD. Sein näheres Umfeld, Zivildienst und Pfadfinder prägten sein Verständnis von Gemeinschaft. Seit 2009 studiert Cundar eine sehr interdisziplinäre Fachrichtung im Osten der Republik.

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