Gauck und Islam: Kurze Presseschau; Lion Edler: Taktische Medienkampagnen

Gauck hat seine Position zum Islam erneuert:
„Und die Wirklichkeit ist, dass in diesem Lande viele Muslime leben. Ich hätte einfach gesagt, die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland.“
Neben einem leicht kritischen Bekenntnis zu Israel unter dem „3. Reich“-Standard-Argument, war das die Äußerung, die in den deutschen Online-Medien publiziert werden musste. Hier die Titel zum Vergleich:

SPON: Gauck distanziert sich von Wulffs Islam-Rede
SZ: Bundespräsident Gauck Muslime, ein Teil von Deutschland
FAZ: Gauck in Nahost „Muslime gehören zu Deutschland“
ZEIT: Gauck rückt von Positionen Merkels und Wulffs ab
Wer sich die die Artikel mal durchliest (oder überfliegt) merkt schnell, dass langsam Zweifel bei den Medien aufkommen. Ein Präsident, der die „Schuld“ vor allem bei seiner Generation sieht und fragt „Wo hat denn der Islam dieses Europa geprägt, hat er die Aufklärung erlebt, gar eine Reformation?“ entspricht nicht mehr ganz dem politkorrektem Sprech wie bei Wulff. Dieser Präsident differenziert und das auch noch sachlich.


Den Spiegel-Online Artikel kann ich übrigens sehr empfehlen. Wer schon mal eine Ausgabe der Zeitungszeugen in den Hände hatte oder Berichterstattung aus der DDR kennt (Die kenne ich nur aus Archiven, aber das reicht schon.) dürfte sich über die sanfte Gesinnungsnote, die zwischen den Zeilen liegt, nicht wundern. Besonders schön ist, dass wieder die Vertreter von Moslem- und Türkei-Verbänden einfach als „Migranten-Verbände“ bezeichnet werden, als würden sie alle Migranten vertreten, bei einem Thema, das von Mohammedanern handelt. Ach ja, die Aussagen der Herrn. Herzergreifend. Es tut mir ja leid, aber bei mir kommt das immer wie Gejammer an: „Er tut gut dran, dass sich daraus ein Wir-Gefühl aller Deutschen, gleich welche Religion und Herkunft, entwickeln kann – gerade in einer Zeit, wo rassistische Anschläge auf Muslime zugenommen haben.“(Mazyek) Erster Teil der Aussage wunderbar! Zweiter Teil Flieger draus basteln und weg damit! Übertrieben.
Was Gesinnungs-Journalismus angeht, kann ich (Dank an den alten Bekannten für den Hinweis.) den Kommentar über Taktische Medienkampagnen:Kein Artikel ist, wie er scheint
Verschwörung statt Empörung von Lion Edler bei eigentümlich frei (ef) empfehlen. Ich bin kein Freund von ef aber dieser Artikel, der sich in die Untiefen des Verschwörungsdenkens – ein Erkunngszeichen für „Rechte“, laut stopptdierechten.at – begibt und dabei die strategische Zufälligkeit des „linken Medienkartells“ ausgesprochen überzeugend aufzeigt, ist notwendige Inspiration für den kritischen Leser und doch keine Offenbarung. Denn meiner Meinung nach ist noch deutlich mehr „Schaum vor dem Mund“ entscheidend als Absprache.

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Ein Gedanke zu „Gauck und Islam: Kurze Presseschau; Lion Edler: Taktische Medienkampagnen

  1. Gauck bringt außerdem über die Lippen: „Ich bin hoch gespannt auf den theologischen Diskurs innerhalb eines europäischen Islam.“ Damit hat die Abkoppelung des Islam von seines Herkunftsländern und der Weg zu seiner Reformation hoffentlich einen neuen Fürsprecher!

    Ebenfalls bemerkenswert ist, wie Gauck auf seiner Nahostreise gegenüber der israelischen Führung „Zurückhaltung in der Siedlungsfrage“ angemahnt und sich gemeinsam mit dem Palästinenserpräsidenten Abbas für die Schaffung eines palästinensischen Staates ausgesprochen hat.

    In anderem Zusammenhang betonte Gauck, dass er bis zum Jahre 1990 nicht stolz auf sein Land gewesen sein könne. Wie müssen wir das verstehen? Falls er die DDR meint, in der er damals lebte, ist das gut verständlich. Es stünde einem deutschen Staatsoberhaupt jedoch schlecht zu Gesicht, keinen Stolz für die deutsche Geschichte an sich zu empfinden, die nicht auf BRD, DDR oder Drittes Reich beschränkt ist und über Entgleisungen der Vergangenheit weithinausgeht – ja, die überhaupt nicht an eine Staatsform, sondern an Land und Leute gebunden ist.

    Reisigs Blog zu Gaucks neuesten Äußerungen: http://reisig.wordpress.com/2012/05/31/gauck-traut-sich-was/
    Außerdem die FAZ: http://m.faz.net/aktuell/politik/inland/gauck-in-nahost-muslime-gehoeren-zu-deutschland-11769293.html

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