Wer ist schuld an den Schulden Griechenlands?

Erstens die Banken unterschiedlicher Herkunft, die leichtfertig Kredite zu viel zu niedrigen Zinsen an Griechenland vergeben haben, obwohl sie die geringe Kreditwürdigkeit des Landes hätten erkennen müssen. Vermutlich haben sie sie auch erkannt, vertrauten jedoch darauf, dass das Land nicht zahlungsunfähig werden würde bzw. sie ihr Geld zur Not von Dritten erhalten würden, da die EU und somit die europäischen Steuerzahler für Griechenland einspringen würden. Genau das geschieht ja auch gegenwärtig.

Zweitens die ehemaligen griechischen Regierungen, die munter Kredite bei den Banken aufnahmen, obwohl sie angesichts der Schwäche ihrer Wirtschaft vorsichtiger hätten sein müssen. Anstatt ihre Apparate effizienter zu gestalten, Steuern konsequent einzutreiben und Infrastruktur aufzubauen und zu unterhalten, nahmen sie das Geld und machten sich im Land keine Feinde. So sicherten sie ihre Wiederwahl; bis zur letzten Wahl nach dem Zusammenbruch dieses Systems.

Drittens rächt sich in der heutigen Situation Griechenlands der Beitritt zur Währungsunion. Das Land konnte seine Schulden stets durch Inflation im Griff behalten. Der Euro jedoch nahm der griechischen Zentralbank das Mittel der Geldmengenerhöhung, da vor allem auch die relativ stabile Deutsche Mark in den Euro einging. Ohne die Aufnahme von weniger Krediten oder Wirtschaftswachstum zur Erhöhung der Geldmenge bei gleichzeitiger Erhöhung der Menge an Gegenwert in Form von Waren und Dienstleistungen konnte das auf lange Sicht nur zur Verschuldung führen.

Der vierte Punkt ist eine Frage des Menschenbildes. Die griechischen Wähler trifft eine gewisse Mitschuld, da sie immer wieder die etablierten politischen Kräfte Pasok und Nea Demokratia gewählt haben. Das Volk hätte erkennen können, dass seine Politiker unverantwortlich handeln, und hätte andere, nicht systemkonforme Parteien wählen können. Jedoch haben es die Annehmlichkeiten der griechischen Bürokratie und der Vetternwirtschaft dem Volk leicht gemacht, zu glauben, dass es immer so weitergehen könne. Man hat den Versprechungen der Politik allzu leicht geglaubt. Außerdem sind ganz allgemein nur wenige Menschen bereit, Parteien zu wählen, die das System, in dem sie sich eingerichtet haben, umstürzen würden, und wenn es noch so marode ist. Dass sie hier nicht gehandelt haben, kann man den Griechen prinzipiell nicht vorwerfen, da der völlig rational entscheidende, mündige Bürger nicht repräsentativ für die Mehrheit ist – weder in Griechenland noch sonst irgendwo auf der Welt.

Nun sind fünftens die führenden Politiker der EU und die Agenten der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) an der Verschärfung der griechischen und zunehmend der europäischen Krise schuld. Sie drängen Griechenland zum Einsparen im öffentlichen Sektor durch Sozialabbau und schlechtere Arbeitsbedingungen, Abbau von Infrastruktur und Privatisierung von staatlichen Einrichtungen. Dadurch soll das Land „international wettbewerbsfähiger“ gemacht werden. Dabei spielt sich eine gewaltige Enteignung des griechischen Volkes, aber auch der anderen europäischen Völker, ab. Neben den deutschen und anderen europäischen Bürgern müssen auch die Griechen alle Kredite Griechenlands inklusive den „Rettungszahlungen“ an die Banken zurückzahlen, dazu kommen noch Zins und Zinseszins. Was die Griechen nicht zahlen können, wird „abgeschrieben“ – das heißt dann, dass v.a. die deutschen Steuerzahler die Banken entschädigen müssen. Wie man immer wieder ganz richtig hört, werden die Gewinne privatisiert und die Verluste sozialisiert.

Wer hat die Schuld? Die Gier nach Geld und Macht, der Selbstbetrug und die Kurzsichtigkeit, die Unaufrichtigkeit und das menschliche Versagen. Vor allem aber: Das fehlende Bewusstsein!

Gegenrezept: Selbst mitdenken, entsprechend handeln und als Bürger Macht ausüben!

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Über Reisig

Reisig erblickte 1983 in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums und dem Abitur führte ihn die Bereitschaft, seinen Dienst an der Gemeinschaft zu tun, zur Bundeswehr, wo er seinen Grundwehrdienst leistete. In den folgenden Jahren studierte er ein naturwissenschaftliches Fach. Während des Studiums engagierte sich Reisig einige Zeit in der politischen Linken. Dies ergab sich ihm aus seiner Ablehnung eines unreflektierten Untertanengeistes und der wirtschaftlichen Ausbeutung des unmündigen Bürgers. Dabei galt ihm stets das Wohl des deutschen Volkes als höchstes Ziel. Die Erkenntnis, dass weite Teile der Linken dieses Ziel nicht teilen wollen und dass er nunmehr keine faulen Kompromisse mehr machen wollen würde, ließ Reisig vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand nehmen. Eine neue politische Heimat fand Reisig bei den Jungdeutschen. Er hat an einer deutschen Universität in einem naturwissenschaftlichen Fach promoviert, ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland.

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