Zitat zum Sonntag: Plädoyer für die Nation

„Die Nation wird geschwächt, erpreßbar, wenn sie statt ihrer Räson sich sog. ‚Werte‘ von irgendwoher überordnen läßt, ‚der Rasse‘ ebenso wie ‚des Sozialismus‘ oder ‚der Freiheit‘. Nur wenn die Nation sie selbst ist, ist sie auch frei; nur Unabhängigkeit macht Wertwahl sinnvoll. Der Einzelne verliert jede Sinnchance, wenn ihm ein Sekundäres, wie etwa die kontingente Form seiner Freiheit als repräsentative Demokratie, als das Eigentliche dargestellt wird. Auch Demokratie erhält ihren Sinn erst in Unabhängigkeit und ihre jeweilige Form unterliegt dem Kriterium der Nationalstaatsräson. Solange Deutsche ihre Probleme entweder nur unter dem Gesichtspunkt von Liberalismus, von Demokratie oder von Sozialismus zu sehen genötigt werden, oder gar unter dem der ‚immerwährenden Neutralität‘, kann man nicht erwarten, daß sie Sinn in der Politik sehen. Auch wenn sich zwei Generationen mit dieser Absurdität abgefunden haben und wenn noch so viele Funktionäre an einem System verdienen, das bestenfalls die laue Suppe eines künstlich fabrizierten ‚Verfassungspatriotismus‘ oder einer ‚Liebe zum Sozialismus‘ […] anzubieten hat, so werden junge Deutsche sich davon ausschließen, auch wenn sie nichts anderes dafür bekommen. Daß sie damit in eine Sinnlosigkeit fallen müssen, daß ganzen Generationen der Tod der Seele droht, das ist die historische Schuld unserer beflissenen Amerikanisierer und jener hochdotierten Deutschenhasser, die freiwillig (!) die Aufgabe übernommen haben, die Wunde Hitler sorgfältig offen zu halten, damit die Deutschen nicht etwa wieder stark und unabhängig werden. Daß dies die Intention der Sieger war, kann man diesen nicht verdenken, daß wir unter dem niederträchtigen Gesichtspunkt, eben diese Schwächung sei ‚volkspädagogisch erwünscht‘ unter uns jene Literaten zu Ehren kommen ließen, die diese Schwächen zu ihrem einträglichen Beruf gemacht haben, ist einer jener Züge in der Seele der deutschen Nation, gegen die ihre besseren Kräfte stets mobilisiert werden mußten. Deshalb wendet sich der Idealismus der Nation gegen eine ‚Vergangenheitsbewältigung‘, die die Nation nicht zum Selbstbewußtsein kommen lassen will: Die Nation ist unser Schicksal und unser Teil sei die Schuld. Der Idealismus der Nation wendet sich gegen die systematische Verbreitung von Sinnlosigkeit, die der Jugend die Jugend und die Zukunft nimmt, gegen Vergötzung der Demokratie, des Sozialen, und des Sozialismus, insofern sie nur dazu dienen, daß Deutsche sich nicht als Deutsche fühlen sollen. Der Idealismus der Nation wendet sich gegen die Zaghaftigkeit , deutsche Interessen nach West und Ost zu vertreten, und gegen einen Materialismus, der aus der Heuchelei, der Feigheit und dem Egoismus die Tugend des ‚mündigen Bürgers‘ machen will. Der Kampf um Freiheit ist der Kampf um die Nation, ihr Selbstverständnis und ihre Wiederherstellung. Darin liegt die Wahrheits- und die Sinnchance der Gegenwart.“

Bernard Willms: Idealismus und Nation, 1986.

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