Deutsche Begriffe klarmachen!

Aus aktuellem Anlass werden die Jungdeutschen heute damit beginnen, ein Projekt  zu veröffentlichen, an dem wir schon lange arbeiten und das noch nicht abgeschlossen ist, aber dessen Veröffentlichung offensichtlich not tut. Denn: Wir haben einen Innenminister, der sich über deutsche Fußball-Fans schämt, weil die „Sieg“ rufen, wir haben eine SPD, die den Begriff „Rasse“ aus Gesetzen streichen möchte (Mittlerweile ist er ohnehin sinnentleert. In Jura-Seminaren wird er schon gar nicht mehr ausdefiniert.) und einen bekannten Chefredakteur, der vor laufender Kamera in eine Deutschlandfahne rotzt, sich danach seiner Handlung rühmt und Leute (inkl. Bundespräsident), die patriotisch sind, verspottet.

Dieser Selbstekel und das krankhafte Verstümmeln der eigenen kollektiven Identität die sich in Worten, Symbolen und Bräuchen (u.v.m.) ausdrückt, warum muss das sein? Warum können wir nicht normal diese Begriffe verwenden? Gebraucht werden sie, denn die Dinge, die sie eigentlich beschreiben, sind nicht aus der Welt. Durch Wirklichkeitskosmetik kriegt man sie auch nicht weg.  [vgl. 1]

Packen wir das Problem bei der Wurzel. Und die liegt nicht in der Reeducation, Frankfurter Schule, Vergangenheitsbewältigern und nicht bei Papieranbetern a.k.a. „Verfassungspatrioten“ allein, sondern bei den das Deutschtum entehrenden Bluttaten der Nazis.Die Grausamkeiten der Nazis haben  Begriffe anscheinend für immer verstrahlt, unbrauchbar gemacht. Es scheint, als ob man den Begriff „Volksgenosse“ nicht verwenden kann, ohne die Nürnberger Rassegesetze heraufzubeschwören. Ein „Wir“ und ein „Nicht-Wir“ scheint nur insofern möglich, als dass es im Blutrausch endet.
Diese Begriffe werden durch diese Art des Denkens weiterhin wie ein Sakrileg in der Öffentlichkeit im hitlerischen Sinne warm gehalten. Oft werden Begriffe, die die Nazis genutzt haben, verwendet, um zu übertreiben oder eine bestimmte Äußerung zu diskreditieren. Gelingen tut das, indem man einfach ein paar Begriffe zusammensetzt und schon löst man antifaschistische Reflexe aus. Oder Kichern. So ein „Hihi, der hat Penis gesagt.“-Kichern. So kommt es zu absonderlichen Reaktionen. Hier ein Beispiel:

„Hallo, ich möchte gerne Architekt werden. Wenn ich Musik höre, bevorzuge ich Wagner.“ Ich möchte wetten, dass ein nicht kleiner Teil der Leserschaft sofort ein „Hitler!“ im Hinterkopf hatte, nachdem sie „Architekt werden“ und „Wagner“ gelesen haben.

Ganz ehrlich, der Wortschatz der Nazis war zum Großteil schon vorher da und hatte z.T. eine freiere oder andere Bedeutung. Indem man jetzt den geistigen Nachfolgern  der Nazis diese Begriffe weiter überlässt, überlässt man ihnen auch die Deutungshoheit über diese Teile des Lebens. Wenn man so tut, als wären diese Begriffe böse Zaubersprüche, mit denen man Dämonen im Menschen wachrütteln kann, wertet man ihre Anwender nur unnötig auf und lässt die Wörter in den Fangzähnen der Ideologie. Wer wirklich meint, dass das Verwenden von z.B. „Volksgenosse“ sofort einen strammen Nazi hervorbringt, sollte niemals wieder davon sprechen, dass der Mensch sich entwickeln kann und es so etwas wie Vernunft gibt.

Mit dem Projekt „Deutsche Begriffe klarmachen“ wollen wir einen Beitrag leisten, den Irrsinn um diese Begriffe zu beenden und sie aus den Griffeln brauner Politzombies zu befreien um die Begriffe wieder ins Leben zu setzen, wo sie hingehören. Dazu werden in den nächsten Monaten ebensolche „verstrahlten“ Begriffe oder Symbole auf diesem Blog behandelt und erklärt. Es geht dabei nicht darum, die Schandtaten der Vorfahren reinzuwaschen und zu verharmlosen, sondern was sie mit ihren Schandtaten beschmutzt haben, endlich zu klären.

Wohin diese Reise geht, soll der folgende kompakte und überzeichnete Text darstellen. Er stellt dabei keine Wunschvorstellung dar, sondern ist wie gesagt überzeichnet, um auch das „gelenkte Denken“ etwas zu reizen. Nach der Beschreibung, wie die „Verpackung“ sein kann, komme ich auf den Inhalt zu sprechen.

Ich mache mir keine Sorgen, wenn ich nach Deutschland hinein fahre und am Ländergrenzen-Schild „Großdeutsches Reich“ steht. Kein Grund zur Beunruhigung ist es auch, wenn wieder eine deutsche „Wehrmacht“ mit Stechschritt, schwarzen Uniformen (allerdings mit roten Rändern und goldenen Knöpfen. Sitichwort: Lützower) und klingenden Spiel durchs Brandenburger Tor zieht und ihr zugejubelt wird.
Auch kein Grund zur Beunruhigung ist es, wenn die Politiker plötzlich wieder zu Volksgenossen und Volksgenossinnen sprechen. Die Worte Friedrichs Eberts (SPD, erster Reichspräsident 1919) über die politische Tugend des deutschen Volkes sind wieder in aller Munde: „gesundes Nationalgefühl, staatsbürgerliche Gesinnung [anstatt „linker und rechter Gesinnung“, Anm. Cundar], das Bewußtsein der Verantwortung vor der Gemeinschaft, soziales Mitempfinden und Respekt vor der ehrlichen Überzeugung andersdenkender Volksgenossen“.[2]  Kein Grund zur Aufregung ist es auch, wenn das Statistische Bundesamt von einer „gesunden Durchrassung des deutschen Volkskörpers“ spricht und sich im Bundestag heftig gestritten wird, wie denn in Zukunft die deutsche Volksgemeinschaft gefördert werden soll. Schließlich sei die Pflege der Volksgesundheit durch den Demographischen Wandel in arge Bedrängnis geraten. Es ist auch überhaupt kein Grund zur Aufregung, wenn wieder Mutter und Vater anstatt „Elter“ verwendet wird. Ach ja, „Vati“ und „Mutti“ leisten übrigens einen guten Beitrag zur Volksvermehrung.  Auch kein Grund zur Aufregung ist es, wenn wieder von „vaterländischen Dingen“ gesprochen wird. Ganz und gar kein Grund zur Aufregung ist es, wenn das Deutschlandlied in allen drei Strophen öffentlich angestimmt wird.

Sorgen mache ich mir aber, wenn es No-Go-Aeras gibt. Wenn Menschen sich wegen ihrer Rasse, Hautfarbe, Religion oder Weltanschauung nicht frei bewegen können, obwohl sie nicht das Grundsätzlichste angreifen. Sorgen mache ich mir, wenn in den Medien pausenlos Sinnentleertes, Angst und Aktionismus gepredigt werden. Wenn gegen bestimmte Volksgruppen gehetzt wird. Sorgen mache ich mir, wenn ein Bildungssystem Menschen nicht befähigt und mit Grundlagen ausstattet, sondern nur noch in eine Richtung drängt (und das als Befähigung verkauft.). Sorgen mache ich mir, wenn das Individuum auf einige wenige Elemente des Menschseins reduziert wird. Beunruhigung löst bei mir nationale Selbstsucht, aber auch nationale Selbstvergessenheit der europäischen Völker aus, die am Anfang des 21. Jahrhunderts eigentlich ihrer Verantwortung gerecht werden müssten. Sorgen mache ich mir, wenn eine Demokratie entweder dem Druck auf der Straße oder kleinen einflussreichen, eigennützigen Minderheiten nachgibt, anstatt dem Ergebnis einer freien, vernünftigen und natürlichen, bürgerlichen Diskussion. Sorgen mache ich mir, wenn der Staat bestimmte Gebiete einigen Banden überlassen muss. Wenn Willkür als Rechtschaffenheit verkauft wird. Sorgen mache ich mir, wenn Menschen sich immer mehr an ihren Unterschieden messen, als daran, was sie gemeinsam haben. Sorgen mache ich mir allerdings auch, wenn man jeden Unterschied versucht zu verbieten. Bestürzt bin ich, wenn man die Geschichte in ein Verbrecheralbum verfälscht und man die Bezugnahme darauf verbietet. Sorgen bereitet es mir auch, wenn man alle traditionellen Werte unhinterfragt untersagt und kollektive Identitäten als von vornherein gefährlich benennt.

Quellen:
[1] Böckelmann 1999: Die Gelben, die Schwarzen, die Weißen. Frankfurt am Main
[2] Linne, Gerhard 1966: Die Deutsche Geschichte, aus: Deutschland, Das Land in dem wir Leben, Porträt in Wort und Bild. Gütersloh

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2 Gedanken zu „Deutsche Begriffe klarmachen!

  1. Pingback: Bringen uns die Identitären den Volkstod? « Cundars Wortpresse

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