Zitat zum Sonntag: Entfremdung vom eigensten Seinkönnen

„In der besonderen Rücksicht auf die Daseinsauslegung kann jetzt die Meinung aufkommen, das Verstehen der fremdesten Kulturen und die »Synthese« dieser mit der eigenen führe zur restlosen und erst echten Aufklärung des Daseins über sich selbst. Vielgewandte Neugier und ruheloses Alles-kennen täuschen ein universales Daseinsverständnis vor. Im Grunde bleibt aber unbestimmt und ungefragt, was denn eigentlich zu verstehen sei; es bleibt unverstanden, daß Verstehen selbst ein Seinkönnen ist, das einzig im eigensten Dasein frei werden muß. In diesem beruhigten, alles »verstehenden« Sichvergleichen mit allem treibt das Dasein einer Entfremdung zu, in der sich ihm das eigenste Seinkönnen verbirgt. Das verfallende In-der-Welt-sein ist als versuchend- beruhigendes zugleich entfremdend.“

Martin Heidegger: Sein und Zeit, S.178.

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Ein Gedanke zu „Zitat zum Sonntag: Entfremdung vom eigensten Seinkönnen

  1. Klugscheiser-Modus aktiviert: Für den Normalo übersetzt, meint Herr Heideger doch, dass man sich, anstatt mit dem „Eigenen“ auseinanderzusetzen, blindlings auf das Fremde (und davon möglichst viel) stürzt, sich daran berauscht und diesen Rausch am Ende für umfassendes Wissen hält, obwohl man nicht mal vom eigenen Sein eine Ahnung hat.

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