Gedanken zur Beschneidung

Für Juden und Muslime ist sie Tradition: die Beschneidung von Jungen als Zeichen der Religionszugehörigkeit. Dass dieses Ritual jedoch einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit dieser Kinder bedeutet, hat bis vor Kurzem offenbar niemanden interessiert. Das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit ist eine Errungenschaft der Aufklärung, des Humanismus und der Moderne. So ist es nur konsequent, dass sich das Kölner Landgericht gegen die Beschneidung von Jungen ausgesprochen hat. So weit die Vernunft und das Recht. Die Mehrzahl der Abgeordneten im Bundestag dagegen will eine Ausnahmeregelung schaffen, die auch künftig Straffreiheit in diesem Falle gewährleisten soll. Doch warum ist man nicht konsequent? Fühlt man im Bundestag bereits das Damoklesschwert des Nazivorwurfs über seinen Köpfen hängen? Fürchtet man etwa um das weitere Wohlwollen des „großen Bruders“ USA, des engsten Verbündeten Israels? Tragen etwa auch die Befürchtungen der Industrie um den „Standort Deutschland“ und über die etwaige Abwanderung jüdischer und muslimischer Arbeitskräfte dazu bei?

Juden und Muslime haben ihre Kinder schon immer beschnitten und viele sehen gar nicht ein, daran etwas zu ändern. Dann verlassen sie eben Deutschland oder sie nehmen die Beschneidung im Geheimen vor. Hier setzt das Gegenargument ein, dass es bei illegal vorgenommenen Beschneidungen zu Komplikationen und medizinischen Notfällen kommen könnte, die schlimmere Folgen für die Gesundheit der Kinder hätten als eine unter klinischen Bedingungen vorgenommene Operation. Dieses Argument setzt dem Menschenrechtler die Pistole auf die Brust, will er doch vor allem das Wohl des Kindes sicherstellen. Er sollte sich dem jedoch nicht beugen, sondern vielmehr darauf hinweisen, wie unmoralisch die Drohung ist, gerade den Kindern gegenüber, die die Leidtragenden wären.

Es gibt auch das Argument, eine Beschneidung führe zu besserer Hygiene. Hygienischer ist das Ganze aber nur dann, wenn eine regelmäßige Hygiene nicht möglich ist. Das konnte man vielleicht vor langer Zeit angesichts der Trockenheit der Herkunftsgebiete von Judentum und Islam nicht so ohne Weiteres, daher mag es unter diesen Umständen sinnvoll gewesen sein. Diese Vorsichtsmaßnahme jedoch wurde zur leeren Hülle, zum Ritual. In der westlichen Welt kann man sich heute täglich waschen. Was also hindert die deutschen Juden und Muslime noch daran, das Ritual um der Unversehrtheit Willen abzuschaffen? Ganz offensichtlich, dass ihre Traditionen besagen, es besiegele einen Pakt zwischen Gott und seinem Volk. Religionen müssen sich an die Lebensbedingungen der Menschen anpassen. Sie können in einem modernen Rechtsstaat nicht über dem Recht stehen. Das mag für viele Gläubige hart sein. Aber der Rechtsstaat muss solche Konflikte austragen können, ohne einzuknicken. Und er muss eine Zuflucht sein für die Ungefragten.

Warum aber sind viele Grüne und Linke für die Beschneidung? Man sollte doch meinen, dass den Streitern für Menschenrechte und individuelle Freiheiten das Recht auf körperliche Unversehrtheit, insbesondere von Kindern, am Herzen liegt. Aber Fehlanzeige: Die Anbiederung an soziale Partikularinteressen vor dem Hintergrund der Vision der „multikulturellen Gesellschaft“ ist ihnen wichtiger. Hier spielt sicherlich auch noch ein alter Anti-NS-Reflex eine große Rolle. Die Nazis haben ja die Juden auslöschen wollen, also müssen wir ihnen heute vorauseilenden Gehorsam leisten.

Es fehlt am Mut, seine Werte und sein Recht, das diese Werte formuliert, konsequent zu verfolgen. Wenn schon die Politiker diesen Mut nicht aufbringen, das Volk sollte ihn haben. Die Entscheidung über die Beschneidung sollten wir niemandem als den uneingeschränkt Religionsmündigen überlassen, d.h. nach deutschem Recht den Jugendlichen ab 14 Jahren (§ 5 Gesetz über die religiöse Kindererziehung).

Quellen:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/umfrage-beschneidungsverbot-entzweit-deutsche-a-845208.html

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/streit-um-beschneidung-richterbund-verlangt-aenderung-des-strafrechts-a-845433.html

http://www.gesetze-im-internet.de/kerzg/BJNR009390921.html

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Über Reisig

Reisig erblickte 1983 in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums und dem Abitur führte ihn die Bereitschaft, seinen Dienst an der Gemeinschaft zu tun, zur Bundeswehr, wo er seinen Grundwehrdienst leistete. In den folgenden Jahren studierte er ein naturwissenschaftliches Fach. Während des Studiums engagierte sich Reisig einige Zeit in der politischen Linken. Dies ergab sich ihm aus seiner Ablehnung eines unreflektierten Untertanengeistes und der wirtschaftlichen Ausbeutung des unmündigen Bürgers. Dabei galt ihm stets das Wohl des deutschen Volkes als höchstes Ziel. Die Erkenntnis, dass weite Teile der Linken dieses Ziel nicht teilen wollen und dass er nunmehr keine faulen Kompromisse mehr machen wollen würde, ließ Reisig vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand nehmen. Eine neue politische Heimat fand Reisig bei den Jungdeutschen. Er hat an einer deutschen Universität in einem naturwissenschaftlichen Fach promoviert, ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland.

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