Vermeintliche Bedrohungen: Der Terror und das versinkende Europa

Islamistischer Terrorismus, Rechtsterrorismus, die Gefahr des zerfallenden Europas und somit die Gefahr für Wohlstand und Frieden – das sind die Schreckensbilder, die Politik und Medien vor unseren Augen heutzutage ausbreiten. Doch werden hier nicht die Pferde scheu gemacht, Bedrohungen vorgetäuscht, die gar keine sind?

Die Ereignisse des 11. Septembers 2001 liegen schon einige Jahre zurück und in Afghanistan und dem Irak sind Kriege mit zweifelhafter Motivation und noch zweifelhafterem Erfolg geführt worden. Niemand kann sagen, wie stark der „islamistische Terrorismus“ war, wie sehr ihm diese Kriege, die zumindest im Irak ganz offensichtlich nicht der Terrorismusbekämpfung dienten, zugesetzt haben, und wie stark und bedrohlich er heute ist. Osama bin Laden mag tot sein, doch wie mächtig war er und mit wem arbeitete er zusammen? Die Öffentlichkeit wird wohl nie erfahren, was die amerikanischen Sicherheitsbehörden darüber wissen. Der Krieg in Libyen und der sich zuspitzende Konflikt mit Syrien waren und sind nicht gegen den Islamismus gerichtet, sondern standen und stehen offiziell im Zeichen der weltweiten Durchsetzung der Menschenrechte. Dass hier jedoch säkulare Herrscher beseitigt wurden und werden sollen und mit großer Wahrscheinlichkeit islamistische Kräfte die Macht erhalten, scheint in den Augen der Mächtigen des Westens nicht im Widerspruch zur Kriegserklärung an den weltweiten „Terrorismus“ zu stehen. Die Erklärung des „War on Terror“, gab US-Präsident George W. Bush ab, nachdem die Zwillingstürme des World Trade Centers in ihre Asche gesunken waren, und auch Kanzler Schröder pflichtete ihr sofort bei, anstatt eine Untersuchung der Ereignisse zu verlangen. Aber vergessen wir nicht, dass es ja genau diese islamistischen Kräfte sind, die als Feindbild dienen und denen der „Terrorismus“ angelastet wird, die durch die Beseitigung säkularer, wenn auch gewalttätiger, Herrscher Zugang zur Macht erhalten können und die westliche Welt, so die zwischen den Zeilen verbreitete Schreckensvision, schlimmstenfalls mit Massenvernichtungswaffen auslöschen könnten. Der islamistische Terrorismus scheint uns jedoch offenbar nicht mehr akut zu bedrohen – sofern er uns überhaupt jemals bedroht hat – so dass andere Motivationen in den Vordergrund der Politik gelangen, in diesem Fall die Durchsetzung der Menschenrechte. Das klingt nobel, damit lässt sich allerdings auch trefflich von innenpolitischen Problemen ablenken, wie der nach wie vor große Aufmerksamkeit verdienenden Euro-„Rettung“, dazu unten mehr. Die Vernunft legt uns nahe, dass wir am besten mit dem „islamistischen Terrorismus“ umgehen, indem wir uns von Politik und Medien keine Angst einjagen lassen und uns in keine militärischen Abenteuer in der muslimischen Welt mehr stürzen, sondern sie sich möglichst selbst überlassen. Damit liefern wir fundamentalistischen Muslimen auch keinen Anreiz, Gewaltbereitschaft zu entwickeln und uns anzugreifen. Sehen wir lieber zu, dass dort Recht und Ordnung herrschen, wo wir viel besser sehen, was wir tun, und zwar bei uns in Deutschland.

Ein anderes Thema, das in den letzten Monaten medial ausschlachtet wird, ist der „Rechtsterrorismus“, der stellvertretend in Gestalt des NSU auftrat. Hinzu kommen Skandale und Schlampereien beim Verfassungsschutz. Man zeigt uns also nicht nur eine Bedrohung auf, sondern auch, dass diese Bedrohung derzeit nicht effektiv abgewehrt werden kann. So könnte man Angst schüren, diese scheint jedoch nicht so recht auszubrechen, denn die meisten Deutschen sehen sich in Ermangelung von Migrationshintergrund, kommunistischer Agitation, Behinderung oder Obdachlosigkeit nicht als potentielles Opfer von „Rechtsterroristen“. Natürlich muss es bestraft werden, gesellschaftliche Minderheiten anzugreifen und zu töten und selbstverständlich haben der Staat, die Polizei und das Recht die Aufgabe, diese vor Gewalt zu schützen. Man braucht jedoch nicht so zu tun, als würde eine über viele Jahre verteilte Mordserie, noch dazu an einer gesellschaftlichen Randgruppe, eine ganze Nation in Schrecken und Schrecken zu versetzen. Wenn Politik und Medien dies tun, heucheln sie. Vielmehr sollte das Räderwerk des Rechtsstaats in ruhiger Geschäftigkeit in Ordnung gebracht werden, seine Arbeit tun und keine Verunsicherung verbreitet werden.

Wenn man Politikern und Medien Glauben schenkt, könnte man heute den Eindruck bekommen, der europäische Kontinent versinke gleich Atlantis im Ozean, wenn Griechenland und im Grunde der gesamte verschuldete europäische Süden nicht vom ach so reichen Norden durch Finanz-„Hilfen“ auf Vordermann gebracht würde. Als ob gleich am ersten Tag nach dem „Auseinanderbrechen der Eurozone“ der Dritte Weltkrieg ausbräche. Um das zu verhindern, soll „alles“ Erforderliche unternommen werden. Dabei kommen dann Wahnsinnsprojekte wie der ESM heraus (lesen Sie dazu HIER mehr). Es liegt auf der Hand, dass mit solchen Reden einerseits die „Märkte beruhigt“ und andererseits das Vertrauen der Menschen in den Euro gefestigt werden sollen. Selbst wenn einige Länder aus dem Euro ausschieden oder alternativ dieser abgewertet und eine härtere Parallelwährung in den weniger hoch verschuldeten Euroländern eingeführt würde (wie es Hans-Olaf Henkel vernünftigerweise anregte), bleibt außer Frage, dass diejenigen Kräfte des globalen Kapitalismus, die in Europa Interessen haben, wie z.B. Konzerne mit großen Marktanteilen in Europa, weiterhin an einem einheitlichen europäischen Wirtschafts- und Währungsraum interessiert sind. Es gibt aber auch andere, eurofeindliche Kräfte an den „Märkten“: diejenigen, die mit Kreditausfallversicherungen auf die Zahlungsunfähigkeit südeuropäischer Staaten, Banken und Unternehmen spekulieren, sowie jene, die die Führungsrolle des Dollars als Weltleitwährung und Hautwährung für den internationalen Geldverkehr erhalten wollen. Der Wille der europäischen Völker zur Zusammenarbeit wird so leicht aber nicht wegzuwischen sein, auch wenn der Euro fallen sollte. Das hat die Geschichte alle gelehrt. Wie auch immer es kommt: Es sieht ganz danach aus, dass die Euro-„Rettung“, die nichts anderes ist als eine internationale Banken- und Versicherungssanierung, die europäischen Bürger teuer zu stehen kommen wird. Beim griechischen Volk kommt das Geld nicht an, das Volk verarmt lediglich unter der staatlichen Kürzungspolitik.Vielleicht bringt uns die Euro-„Rettung“ eine galoppierende Inflation, eine Währungsreform, ein Goldbesitzverbot und die Abzahlung des Wertes der Privat-Immobilien, kurz die Vermögensvernichtung, wie es bereits des Öfteren in der Geschichte geschah. Mit diesen Aussagen werden keine Pferde scheu gemacht, denn im Gegensatz zu den von Politik und Medien ausgewalzten Pseudobedrohungen geht dies uns alle wirklich an.

Statt also Verunsicherung zu verbreiten, krampfhaft den Euro zu retten und sich im gleichen Zuge von der Demokratie zu verabschieden, sollte man die unverhältnismäßigen Profiteure von Wirtschafts- und Geldsystem zur Verantwortung ziehen, eine Politik machen, die ihren Auftrag, im Sinne des deutschen Volkes zu sein, wirklich ernst nimmt, und über Alternativen zur schrankenlosen Globalisierung nicht nur der Wirtschaft, sondern aller Lebensbereiche nachdenken.

Quellen:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gerhard-schroeder-das-ist-eine-kriegserklaerung-gegen-die-zivilisierte-welt-a-213229.html

http://www.welt.de/wirtschaft/article108462731/Rette-den-Euro-wer-kann-Die-neuen-Krisenstrategien.html

Advertisements
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Deutschland, Europa, Gesellschaft, Integration, Wirtschaft und verschlagwortet mit , , , , , , von Reisig. Permanentlink.

Über Reisig

Reisig erblickte 1983 in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums und dem Abitur führte ihn die Bereitschaft, seinen Dienst an der Gemeinschaft zu tun, zur Bundeswehr, wo er seinen Grundwehrdienst leistete. In den folgenden Jahren studierte er ein naturwissenschaftliches Fach. Während des Studiums engagierte sich Reisig einige Zeit in der politischen Linken. Dies ergab sich ihm aus seiner Ablehnung eines unreflektierten Untertanengeistes und der wirtschaftlichen Ausbeutung des unmündigen Bürgers. Dabei galt ihm stets das Wohl des deutschen Volkes als höchstes Ziel. Die Erkenntnis, dass weite Teile der Linken dieses Ziel nicht teilen wollen und dass er nunmehr keine faulen Kompromisse mehr machen wollen würde, ließ Reisig vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand nehmen. Eine neue politische Heimat fand Reisig bei den Jungdeutschen. Er hat an einer deutschen Universität in einem naturwissenschaftlichen Fach promoviert, ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland.

Ein Gedanke zu „Vermeintliche Bedrohungen: Der Terror und das versinkende Europa

  1. Wegen „Europa“: Hier noch ein Paradebeispiel für eindeutige Meinungsmache die so tut, als ob man noch Wahlmöglichkeiten hätte: „Volksbefragung zu Europa – Lasst uns abstimmen!
    Ein Debattenbeitrag von Stefan Kuzmany“
    Der Artikel kommt erst so rüber als wäre hier jemand für eine richtige Volksbefragung, nur um hintenrum doch wieder Werbung für die SPD und einer ‚vollwertigen politischen Europäischen Union‘ zu machen. Und zwar werden erst die Anti-Euro-Kläffer wie z.B. Söder genannt (Deren Argumente gern nicht nur volksnah sondern einfach plump sind) und dann – einer Lichtgestalt gleich – die guten Sozialdemokraten und ihre Weisen: „Den anderen Weg hat nun die SPD gewählt. In einem bemerkenswerten Text, der ein Beitrag für ein künftiges Regierungsprogramm der Sozialdemokraten sein soll, haben die Philosophen Jürgen Habermas und Julian Nida-Rümelin gemeinsam mit dem Ökonomen Peter Bofinger einen Weg aufgezeigt, nicht nur den Euro dauerhaft zu retten, sondern dazu noch, und das ist das eigentliche Ziel, das gesamte europäische Projekt. Sie plädieren dafür, Europa zu einer tatsächlichen Union zu machen – und zu diesem Zweck das Volk zu befragen, das über eine dafür nötige Änderung des Grundgesetzes entscheiden soll.“ Habermas ist einer der geistigen Hauptverantwortlichen für diese Kriese. Sein Ausblenden bzw. gezielte Verleugnung der nationalen Thematik scheint genügend Politiker aller möglichen etablierten Lager motiviert zu haben einfach weiterzumachen und Unterschiede in Europa (wirtschaftlich, kulturell usw.) nicht anzuerkennen. Wenn er jetzt nach Demokratisierung schreit, dann nur um „sein“ Europa zu retten. Nicht „unser“ Europa, das Wurzeln hat und in die Zukunft wachsen und nicht verwaltet werden möchte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s