Der Charakter der Grünen: Kurzeinblick

Im Spiegel 30/2012  steht der von Merlind Theile verfasste Artikel „Der Schmerz der Bewegung“, in dem es um den Umgang der grünen Partei mit ihren Ex-Vorständen geht. In diesem sehr lesenswerten Artikel wird auch Ludger Volmer zitiert:

„‚Die Grünen haben weder Stil noch Kultur‘, sagt Volmer. Das sei eine Folge von 68. ‚Wir haben die gesamten bürgerlichen Werte zerschlagen: Höflichkeit, Anstand, Tradition. Aber an die Stelle der verachteten Bürgerlichkeit haben wir nichts Neues gesetzt.‘ Im Grunde seien die Grünen egoistische Individualisten, ihr Aufstiegsstreben sei bloß gut kaschiert. ‚Bei uns heißt das dann Demokratie und Menschenrechte.'“

Es hat eine ganze Weile gebraucht bis ich meine Kinnlade wieder eingerenkt hatte. So etwas zu lesen – auch noch im Spiegel – war eine große Freude und eine noch größere Überraschung. Ich möchte jetzt nicht zu sehr verallgemeinern, aber „dass es doch irgendwie so ist“, kann man nicht verneinen. Gerade wenn ich an die mir persönlich bekannten Grünen-Abgeordnete denke, die einen bürgerlichen Hintergrund haben (auf sehr lokaler Ebene), stelle ich oft fest, dass sie die Konsequenzen der durchgeführten Politik der Gesamtpartei und des Fußvolks (a.k.a. „Grüne Jugend“) nicht ausreichend reflektieren und ihre recht traditionell-bürgerliche Lebenswelt eigentlich massiv durch das radikal Individualistische (ob es großspurig im Vorstand der Partei oder jugendlich-frisch-revolutionär in der Parteijugend daherkommt) bedroht und zersetzt wird.

Die Tendenz, Parteien nur als Karriereleitern zu nutzen, ist in jeder Partei ausgeprägt und noch manch anderes kann man „den Parteien“ vorwerfen. Doch folgt ein wichtiger weiterer Punkt im Spiegel-Artikel:
„Es ist durch aus ein Verdienst der Grünen, das System der Ämterpatronage hinterfragt zu haben. Wer verdiente Parteifreunde mit Posten versorgt, droht den Staat auszubeuten. Doch die Gewissheit, bei einer Partei über die momentane Funktion hinaus aufgehoben zu sein schafft auch Verlässlichkeit.“

Verlässlichkeit? Das hört sich doch wieder viel zu bürgerlich an und ist nichts für fortgeschrittene, emanzipierte Individuen. *Hust*

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