Mohammed-Hysterie – alle mal zusammenreißen!

Ein offenbar nicht viel mehr als 13 Minuten dauernder, grottenschlecht produzierter amerikanischer Film sorgt in der muslimischen Welt für Aufruhr und allmählich schwappt dieser zu uns herüber. Botschaften werden gestürmt, US-Botschafter gelyncht, eine deutsche Auslandsvertretung verwüstet. Amerikaner und Europäer in muslimischen Ländern sind ihres Lebens nicht mehr sicher. Französische Satiriker setzten noch eins drauf mit neuen Mohammed-Karikaturen. Pro Deutschland will den Streifen öffentlich zeigen. Kampf der Kulturen, Kindergartenniveau, Für und Wider der Grundrechte? Schon spielen einige die Religionsfreiheit gegen die Meinungsfreiheit aus. Man möchte schreien: Reißt euch doch mal zusammen, wir alle sind erwachsene Menschen!

Uns im abendländischen Westen ist die Meinungsfreiheit wichtig und die Trennung von Staat und Religion. In islamischen Ländern leben sehr viele Menschen, die gute Muslime sein und ihren Propheten in Ehren halten wollen. Mittlerweile gibt es auch im Abendland viele Muslime, die den Protest auf die Straße tragen. Das Thema geht alle an. Es wird wohl kaum möglich sein, eine einheitliche Regelung zu finden, mit der alle einverstanden sind. Es ist in Ordnung, wenn man sich in Europa oder Amerika auf die Meinungsfreiheit beruft und Dinge tut, die für Menschen in anderen Ländern einen Tabubruch bedeuten. Sie müssen ja nicht in unsere Länder schauen. Andererseits ist es auch in Ordnung, wenn Ägypter, Pakistaner und andere es nicht dulden wollen, wenn in ihren Ländern ihre Religion verunglimpft wird. Jedes Volk sollte frei sein, sich seine Gesetze zu schaffen. So können Dinge in manchen Ländern erlaubt sein, die in anderen verboten sind. Niemand soll einen Anspruch auf universelle Geltung seiner Regeln in anderen Ländern erheben, höchstens mit der Ausnahme existentieller, das Leben bewahrender Menschenrechte. Es kann aber nicht angehen, dass es Nichtmuslimen in westlichen Ländern verboten ist, den Islam zu karikieren.Dafür müssen wir auch damit leben können, wenn sich Muslime in arabischen Ländern über das Christentum lustig machen. In unserem Fall dulden wir es sogar, wenn das jemand bei uns tut. Entsprechendes gilt im Morgenland als verwerflich. Das unterscheidet uns von den islamischen Ländern. Das ist aber kein Problem, sondern eine Frage der jeweiligen Regeln, die sich die Gesellschaften geben. Die muslimischen Zuwanderer im Westen müssen in diesem Spannungsfeld leben und sind aufgerufen, sich der Haltung ihrer Aufnahmegesellschaft anzunähern.

Man sollte allerdings nicht übersehen, dass es auch noch Triebkräfte hinter dem gibt, was die Politiker zu diesem Thema von sich geben. Da ist zum Beispiel das goldene Kalb des deutschen Außenhandelsüberschusses. Die deutsche Regierung steckt viel Geld in ein positives Bild von Deutschland als Wirtschaftsstandort in der islamischen Welt. Deshalb ist es ihr auch gelungen, den Saudis eine kleine Panzerarmee zu verkaufen, mit der man gleich noch einen Erzfeind des Irans aufrüstet. Andererseits beziehen wir Öl und Erdgas aus diesen Ländern. Diese Geschäfte möchte man sich doch nicht von so einem Film kaputt machen lassen. Eher wird die Meinungsfreiheit in Deutschland eingeschränkt, als dass die Regierung aus moralischen Gründen die Errungenschaften der Aufklärung hochhält und den Großkonzernen Milliardengeschäfte vermasselt.

Wir brauchen unsere Gesetze nicht zu verschärfen. Es gibt aber auch keine Notwendigkeit, die religiösen Gefühle anderer Menschen so zu verhöhnen. Das Recht dazu soll man aber zumindest in unserem Land haben. Aber man muss dann auch bereit sein, dagegen aufstehen, wenn Unruhen von Seiten der Herrschenden dazu genutzt werden, uns den Mund zu verbieten. Und wenn sie dazu eine Gelegenheit finden, nutzen sie sie.

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Über Reisig

Reisig erblickte 1983 in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums und dem Abitur führte ihn die Bereitschaft, seinen Dienst an der Gemeinschaft zu tun, zur Bundeswehr, wo er seinen Grundwehrdienst leistete. In den folgenden Jahren studierte er ein naturwissenschaftliches Fach. Während des Studiums engagierte sich Reisig einige Zeit in der politischen Linken. Dies ergab sich ihm aus seiner Ablehnung eines unreflektierten Untertanengeistes und der wirtschaftlichen Ausbeutung des unmündigen Bürgers. Dabei galt ihm stets das Wohl des deutschen Volkes als höchstes Ziel. Die Erkenntnis, dass weite Teile der Linken dieses Ziel nicht teilen wollen und dass er nunmehr keine faulen Kompromisse mehr machen wollen würde, ließ Reisig vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand nehmen. Eine neue politische Heimat fand Reisig bei den Jungdeutschen. Er hat an einer deutschen Universität in einem naturwissenschaftlichen Fach promoviert, ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland.

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