„Rassismus. Rassismus überall.“ Teil 2: „Sondersendung“

Für den „Tag der Deutschen Einheit“ hatten sich die Redakteure des „Klub konkret“ auf „Eins plus“ wohl überlegt, wo man an der Einheit der Deutschen noch etwas feilen könnte. Da an diesem Tag auch von muslimischen Verbänden der „Tag der offenen Moschee“ ausgerufen wurde, schien es wohl passend, eine Sondersendung dafür zu machen und dieser so in der Kritik stehenden „Minderheit“, die mal zu Deutschland gehört und mal nicht, zur Seite zur springen.
Das Ergebnis ist eine Sendung (YouTube) im Schön-Wetter-Berichterstattungs-Stil, in dem alle Widersprüche durch zombiehafte Moderation übergangen, Probleme nur als fernes Donnergrollen zu vernehmen und die Welt von einem Studio-Gast erklärt wurde, die faktisch doch noch einmal ihren Zeit-Artikel vortragen durfte, den ich an anderer Stelle schon kritisiert hatte. Dadurch gewinnt man wieder den Eindruck einer gleichgeschalteten Medienlandschaft bei diesem unliebsamen Thema. Es geht um Kübra Gümüsay – nicht die Person, denn die kenne ich nicht – sondern die Äußerungen einer handpuppenartigen Erscheinung, die in den Medien auftaucht. Diese Erscheinung hat am Ende der Sendung gesagt, dass Kritik immer erlaubt sein soll, wenn sie konstruktiv gemeint, für ein positives Miteinander ist und zu allgemeinen Verbesserungen beiträgt. Weil die Jungdeutschen nichts anderes wollen, bitte schön:Ich bin kein Schriftsteller und habe deswegen auch keine Zeit, also: Das 25 minütige Vorspiel sollte man selber sehen oder an anderer Stelle nachlesen, mir geht es jetzt um den Höhepunkt. Es geht um ungefähr die letzten 5 Minuten der Sendung.

Da wird ab Minute 25 die Hass-Spirale angesprochen. Will heißen, die Menschen bestätigen sich in ihrer Schwarz-weiß-Sicht gegenseitig weiter: „Die Deutschen sind scheiße.“ sagt der Moslem. Das hört der Deutsche und sagt, die Mohammedaner sollen’s Maul halten. Dann sagt der Moslem was viel Schlimmeres usw. Irgendwann heult einer.

In der Sendung wird natürlich angeschnitten, dass der „antimuslimische Rassismus“ steigt und einem Moslem z.B. „in der Straßenbahn“ keiner hilft, wenn er beleidigt wird. Lustigerweise habe ich das immer anderes herum erlebt und erfahre das aus dem Bekanntenkreis und Netz immer wieder. Und das mit dem „Helfen“ in öffentlichen Verkehrsmitteln ist in Deutschland kein Gemeinposten und eine gewaltige gesellschaftliche Baustelle. Da jetzt seine kleine Gruppe so herauszustellen, wirkt sehr arrogant.

Apropos gesellschaftliche Baustelle: England ist in Multikulti viel weiter! Hier kam dann der Inhalt des ZEIT-Artikel zur Sprache. Hurra! Ich kann nur auf meinen letzten „Rassismus. Überall Rassismus.“-Artikel verweisen und kann noch einige Punkte der Argumentation der „Erscheinung“ gegenüberstellen:

Deutschland ist nicht fucking Britannien! Wir sind keine Insel, die in den letzten Jahrtausenden mehrfache Bevölkerungswechsel erfahren hat. Die deutsche Identität macht sich nicht an ständigem Wandel und Zuwanderung fest, sondern vor allem an Kontinuität. Deswegen sollte man sich nochmals mit dem alten Hader zwischen angelsächsischer Oberflächlichkeit und deutschem Tiefsinn beschäftigen, bevor man solche Forderungen aufstellt. In England kann man sich schon nach „zwei Wochen“ (so die „Erscheinung“) heimischer fühlen als nach 20 Jahren in Deutschland; es kommt natürlich auf die Kreise an, in denen verkehrt wird. Wie lange halten die Bindungen und wie stabil ist dieses gesellschaftliche Leben? Wenn sich die Erscheinung nicht als „fremdes Objekt behandelt fühlt“, dann mag das durchaus daran liegen, dass es auf der Insel Stadtteile gibt, die mir bewusst gemacht haben, was es heißt, in einer überfremdeten Stadt zu sein. Es hat gefühlt Stunden (wahrhaftig waren es ca. 10 Minuten) gedauert, einen Weißen zu sehen. In diesem Klein-Pakistan erinnerten nur noch Schilder und Architektur an London. Mein Begleiter meinte nur: „Ich fühl‘ mich hier wie in Indien“. Nein, man ist kein „fremdes Objekt“, wenn man in einer gleichartigen Umgebung ist. Nur kann genau diese Umgebung für andere dann eben „überfremdet“ und damit bedrohlich wirken. Natürlich gibt es dann noch Kreise, die nicht gleichartig sind, aber dieses „Überfremdete“ als Zeichen von Multikulti total super finden. Fährt man mit dem Cab (Taxi in London) mal kurz nach „Pakistan“. „Cool“. Die sozialen Spannungen muss man ja nicht aushalten. Man wohnt und arbeitet abseits von alldem. Durch solche Kreise erfährt man als eigentlich Andersartiger dann Bestätigung, lernt deren „Fachsprache“ und fühlt sich irgendwie zur „Mehrheitsbevölkerung“ zugehörig, ist aber Weltbürger und fordert weiter Multikulti.

Zu fordern, dass es doch bitte so in Deutschland werden soll, heißt, dass man Deutsche bedroht, deren Heimat zu verfremden. Der Fremde fordert  dadurch eben nicht nur Akzeptanz durch Einheimische, sondern deren Selbstaufgabe!
Im eigenen Land wird man aufgefordert, sich selbst aufzugeben! Wer bitte schön lässt sich von einem Fremden vorschreiben, wie er sein Wohnzimmer einzurichten hat? Eine WG würde so keine 2 Wochen überleben. So gestaltet man kein „positives Miteinander“, in dem man alles Etablierte „verfremden“ möchte, anstatt die gemeinsame Grundlage, das Land (bzw. Volk, Kultur usw.), nicht nur die Verfassung, anzuerkennen. Solche Forderungen sind dann auch keine „konstruktiven Kritiken“, sondern nur die Dekonstruktion des vorhandenen Eigenen, des Etablierten, des Selbstverständlichen und des Gewachsenen. Anstatt zu sagen: „Ich verwachse mit euch!“ wird gefordert, das Ursprüngliche zu entwurzeln nur um einer fremden Wurzel Platz zu machen. Dreist. Man betreibt dadurch etwas, das als „Kulturkampf“ bei den Einheimischen ankommt. Es geht auch anders, besser:

„Deutschland ist weder ein christlicher Kirchenstaat noch ein germanischer Rassestaat, sondern eine Gemeinschaft im Geiste. Wir Juden sind keine Germanen, sondern Semiten, aber um nichts weniger Deutsche. […]

„Auf Gedeih und Verderb mit diesem Land verbunden“

Ein Deutscher ist, wer ein Deutscher sein will. […] Wir deutsche Juden sind und bleiben von Religion Juden, von Nation Deutsche. Welcher anderen Nation könnten wir denn angehören, welches andere Land kann unser Vaterland sein, als dasjenige, in dem unsere Wiege stand und die Gräber unserer Väter liegen, dessen Luft wir seit Kindesbeinen atmen, dessen Bildung wir in uns aufgenommen haben? Nein, wir sind auf Gedeih und Verderb mit diesem Land und dieser Nation verbunden“. Benno Jacop, um 1919, Quelle: http://www.juedisches-leben.net/geschichten/folgeseite.php?id_geschichten=142&PHPSESSID=4860&printpage=true&PHPSESSID=4860&lang=de&PHPSESSID=4860

Ein ganz anders Beispiel bringt die „Erscheinung“: In London wurde sie von einer Kopftuchträgerin am Flughafen kontrolliert und in Deutschland von einem „blondhaarigen und blauäugigen“ Polizisten, der ihren Pass „grimassenartig“ behandelt hat.
Was soll ich sagen? Als ich in Deutschland ankam, wurde mein Pass auch „grimassenartig“ behandelt. Wer würde nicht nach Stunden des Herumsitzens und Pässeschwenkens Grimassen schneiden. Vielleicht gefiel ihm auch einfach mein oder ihr Gesicht nicht. Das kann es also einfach nicht sein, nein. Es ist natürlich das böse „Arische“ was stört. Schon bei Breivig wurde im Spiegel das Äußere deutlich beschrieben. Blond und blauäugig bleibt im Politischen anscheinend „Nazi“. In Kombination mit Polizei sowieso, denn wir wissen: „Deutsche Polizisten schützen die Faschisten!“. Ich könnte mir nicht vorstellen, zu fordern, dass ich keine dunkelhäutigen und schwarzhaarigen Personen bei der Polizei sehen möchte. Aber vielleicht ist für ein „fremdes Objekt“ das für andere „Eigene“ fremd und  deswegen will das „fremde Objekt“ es weg haben und es mit dem für sich „Eigenen“ ersetzen (Wäre das nicht Fremdenfeindlichkeit?)! Hier kann aber eine „Erscheinung“ im Fernsehen – im Fernsehen! – fordern, eine bestimmte Menschengruppe zu verdrängen, etwas Selbstverständliches zwangsumzugestalten (So kommt das rüber!), denn der „Staat sollte eigentlich Vorbild sein“. Die Logik von „Nazis raus“ schlägt in einem ganz anderen Kontext brutal zu.

Ja, der Staat sollte Vorbild sein, aber nicht einfach bestimmen. Das wäre undemokratisch. Wenn sich die Staatsbediensteten weiter nur aus einer bestimmten Bevölkerungsschicht zusammensetzen, liegt das vielleicht am Treuesinn. Wenn sich bestimmte Schichten nicht zugehörig fühlen, sollten sie diesen Staat (und damit auch das Volk) nicht vertreten. In meinem Land möchte ich einen deutschen Polizisten und nicht einen mit Identitäts- und damit Rechtsverständnisproblemen. Das VK (deutsch für „UK“) hat einen starken Patriotismus, der diesen Treuesinn stärkt und Multikulti-Experimente noch trägt. Allerdings krankt auch Britannien daran, diesen Patriotismus langsam aufzubrauchen, da die Kulturen unterschiedliche Rechts- und Sittenverständnisse importierten und das Etablierte nun auch als fremd betrachten, da sie genug Eigenes mitgebracht haben. Ein Staat und seine Diener müssen eins sein mit dem Volk, auf den sich der Staat beruft, sonst wird er schizophren.

Deswegen ist auch die Äußerung von wegen „dem Populismus weniger Raum geben“ aus dieser Sendung und von dieser „Erscheinung“ zwiespältig zu sehen. Weniger Hetzer à la „Alle ‚Musels sind Terroristen und Versager“, gerne. Jedoch ist das Argument „Populismus ist unzulässig“ oft so gemeint, dass lebensnahe, gefühlvolle Kritik nicht an die Öffentlichkeit kommen darf. Will heißen, in den Zeitungen wird von „Südländern“ geschrieben und Einwanderergruppen bekommen wegen besonderer Verhaltensweisen Sonderbehandlungen, obwohl diese das Problem nicht lösen (Boxtraining für Gewaltbereite) und das Multikulti-Experiment läuft weiter.

Die darauf folgende Forderung der „Erscheinung“, dass man sich reflektieren muss, für einen besseren Umgang miteinander, wurde wieder mit einem vermeintlichen Beispiel aus deutscher Sicht abgeschlossen. Also schon wieder wird nur das deutsche „Eigene“  kritisiert. Warum nicht das Fremde?! Gerade das Fremde! Oder warum nicht mal die „multikulturelle Gesellschaft“ hinterfragen?

Frau Gümüsay bzw. ihre „handpuppenhafte Erscheinung“ möchte gerne vermitteln. Allerdings sagte sie, dass sie durch das „Geschrei“ der Rechtsextremen und Islamisten drohe, taub zu werden. Ich frage mich, ob es wirklich das Geschrei der Extreme ist, das taub macht oder die Ohrenstöpsel von „M&K, Multi und Kulti“ mit ihrer tollen Soundqualität, die einem eine süße Fachsprache auf die Zunge legen, aber eben nicht die Sprache der Menschen, zwischen denen man vermitteln möchte. Das lässt einen so fremdgesteuert, so „handpuppenhaft“ wirken.

Das Ende, an dem die Moderatorinnen noch mal kurz ein paar Parolen und Weisungen an den Zuschauer ausgeben konnten, erinnerte mich an pädagogische  Formate im Kinderkanal (Zitate aus der Sendung:„So, Eva. Und wir haben jetzt erstmal keine Angst mehr, wa‘?“; „“Meine nächsten drei Freundinnen tragen Kopftuch, das versprech‘ ich hiermit hoch und heilig…“). Fehlte nur noch die Frage, ob ich als Zuschauer jetzt die Flasche oder Schnuller möchte. Beides hätte ich ohnehin verneint. Ich nehme nur die Brust, die Wahrheit, denn die hat mehr menschliche Wärme und ist nahrhafter!

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Ein Gedanke zu „„Rassismus. Rassismus überall.“ Teil 2: „Sondersendung“

  1. Bei 4.09 Min. spricht Gümüsay von vielen Parallelgesellschaften in Deutschland und verdreht die realen Verhältnisse. Dadurch, dass viele mit Muslimen nichts zu tun haben, entstünden Vorurteile. So werden die abgekapselten Deutschen zur Parallelgesellschaft statt der Muslime. Unkritische Zuschauer fallen auf solche rhetorischen Feinheiten herein und bekommen ein schlechtes Gewissen, dass sie ach so intolerant seien.
    Ab 11:45 Min. geht es um das Thema: Warum gibt Abduls Vater der Reporterin nicht die Hand? „Man darf das nicht missverstehen, das war nicht diskriminierend gemeint… Wir machen einen stärkeren Unterschied zwischen den Geschlechtern und ich gebe Frauen nicht die Hand, aber das heißt nicht, dass ich sie nicht respektiere.“ Tut mir leid, aber das ist Doppeldenk à la 1984. Die Frau wird nur in ihrer Rolle als minderwertiger Mensch anerkannt. Das ist definitiv Diskriminierung, das ist Sexismus. Warum schreiben die Gender-Fanatiker nicht auf? Weil die armen Migranten das nun mal dürfen und wir alle kleine Nazis in den Ohren sitzen haben, die uns ganz böse Sachen einflüstern.

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