„Der Volksfront von Judäa“-Effekt und die politische Landschaft in Deutschland

Mittlerweile dürften es einige mitbekommen haben: Vor einer Woche hat die „zwischentag“-Messe der „neurechten Elite“ in Berlin mit verhältnismäßig großer Beteiligung stattgefunden. Otto-Normal-Bürger hat davon dank dem rbb in verzerrter Weise in einem 10-minütigen Video erfahren, über das sich der Veranstalter der Messe Götz Kubitschek enttäuscht äußern musste. Der Blog „Projekt Ernstfall“ entschlüsselte dazu noch die „Sprache der Propaganda“ dieser Sendung. Der Rest wird vor allem von einer Diskussion – es war eher ein monologischer Meinungsaustausch – zwischen Dr. Karlheinz Weißmann und Michael Stürzenberger erfahren haben, der in der letzten Woche ausgiebig auf einschlägigen Blöggen diskutiert wurde.  Da sich nun schon wieder ein „Volksfront von Judäa“-Effekt einstellt, hier nun mein Kommentar.

Auf der einen Seite war Dr. Weißmanns nüchterne Analyse mit Blick auf Historie und Gegenwart, die zum Schluss kam, dass das deutsche Volk zu schwach, zu dekadent sei um den Trägervölkern des Islams Paroli bieten zu können. Auf der anderen Seite der mit immer gleichen Parolen arbeitende Stürzenberger, der die grundsätzliche Gefahr eines verallgemeinerten Islams in das Zentrum rückte. Und dann auch noch ein Herr Lichtmesz, der mit großem Elan die liberalen Grundpositionen des Herrn Stürzenberger in einem Wutausbruch (?) heftig anging. Video und Aufruf gibt es bei der Konservativen Aktion Stuttgart. Ein aus konservativer Sicht geschriebener Vermittlungsversuch von Manfred Kleine Hartlage.

Das Aneinandergeraten von  Lichtmesz und Stürzenberger wurde nun im Netz fortgeführt. Und zwar in einer Weise, die Monthy Python in das „Leben des Brian“ mit der „Volksfront von Judäa“ kongenial in Szene gesetzt hat.

Für Lichtmesz ist Stürzenberger der „Umerziehungs-Deutsche“, der hörig den VSA (dt. für USA) und Israel hinterherstolpert und den Grund für die Schwäche des Deutschtums, der Liberalismus nämlich, weiter fördern möchte. Der „Westen“ wird zum Feind, noch größer als es „der Islam“ je werden könnte.

Stürzenberger folgt dieser Steilvorlage und demontiert Lichtmesz‘ Kommentar  (und auch Äußerungen von Weißmann) so dermaßen mit Nazi- oder zumindest mit „völkischem Nationalismus“-Vorwürfen, daes er in das von Lichtmesz gezeichnete „Umerziehungs-Deutsche“-Bild passt.

Diesem „Massaker“ schließt sich ein eifriges Rudel an Kommentatoren an, die fleißig bei ihrem jeweiligen Leitwolf mitheulen. Allerdings finden sich auch genug, die heftig das Bellen anfangen und diesen Streit beenden möchten.

Ja, man muss sich streiten dürfen. Man muss Punkte ausdiskutieren, um handeln zu können, aber man darf nie das Ziel aus den Augen verlieren. Nun ist es aber geschehen, dass, wieder ganz der „Volksfront von Judäa“ entsprechend, die Diskussion zur Selbstdemontage führt. Man siehe hier:

 

Zwei Positionen, die doch auf einander angewiesen sind.

Diese Konstellation kann ich nur noch genauer in Bildsprache beschreiben:

Die einen sind auf dem Gletscher und wundern sich, dass ihnen keiner in ihr unwirkliches und unmenschliches Umfeld folgt. Die Kälte und Einsamkeit ringt ihnen Härte ab und das macht sie stolz. Sie beschwören sogar den Winter, auf dass es endlich für alle anderen kälter werde und der Gletscher aufhören möge, zu schmelzen. Sie sind so nah am Gipfel, aber eben nicht dort.  Wenn sie nicht vom Schnee und der ganzen „Weißheit“ geblendet sind, sehen sie das weite Land und die anderen Gipfel in der Klarheit der Höhenluft. Ins Tal aber blicken sie mit Verachtung. Im Tal sind die anderen, die die Ihren vor der Wüste warnen und von der „großen, freien Insel“ vorschwärmen. Die Insel, mit dem freien, weiten weltumspannenden Ozean drum herum. Doch predigen sie eben auch vom Tal als Ersatz für die Insel und schimpfen auf die in den Gipfeln, die ihnen die Sonne rauben und auf das Flachland, denn die Menschen dort würden ihre Weite der der Insel vorziehen. Ein Fehler, wie wir noch lesen werden. Den Gletscher und seine Bewohner bewundern sie zwar, bestellen für sie sogar Äcker und liefern ihnen Nahrung, da das Gletscher ihnen mit seiner Essenz in Form von fließenden Bächlein zu Leben hilft, aber auch sie verfluchen die Bewohner des Gletschers, wegen ihrer guten Sicht auf ihrer Höhe. Denn sie blicken über die anrückenden Sanddünen hinweg. Sie erkennen, was diese in Bewegung setzt.

Beide müssen weg von ihrem Standort! Zu den Menschen aufs weite Land!

Der eine muss erkennen, dass Deutschland mehr ist als das Grundgesetz und das „weite Land“ und nicht die Insel beschwören. Der andere muss aufhören, Schnee- oder gleich Sandstürme anzurufen und das freie und weite Land betreten.

Tun sie es nicht, werden Köpfe und Hände fehlen, das Land vom Sand zu bewahren. Dann wird der Sand auch in das Tal eindringen und es ausfüllen. Er wird bis zu den Gipfeln gelangen und sogar den Gletscher zum Schmelzen bringen. Die auf dem Gipfel haben Weitblick und Härte für die Leute auf dem Flachland, die vor lauter Flachheit schon angefangen haben, Löcher zu buddeln, jeder für sich, um „Tiefe“ zu gewinnen. Diese Lochgräber beklagen sie sich dann über ihre Einsamkeit, über den Dreck und die Unumkehrbarkeit. Hinabfallenden Sand feiern sie als „Bereicherung“, der ihre Höhle füllt und sie vielleicht wieder ans Tageslicht und zu Abwechslung bringt. Viele wurden schon davon verschüttet. Das ignorieren einige die an der Oberfläche geblieben sind und schaufeln fleißig weiter Sand in die Löcher. Sie wollen denen in der Tiefe helfen. Manche graben verbissen weiter. Sie denken, durch langes Graben würden sie in einer „besseren Welt“ herauskommen. Doch graben sie nur ihr tiefes Grab, selbst wenn sie vorübergehend Bodenschätze finden. Andere erkennen die Weite des Landes auch nicht mehr als Freiheit. Ermüdet von dieser Weite, schwärmen sie von der Insel und vom weltumspannenden Ozean. Sie fürchten sich vor den Sanddünen und erkennen nicht die frische und lebendige Erde, die er auch mit sich schwemmt. Doch diesen gilt es zu filtern. Er passt ins weite Land; bleibt er jedoch auf dem Sand, verkommt er und wird eins mit ihm. Die Leute auf dem Land bräuchten die Leute aus dem Tal, damit sie erkennen, wie frei es doch ist, wenn sie die Erzählungen vom schattigen Tal erfahren. Den Schutz durch die Größe der Berge kennt man im Flachland auch nicht mehr. Man misstraut ihm sogar. Denn ihre Herrscher leben auf den Bergen, zu feige für den Gipfel, zu erhaben für das Tal und voller Verachtung vor dem Gletscher. Denn aus diesem haben sich in der Vergangenheit immer wieder Eislawinen gelöst, die alles verwüstet haben. Sie interessieren sich daher nur für den Berg, bauen Höhlen – da sie nicht mehr zum Gipfel streben – und blicken nicht mehr in die Weite und zum Himmel. Denn in ihren Höhlen sehen auch sie Sterne, die sie für die echten Sterne halten. Doch 12 Sterne symbolisieren nicht den ganzen Himmel!  Auch sie lösen durch das Graben Lawinen aus, doch das interessiert sie nicht. Der Sand ist für sie noch fern.

Nein, es sollen sich nicht alle im Flachland tummeln. Sie sollen sich vereinen, alles besiedeln und die neue Erde einbinden!

Das ganze Deutschland soll es sein!
O Gott vom Himmel, sieh darein
und gib uns rechten deutschen Mut,
dass wir es lieben treu und gut!
|: Das soll es sein! Das soll es sein!
Das ganze Deutschland soll es sein! 😐

Arndt: „Was ist des Deutschen Vaterland?“

Und auch:

„Drum haltet fest zusammen – fest und ewig –
Kein Ort der Freiheit sei dem anderen fremd –
Hochwachten stellet aus auf euren Bergen,
dass sich der Bund zum Bunde rasch versammle –
Seid einig – einig – einig -„

Werner von Attinghausen aus „Wilhelm Tell“, Friedrich Schiller

Die aktuellen Äußerungen von Kubitschek und Lichtmesz.
Anmerkung: Der Artikel wurde am Montag verfasst.


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