Was haben uns die Nationalrevolutionäre der Weimarer Republik heute noch zu sagen?

Es gab eine Zeit, in der sich „Rechte“ und „Linke“ auf deutschen Straßen die Schädel einschlugen, wovon die Demos und Gegendemos unter Polizeischutz heutiger Tage nur ein müder Abklatsch sind (das soll hier nicht glorifiziert werden, aber es war nun mal so). Weimar ist aber nicht nur die Zeit des Widerstreits zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. Von der Öffentlichkeit wesentlich weniger beachtet und ein Dasein zwischen den Stühlen der politischen Extreme führend (und zwar nicht in der „Mitte“!), gab es auch einige Gruppen, die dem revolutionären Nationalismus bzw. dem Nationalbolschewismus zugerechnet werden. Greifen wir ein Positionspapier der „Gruppe Sozialrevolutionärer Nationalisten“ (GSRN) heraus, verfasst von Karl Otto Paetel im Jahre 1933. Es kam zu spät, denn das Jahr 1933, die Machtergreifung Hitlers, rückte alle Ziele einer anderen nationalen Zukunft Deutschlands als der der Nazis in weite Ferne. Auch in der NSDAP hatte es Sozialisten gegeben, die meisten von ihren waren jedoch bereits 1930 demonstrativ ausgetreten. Das Spannungsfeld des revolutionären Nationalismus bewegte sich zwischen dem Widerstand gegen die wirtschaftliche Knechtung und Ausbeutung Deutschlands in Folge des Versailler Vertrages, hinter dem man durchaus zu Recht die Interessen des transnationalen Großkapitals ausmachte, und der Vision eines deutschen Sozialismus unter Erhaltung der Nation. Was man auch immer vom Sozialismus halten mag, stellt sich die Frage: Was lässt sich heute noch mit diesem Dokument mit dem Titel „Weshalb nicht KPD?“ beginnen?

Paetel grenzt die Bewegung, der er selbst angehört, darin gegen die Positionen des revolutionären Marxismus ab. Man bedenke aber stets, dass die Nationalrevolutionäre eine heterogene Gruppe waren, teilweise dem Kommunismus sehr nahe, teilweise nicht frei von Rassismus. Hier sei zwar die Position der GSRN genauer untersucht, zur besseren Veranschaulichung ist aber stets von den „Nationalrevolutionären“ die Rede, so wie Paetel es auch getan hat (Zitate kursiv, Hervorhebungen v. D. Reisig):

  •  Revolutionärer Nationalismus und kommunistische Bewegung stehen heute (1933, Anm. v. D. Reisig) zweifellos im Kampf gegen Faschismus und Kapital für Sozialismus und nationale Befreiung, wie diese Thesen zeigen auf der gleichen Seite der politischen Front. Und dennoch sind sie nicht kongruent. Ob auch die Losungen und die politischen Parolen von heute weitgehend übereinstimmen, sind doch ebensoviel Unterschiede im Wesentlichen vorhanden.
  • Weshalb sind wir nicht in der KPD? Der revolutionäre deutsche Nationalismus erstrebt als festes Ziel seiner Politik die souveräne deutsche Nation, lebend in der Gemeinschaft freier staatlich voneinander unabhängiger Völker.
  • Der revolutionäre Marxismus – die KPD – erstrebt als letztes Ziel die klassenlose Gesellschaft, die unter langsamem Absterben des Staates und Verschmelzung der Nationen die Völker zu einer höheren Einheit vereinigt.

 Ziel der Nationalrevolutionäre war es also, ein selbstständiges, antiimperialistisches Deutschland zu schaffen. Die Haltung auf Augenhöhe anderen Völkern gegenüber macht deutlich, dass die revolutionären „Nationalisten“ heute wohl eher als „Patrioten“ zu bezeichnen wären, versteht man unter „Nationalismus“ eine chauvinistische Haltung anderen Völkern gegenüber. Die heutigen politischen Denkkategorien sträuben sich dagegen, aber man versuchte tatsächlich die Synthese von Sozialismus und Nation, und zwar ernsthaft und kompromisslos im Gegensatz zu den Nationalsozialisten, die diese Ziele ja auch im Namen trugen – aber eben nur dort.

  • Der revolutionäre Nationalismus bejaht den Klassenkampf als einen organischen Führungsumbruch im Volkskörper, der in Ersetzung überalterter Führungsschichten den unverbrauchten Stand an die Führung der politischen und gesellschaftlichen Funktionen der Gesamtheit stellt.
  • Der revolutionäre Marxismus sieht die Geschichte als eine Folge von Klassenkämpfen, ihre Durchkämpfung als Weg des internationalen Proletariats zur Überwindung des internationalen Kapitalismus durch den internationalen Sozialismus. Er erkennt der Gebundenheit der Klasse über die Grenzen des Volkstums hinaus erste Realität zu. Die einen heute so Kämpfer für die nationale Freiheit und Klassenkämpfer um der Nation willen, die anderen beides um der klassenlosen Gesellschaft willen.

 Das Verlangen nach dem Klassenkampf der Nationalrevolutionäre und den Appell an das Proletariat muss man aus der Zeit heraus verstehen. Deutschland wurde ausgepresst durch Reparationsforderungen nach dem Ersten Weltkrieg, die Währungsreform hatte die Vermögen vernichtet und das Bürgertum war weitgehend ruiniert und proletarisiert worden. Die Weltwirtschaftskrise und in ihrem Zuge die Arbeitslosigkeit taten ihr Übriges, eine Stimmung gegen die Obrigkeit und Industriebosse zu begünstigen. Heute gibt es keine so klaren Grenzen mehr zwischen „Klassen“ in unserer Gesellschaft. Dies könnte sich im Rahmen der sich verschärfenden Schuldenkrise allerdings wieder ändern.

  • Der revolutionäre Nationalismus erstrebt den wirtschaftlichen Sozialismus auf der Grundlage der Autarkie (für den Übergang deutschrussische Autarkie), bei Beseitigung des Privateigentums an den Produktionsmitteln und Nationalisierung von Grund und Boden als Voraussetzung der Souveränität der durch die Revolution zu schaffende Nation.
  • Der revolutionäre Marxismus erstrebt die planwirtschaftliche Durchorganisierung der Welt unter Vereinigung autarker Wirtschaftsräume bei Beseitigung des Privateigentums an den Produktionsmitteln und Vergesellschaftung von Grund und Boden. Sozialistischer Aufbau in einem Lande (Rußland) ist ihm nur als Vorstufe denkbar.

 Zahlreichen nationalrevolutionären Gruppen schwebte vor, das Privateigentum durch ein modernes Lehenswesen zu ersetzen, wobei der Staat der Lehensherr sein sollte und die Bürger ihr „Eigentum“ im Sinne von Volk und Staat einsetzen sollten. Unklar blieb jedoch, wie man das hätte überwachen und gewährleisten sollen.

Die Orientierung an der jungen Sowjetunion war stark, da diese und Deutschland die beiden Ausgestoßenen Europas waren. Was lag da näher, als zusammenzuarbeiten? Der Vertrag von Rapallo von 1922 war ein bedeutender Schritt in diese Richtung, dessen Wirkung allerdings durch den Beitritt in den Völkerbund konterkariert wurde. Man machte sich aber im Rest der Welt falsche Vorstellungen über die Wirklichkeit in der Sowjetunion. Der stalinistische Terror, der die Ziele der Revolution von 1917 und die zeitweilige Freiheit endgültig zunichte machte, wurde im Westen stets unterschätzt – und wie wir sehen nicht nur von den ausschließlich „Linken“.

  • Der revolutionäre Nationalismus glaubt nicht an die Möglichkeit ewigen Friedens in einer die Gegensätzlichkeiten der Völker aufhebenden (Freund-Feind-Prinzip) Menschheit.
  • Der revolutionäre Marxismus erstrebt die befriedete Welt, garantiert nach Aufhebung der ökonomischen Gegensätzlichkeiten.

 Niemand kann garantieren, dass die Welt befriedet wäre, wenn die ökonomischen Ausbeutungsverhältnisse, die es natürlich auch heute gibt, beseitigt wären. Interessen werden immer aufeinanderprallen. Krieg ist nicht nur ein Mittel der internationalen Eliten, die Völker einander abschlachten zu lassen und davon zu profitieren. Der Krieg wird wohl immer eine Option sein, wenn vitale Interessen der Völker, etwa an Ressourcen, einander ausschließen.

  • Der revolutionäre Nationalismus erstrebt eine der deutschen Struktur angemessene Lösung der Bauernfrage. Er ist der Überzeugung, daß eine Einordnung des das Privateigentum aufhebenden Lehensträgersystems der kleinen Bauern in die Planwirtschaft die „ewige Kategorie des Bauern“ erhalten und als Kraftreservoir dem Staat nutzbar machen muß.
  • Der revolutionäre Marxismus erstrebt durch Kollektivierung und Rationalisierung des Bauernbetriebes die Liquidierung der „rückschrittlichen Klasse“ zum Zwecke einer Synthese mit dem Arbeiter zu dem höheren „klassenlosen“ Menschentypus (Rußland).

 Man dachte, eine geplante Wirtschaft sei effizienter als eine sich selbst organisierende. Dass Planwirtschaft aber nicht funktioniert, hat uns die Geschichte gelehrt. Sie hätte auch in einem Staat der Nationalrevolutionäre nicht funktioniert. Diese Idee erschien angesichts der gravierenden Wirtschaftslage damals allerdings vielen als eine heilsbringende Alternative zum Kapitalismus.

In der Sowjetunion hatte man den Kleinbauern zunächst Land zugeteilt, das man den Großgrundbesitzern abgenommen hatte. Damit hatten die Bolschewiki Sympathien auf dem Land gewonnen. Die anschließende Zwangskollektivierung der Landwirtschaft jedoch war ein Wahnsinnsprojekt, das im Endeffekt die sowjetische Landwirtschaft so ineffizient machte, dass ausgerechnet die Sowjetunion Lebensmittel importieren musste. Das konnte kein Vorbild für Deutschland sein. Aber all das sah man damals noch nicht.

  • Der revolutionäre Nationalismus weiß um die Zeugungskraft der Idee, die Notwendigkeit religiöser Erneuerung und die Existenz irrationaler Kräfte, er sieht in der Idee der Nation seinen letzten Wert und im Volkstum eine schicksalsmäßig immanente Kraft. Alle politischen und wirtschaftlichen Erfordernisse sind Wege, dieser Idee Form und Wirklichkeit zu geben.
  • Der revolutionäre Marxismus, aufbauend auf dem historischen Materialismus, erklärt die Abläufe der Menschengeschichte aus ihren ökonomischen Gegebenheiten und diktiert dem „ideologischen Überbau“ die sekundäre Rolle zu. Der Glaube an das Irrationale ist ihm überwindenswert und das Überwundenwerden gewiß.

 In der Bewertung der mythischen Begründung der Nation sowie der Volksgemeinschaft und auf der anderen Seite der wirtschaftlichen und politischen Besitz- und Machtverhältnisse liegen unüberwindliche Gegensätze zwischen beiden Weltanschauungen. Der Sozialismus kann für eine selbstbewusste, aus sich selbst heraus definierte Nation nur in ihren Grenzen gelten. Am Internationalismus scheiden sich die Geister. Mit diesem Konflikt müssen auch heute alle leben, die innerhalb der Nation eine gerechtere Gesellschaft schaffen wollen. Das heißt nicht, dass das nicht möglich wäre; es heißt nur, dass die „Linken“ auch den Gedanken zulassen sollten, das Selbstbestimmungsrecht der Völker anzuerkennen.

  • Der revolutionäre Nationalismus ist antifaschistisch, weil der Faschismus, abgesehen von den fremdvölkischen Zügen, es nicht versteht, die Führungskräfte des Proletariats einzubauen, in seiner Wirtschaftsordnung lediglich eine Reform am Kapitalismus, in seiner ständisch getarnten Staatsform eine Diktatur über das werktätige Volk ist und dadurch die Teilung der Nation in Herrscher und Beherrschte verewigt.
  • Der revolutionäre Marxismus sieht im Faschismus eine militante Selbstschutzbewegung im Rahmen und Interesse des kapitalistischen Systems, das die in Bewegung geratenen kleinbürgerlichen Massen mit Schein-Ideologien erneut zu seiner Erhaltung formiert.

 In der Kritik am Faschismus sind sich die beiden Strömungen wieder einig. So wurden auch Angehörige beider Bewegungen unter Hitler verfolgt und ermordet. Diese Tatsache sollten sich einmal unsere heutigen Gutmenschen auf der Zunge zergehen lassen. Davon würde vielleicht ihr Verständnis für die innerdeutsche Opposition gegen den Naziterror profitieren. Dazu müsste aber das Schubladendenken, dass z.B. auch Stauffenberg zu den verkappten Nazis zählt, aufgebrochen werden.

  • Der revolutionäre Nationalismus erstrebt ein politisches und wirtschaftliches Bündnis mit der Sowjetunion, als dem einzigen europäischen Gegenspieler des Versailler Systems und als sozialistischen Nachbarstaat, – kämpft aus diesem Grunde gegen jede Interventionsabsicht gegen Sowjetrußland.
  • Der revolutionäre Marxismus fordert „die Verteidigung der Sowjetunion“ als „Vaterland der Werktätigen“ und Ansatz des Weltkommunismus.
  • Der revolutionäre Nationalismus wendet sich gegen die Absicht, Kolonien zu erwerben, in Anerkennung des Grundrechtes der unterdrückten Völker auf nationale Freiheit parallel zur eigenen Lösung der Nationalen Souveränität. Er begrüßt die Freiheitsbewegungen Indiens, Chinas, Ägyptens usw. als Bundesgenossen im Kampf gegen die Versailler Signatarmächte, wie er den internationalen Kampf des Proletariats gegen das international gebundene Kapital begrüßt, auf dem Wege zur Gemeinschaft freier Völker.
  • Der revolutionäre Marxismus begrüßt die nationalrevolutionären Bewegungen der Kolonialvölker und halbkolonialen Völker als Vorstufen der proletarischen Weltrevolution.

Die Nationalrevolutionäre drücken hiermit explizit ihre kooperationsbereite Haltung auf Augenhöhe gegenüber den Völkern der Welt aus, insbesondere im Falle der unterdrückten Völker. Dass ihre Sympathie nicht etwa den imperialistischen weißen Briten, sondern ernsthaft den Indern, Chinesen usw. gilt, ist ein deutliches Bekenntnis gegen Rassismus. Dabei wollten die Nationalrevolutionäre die unterdrückten Völker nicht etwa in den großen Plan der Weltrevolution zwingen wie etwa die Kommunisten. Vielmehr war ihnen an einer freien, selbstbestimmten Entwicklung aller Völker gelegen. Das ist absolut vorbildlich auch für uns in der Gegenwart.

  • Der revolutionäre Nationalismus wehrt sich gegen den Gebrauch der Rassenfrage zur Konstruktion einer zum Herrschen geborenen Herrenklasse ebenso wie gegen die Dogmatik der Rasse als außerpolitisches Kriterium, fordert als Beweis für die Wertigkeit der Rasse nicht Anspruch sondern Leistung auch beim sozialistischen Aufbau.
  • Der revolutionäre Marxismus sieht in der Rasse eine ökonomische Kategorie, die ihren Sinn in der klassenlosen Gesellschaft findet, lehnt ihre Benutzung zur Fundierung politischer Losungen ab.

Vordergründig herrscht Einigkeit in der Rassenfrage, da keine der beiden Strömungen einen Herrschaftsanspruch mit der Rasse begründen will. In der Rasse jedoch nur eine ökonomische Kategorie zu sehen, greift zu kurz. Sie ist biologisch und nicht zu übersehen, sagt jedoch nichts über den Wert des Menschen aus.

  • Der revolutionäre Nationalismus sieht im Räteaufbau als der Selbstverwaltung des schaffenden Volkes die Garantie der politischen Verantwortlichkeit und wirtschaftlichen Kontrolle der Volksgemeinschaft, vorgebildet in Ansätzen germanischer Herrschaftsformen.
  • Der revolutionäre Marxismus erstrebt die durch den Räteaufbau gegebene Teilung in Exekutiv- und Legislativgewalt als einen Schritt zur Überflüssigmachung des Staates.

Die Nationalrevolutionäre wollen den Staat nicht nur erhalten, sondern ihn gerade als den Lehensherren einsetzen und stärken. Über die Sinnhaftigkeit des Lebenswesens in der heutigen Zeit lässt sich streiten, genossenschaftliche Ansätze sind wohl sinnvoller. Aber dass dieses System in einem idealen Staat als dem Raum des Volkes seine äußerste Form sieht, ist zu begrüßen.

  • Schon in diesen wenigen Gegenüberstellungen und unter Verzicht auf ausführlichere Darstellung der einzelnen Punkte – (Anzahl und Umfang solcher Beispiele sind beliebig zu ergänzen) – ergibt sich, daß die Zielwelt des Nationalismus und des Marxismus eine durchaus verschiedene ist, ergibt sich aber auch, daß die heutigen politischen Notwendigkeiten eine Reihe von Forderungen und Erkenntnissen ergeben, die übereinstimmen (Klassenkampf, Revolution, Sozialismus, Räte, Außenpolitik, Antifaschismus) obwohl deren Begründungen verschieden sind.
  • Der junge Nationalismus aber hat über diese Front von heute hinausgehend, noch einen Auftrag von Morgen. Er heißt: Einheit und Glauben und Blut mit den politischen Formungsprinzipien. In dieser Erkenntnis formieren sich die kleinen Kader des „nationalbolschewistischen“ Nationalismus heute neben und nicht in der KPD. Sie bejahen trotzdem aber ein Zusammengehen mit ihr, weil unbeschadet der differierenden Zielstellungen die Kommunistische Partei heute in Deutschland der einzige Machtfaktor ist:
  • Gegen das Versailler System – Gegen die Römische Gegenreformation – Gegen die Interventionstreiber gegen Rußland – Gegen den Faschistischen Volksbetrug – Für die Sozialistische Revolution – Für Großdeutschland!

Der Elan von damals ist spürbar, die Geschichte war über den Punkt jedoch schon hinaus, bis zu dem eine nationalrevolutionäre Bewegung in Deutschland wirklich hätte Macht gewinnen können. Viele mögen die Ideen direkt verwerfen, da von Sozialismus die Rede ist, andere lehnen sie ab, weil an der Nation festgehalten wird. In der Schule, der Universität und den Medien hört man heute ohnehin nichts davon, weil alle politisch-wirtschaftliche Gesinnung, die nicht betulich links-liberal oder kapitalistisch-neoliberal ist, irgendwie mit dem Nationalsozialismus assoziiert wird. Das ist erbärmlich, aber nicht verwunderlich, da die heutigen Machthaber und Gesinnungskonstrukteure natürlich nicht das Gedanken- und Machtgefüge schwächen wollen, das sie stützt.

Also: selbst informieren, selbst denken, selbst handeln!

Quelle:

Karl Otto Paetel: Weshalb nicht KPD? In: Nationalbolschewismus und nationalrevolutionäre Bewegungen in Deutschland. K.O. Paetel. 1999, Verlag Siegfried Bublies, Schnellbach. S. 292-295

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Über Reisig

Reisig erblickte 1983 in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums und dem Abitur führte ihn die Bereitschaft, seinen Dienst an der Gemeinschaft zu tun, zur Bundeswehr, wo er seinen Grundwehrdienst leistete. In den folgenden Jahren studierte er ein naturwissenschaftliches Fach. Während des Studiums engagierte sich Reisig einige Zeit in der politischen Linken. Dies ergab sich ihm aus seiner Ablehnung eines unreflektierten Untertanengeistes und der wirtschaftlichen Ausbeutung des unmündigen Bürgers. Dabei galt ihm stets das Wohl des deutschen Volkes als höchstes Ziel. Die Erkenntnis, dass weite Teile der Linken dieses Ziel nicht teilen wollen und dass er nunmehr keine faulen Kompromisse mehr machen wollen würde, ließ Reisig vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand nehmen. Eine neue politische Heimat fand Reisig bei den Jungdeutschen. Er hat an einer deutschen Universität in einem naturwissenschaftlichen Fach promoviert, ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland.

3 Gedanken zu „Was haben uns die Nationalrevolutionäre der Weimarer Republik heute noch zu sagen?

  1. Lustig das Paetel im Grund einfach die marxistische Faschismustheorie 1 zu 1 übernimmt und damit deutlich macht, das er sich selbst gar nicht mit dem Faschismus in seiner Zeit auseinandergesetzt hat. Natürlich war auch der „Bewegungsfaschismus“ oder z.B der Falangismus sozialrevolutionär, und wollte die soziale Republik als syndikalistischen Staat verwirklichen. Doch Mussonlini war eben kein Garibaldi und verriet die soziale Revolution als Ministerpräsident und Jose Antonio überlebte den Nov. 36 nicht. Er konstatiert den „fremdvölkischen“ Charakter des Faschismus, spricht sich aber gleichzeitig für eine enge Zusammenarbeit mit der Sowjetunion aus? Viel wirrer geht es ja nicht mehr. Natürlich gab es damals schon genug Berichte über das Schlachthaus SU, doch offenbar waren für ihn die Rizinus Kuren in Italien schlimmer? Paetel singt das Hohelied auf den Antiimperialismus, was dem romantischen, deutschen Gemüt zwar gefällt, dabei aber vergisst, das jede freie, souveräne Nation Geopolitik im eigenen Interesse betreiben muß, um bestehen zu können. Abgesehen davon, es gab keine großen Unterschiede zwischen der faschistischen Außenpolitik und der von den liberalen Demokratien jener Zeit, wenn man von der aggressiven, verbalen Rhetorik absieht. Die Außenpolitik der SU, nach der Phase der Stabilisierung, ist ja auch bekannt. ( Spanischer Bürgerkrieg, Finnland, Polen, Baltikum..)

    • Wie so viele bis zum Ende der Sowjetunion ist wohl auch Paetel in Ermangelung von Kenntnissen über die tatsächlichen, verheerenden Zustände in der SU der Illusion erlegen, dort sei eine von Ausbeutung befreite, selbstbestimmte, neue Gesellschaft im Entstehen gewesen. Seine Sympathie für die SU ist aus der damaligen politischen Lage verständlich: Deutschland und Russland waren die beiden Ausgestoßenen Europas; die Schmach von Versailles schloss für die Nationalen eine Annäherung an den Westen aus. Was lag da näher, als die Zusammenarbeit mit dem Osten zu suchen?

  2. Natürlich muß man solche Ansichten aus ihrer Zeit heraus betrachten, unter diesem Gesichtspunkt kann ich die politische Annäherung an die SU nach dem 1. WK auch verstehen.
    Dennoch ist für mich Pragmatismus eine Sache, Sympathie hingegen etwas anderes. Diese Sympathie trieb die NR, genauso wie zuvor schon Moeller van den Bruck, hier in Deutschland in die politische Isolation. Der Begriff Sowjet-Deutschland war ein Schreckgespenst, gerade weil es, wie schon geschrieben, genügend zeitgenössische Berichte über das bolschewistische Blutbad in Russland gab. Manche mögen das aus ideologischen Gründen für Propaganda gehalten haben, wobei das aber nur bei den moskauhörigen Kommunisten einen Sinn ergibt. Die Anbiederei der NR hingegen war unüberlegt und dumm, führte allerdings 1930 immerhin zur Programmerklärung zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes der KPD. Die Kommunisten mußten erkennen, das sie ohne eine Antwort auf die nationale Frage in Deutschland keine Wahlen gewinnen konnten. Was man vom Internationalismus erwarten durfte, davon konnten sich die deutschen Arbeiter ja schon bei der Ruhrbesetzung 1923 überzeugen. Schon damals sah sich der Kommunist Karl Radek gezwungen nationale Töne anzuschlagen. Doch obwohl sie genügend Stichworte gaben und gute Theorien hatten, konnten sich die NR nie ernsthaft und machtvoll zwischen den proletarischen Kommunisten und dem kleinbürgerlichen NS positionieren und blieben in unbedeutenden, intellektuellen Theoriezirkeln hängen. Vom Wehrverband Wehrwolf mal abgesehen.

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