Aufschrei der sozialen Ingenieure (und ihres Fußvolks)

KolumneMensch, was müssen sich die die Sozial-Ingenieure in den letzten Wochen gefreut haben! Endlich wird über die „tabuisierten“ und „alltäglichen“ Restbestände einer scheiß weißen, patriarchalen und menschenverachtenden Gesellschaft geredet.  Die Netzplattformen der großen Zeitungen waren voll von der Darf-man-jetzt-noch-Neger-sagen-Debatte und jetzt wird mit gleichem Hurra der Sexismus behandelt. Die Neger-Debatte wurde kontrovers ausgeführt, auch wenn der veröffentlichte (!) Grundtenor (natürlich) der war, dass diese bösen Begriffe weg müssen, da sie eben ein „rassistisches, überlebtes Weltbild“ weitervermitteln und doch der Deffinitionsmacht des „Weißen Mannes“ dienen.

Dass das Umbenennen von Begriffen das Problem an sich nicht löst und lediglich die eine Seite behandelt, scheint keine Rolle zu spielen. Dieses Vorgehen, etwas nur aus der Gegenwart zu betrachten, erinnert mich an mittelalterliche Verhältnisse, wo man Geschichten, die in der Vergangenheit spielten, in zeitgenössischen Motiven verpackte. Was man tat, war richtig. Reflexion gab es nicht.

Das wir in unserer aufgeklärten und gebildeten Zivilisation jetzt plötzlich wieder nur vorbestimmte und kontrollierte Geschichtsbilder vorgesetzt bekommen und ein dumpfer Menschen, fern wirklicher „kritischer Reflexion“, das Ziel zu sein scheint, erschreckt mich immer wieder neu.

Dieses gesinnungsethische, deswegen nur pseudo-wissenschaftliche Herumlavieren mit Begriffen kann man als endgültige „Enttarnung des Kulturmarxismus“ sehen oder den verzweifelten Versuch der AnhängerInnen der radikalen Emanzipationspoltitk, die von ihnen bestimmte, aber noch nicht in ihrem Sinne funktionierenden Welt wenigstens verbal gerade zu biegen bzw. zu beherschen.

Es geht nur um Machtverhältnisse. Natürlich. Das gibt auch die gute Claudia Roth zu. Progressive und Fortschrittsgläubige machen mit ihrer Hauruck-Dialektik damit einiges falsch. Läuft gerade etwas nicht richtig und sind gerade Männer oder Weiße an der Macht, dann meinen diese, dass, wenn man jetzt das Gegenteil einführt, es sicher besser werden müsste. Also: Weiß, Mann = böse. Frau, irgendwas anderes = Paradies auf Erden. Hier geht es dann schon lange nicht mehr um sachliche Themen, sondern um oberflächliches Ändern von Faktoren. Hier geht es um Erziehung zu einem „besseren Menschen“ ohne dass das hinterfragt  wird. Die Kritik, die geübt wird, ist keine: es muss sich alles radikal ändern, damit es „besser“ wird. Es geht nur darum, „wie radikal“, und gar nicht so darum, was sich ändern kann.

Wirkliche Kritik an den Zuständen müsste umfassender an die Sache herangehen: Warum eine „Minderheit“ „schützen“, indem man sie bevorzugt, wenn diese doch eigentlich Teil der „gleichberechtigten Gesellschaft“ ist? Was ist dann mit dem Rest? Warum sind alte Machtstrukturen gewachsen? Sind die Grundlagen dazu wirklich nur einfach „böse“? Wenn ich die Sprache von unliebsamen Begriffen säubere, betreibe ich dann nicht nur Kosmetik, die an anderer Stelle durch noch umfassendere Methoden ergänzt werden muss (antirassistische und antisexistische Indoktrination)? Beinhaltet Emanzipation nicht auch gleichzeitig ein Moment der Entfremdung von einander, das wieder zur Folge hat, dass der zwischenmenschliche Umgang unangenehm wird? Hat frühkindliche Aufklärung auch nicht etwas mit frühkindlicher Sexualisierung zu tun? Warum dürfen Neger voll stolz auf ihre „afrikanische Herkunft“ sein (obwohl sie hier in Deutschland oder Europa geborgen und aufgewachsen sind) und der weiße Ureinwohner auf seine Abstammung nicht? Wie geht man überhaupt damit um, dass auf der einen Seite die Kolonisation und Kulturvernichtung durch den Weißen in der Vergangenheit politisch instrumentalisiert werden darf und die aktuelle Kolonisation in Europa unter dem Motto „Wir sind doch alle gleich und Weltbürger“ mit Hurra begrüßt wird? Warum dürfen Einwanderer und Ureinwohner nicht im althergebrachten Stamm zusammenfließen, sondern müssen entweder multikulturell, getrennt oder individuell nebeneinander her leben und sich deswegen um jede Machtfrage erbittert streiten? Warum müssen Frauen und Männer weichen, nur weil ein paar wenige Menschen meinen, zu einem „anderen Geschlecht“ zu gehören? Was bringen traditionelle Rollenbilder und was die aktuellen?

Ja, es gibt Rassismus und Sexismus. Es gibt die Momente, da reduziert ein Menschen den anderen auf eine Äußerlichkeit um sich über ihn zu erheben und ihn zu beherrschen. Aber es gibt auch Beziehungen, in denen das Einordnen für beide Teile hilfreich und zuträglich ist. Es gibt Momente, da ist Gerechtigkeit nicht Gleichberechtigung und umgekehrt. Freiheit und Ordnung schließen sich nicht aus. Das Vernünftige muss nicht das Richtige sein. Begriffe und Bedeutungen verschwimmen und entziehen sich dem Leben.

Dass heutzutage öfters Orwell oder Huxley erwähnt werden um die aktuellen Entwicklungen zu beschreiben, sagt eigentlich schon alles, jedem Aufschrei der sozialen Ingenieure und kulturellen Dekonstrukteure und ihrem Fußvolk zum Trotz.

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