Zitat zum Sonntag: Ernst Nolte über den Islam

„Ist es nicht eine schlimme Ungerechtigkeit, wenn dem lebensvolleren und insofern aufsteigenden Volk von einem alternden und nicht einmal zur Selbsterhaltung fähigen Volk der Weg zur Selbstverwirklichung versperrt wird? Ist es überhaupt moralisch vertretbar, den biologisch überlegenen Völkern bzw. Kulturen Widerstand zu leisten? Die Antwort auf diese Fragen ist nicht wissenschaftlich begründbar, sondern sie verlangt eine Entscheidung, die man »existenziell« nennen mag: Ich glaube, daß ein solcher Widerstand gerechtfertigt und notwendig ist, denn »alte Völker oder Kulturen« können die »jungen Völker oder Kulturen« auf vielfältige Weise belehren, und sie müssen diese nicht zuletzt vor einer der schlimmsten Vorstellungen der faschistischen Regime bewahren: daß das biologisch stärkere (oder das technisch fortgeschrittenste) Leben das Recht hat, sich durch kriegerische oder auch friedliche Invasionen einen neuen »Lebensraum« zu verschaffen. So wäre das »Nein« von heute eine »Ja« zur Zukunft Europas. Die dadurch gewonnene Chance ist jedoch zeitlich begrenzt. Wenn sich nicht ein autonomer Wille zur eigenen Zukunft in Europa zu entwickeln vermag, wird der biologistische Ansatz mit Macht sein Recht einfordern, und Europa wird auch physisch ein Ende finden, wie es ja heute schon jene Gruppierungen unbewegt ins Auge fassen, die der historischen Prägung und gar der genetischen Eigenart keinerlei Wert zuschreiben, weil sie einst zu Feindschaften und Krisen den Anlaß geführt haben. Aber ich habe nun anscheinend die kulturelle Frage nach dem heutigen Islam durch
die biologische Frage nach Lebenskraft und Lebensschwäche oder Dekadenz ersetzt. Dieser Hinweis wäre indessen nur dann richtig, wenn eine sehr einfache und
altbekannte Konzeption zugrunde gelegt würde: daß junge und von der Zivilisation
erst kaum berührte Völker oder Kulturkreise die überzivilisierten und dekadenten
Völker bzw. Kulturkreise abzulösen oder zu verdrängen bestimmt sind. Der Islam
ist jedoch alles andere als ein von der Zivilisation erst kaum berührter
Kulturkreis, und die größere Fruchtbarkeit der islamischen Frauen hat, ohne
Zweifel viel mit der Lehre Mohammeds zu tun, welcher jene »Unterdrückung der
Frau« entspringt, die von dem westlichen Individualismus so heftig abgelehnt
wird und von der man in der Tat sagen kann, sie betrachte die Frauen nicht als
selbst verantwortliche Personen, sondern als eine Art Keimzellen, die gegen alle
Gefahren auf das sorgfältigste geschützt werden müßten. Das würde von
muslimischen Theologen kaum bestritten werden, aber sie würden wohl hinzufügen,
was ein deutscher Diplomat, der zum Islam konvertiert war, mit den Worten zum
Ausdruck brachte, im Islam schauten die Männer den Frauen nicht auf die Beine,
sondern in die Augen. Die biologische Stärke wäre also nicht nur kulturell
begründet, sondern sie schlösse auch eine moralische Überlegenheit in sich. So läßt sich, wie ich meine, in den Augen derjenigen, die auf beiden Seiten
sowohl dem bedenkenlosen Angriff wie der rückhaltlosen Selbstverteidigung ihre
Zustimmung verweigern, in der Frage des Verhältnisses zweier so
unterschiedlicher Denk- und Lebensformen wie des säkularisierten Europa und des
immer noch religiös-politischen, dem Projekt der Welteroberung immer noch
anhängenden Islam nur eine scheinbar paradoxe Doppelantwort finden: ein Nein zu
kurzfristigen und nicht zuletzt strategischen Zwecken der USA dienenden
Projekten wie dem baldigen Beitritt der Türkei zur »Europäischen Union« und ein
Ja zu der langfristigen Notwendigkeit, einen Ausgleich zwischen den einst so
feindlichen, aber trotz aller historischen Wandlungen in ihrer Verschiedenheit
fortexistierenden Kulturen anzustreben.“

 

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