Zypern: zweiter Akt

EUNachdem das zyprische Parlament die Stirn besessen hatte, die von den EU-Finanzministern einstimmig abgesegnete Enteignung von Kleinsparern abzulehnen, gibt es nun eine neue Sachlage: Bankguthaben sollen erst ab 100 000 € mit ca. 30 % besteuert werden. Damit will man den Volkszorn besänftigen. Zudem zeigt man mit Fingern auf russische Superreiche, die von den hohen Zinsen zyprischer Konten profitiert hatten. Geldwäsche war womöglich auch im Spiel. Auf jeden Fall hat man damit einen Sündenbock gefunden, der moralisch Verwerfliches getan haben mag, aber mit der ökonomischen Schieflage Zypern nichts zu tun hat. Das erinnert an den Einmarsch der USA im Irak. Saddam Hussein hatte zwar mit Al Kaida nichts zu schaffen, aber dafür konnte man ihn als schrecklichen Diktator darstellen, den zu beseitigen eine Wohltat für die Menschheit gewesen sei. Die Völker werden wieder einmal für dumm verkauft.

Und damit nicht genug, man lässt sie auch ihren Zorn aufeinander hochschaukeln. Die Deutschen gelten in Zypern nun als Erpresser und mit Anleihen an den Nationalsozialismus wird nicht gespart. Auf der anderen Seite reagieren in Deutschland viele mit Verachtung der Zyprer. Solche Lagerreflexe führen jedoch in die Irre. Sie lenken von den wirklich Schuldigen an der Krise ab. Zentralbänker, Investmentbänker, Konzernmanager, Politiker und Medienbosse haben uns diesen Euro aufgebürdet und so mancher hat Profit herausgeschlagen. Sie werden sich die Hände reiben, weil der Volkszorn – wie auch stets im Krieg – sich nicht auf sie konzentriert, sondern auf andere Völker zielt und dort erwidert wird.

Zypern bekommt nun also Geld vom ESM und dem IWF. Das Dumme daran ist nur, dass dieses Geld nicht etwa ein Geschenk ist, das den zyprischen Schuldenberg verringern würde, sondern ein Kredit. Der SPIEGEL beweist Mut gegenüber dem Mainstream und schreibt, dass die zyprischen Schulden somit auf 140 % der jährlichen Wirtschaftsleistung steigen. Warum um alles in der Welt gibt man einer solchen Volkswirtschaft noch einen Kredit? Wie soll Zypern dieses Geld je zurückzahlen? Geht irgendein Funktionsträger in Politik und Wirtschaft ernsthaft davon aus, dass die zyprische Wirtschaft wieder wachsen kann, d.h. eine steigende Geldmenge mit steigendem Gegenwert in Form von Waren und Dienstleistungen schaffen kann?

Der größte Wirtschaftszweig Zyperns war sein Bankwesen und zahlreiche Zyprer sind dort angestellt. Allein dieses Konzept war schon zum Scheitern verurteilt, denn Banken können keine Häuser bauen und keinen Hunger stillen, sie können nur Zahlen in Computer und auf Papier schreiben. Nun, da der Bankensektor Zyperns verkleinert werden soll, so dass Arbeitsplätze in diesem unproduktiven Bereich wegfallen, wird offenbar, dass dieses System auf Sand gebaut ist. Man behalte für die Zukunft im Hinterkopf, dass auch die britische Volkswirtschaft maßgeblich auf der Bankenbranche basiert. Das ist nicht gerade ein vielversprechendes Modell.

Es ist der Politik gelungen, das Ende des Euro wieder ein Stück hinauszuzögern. Auch wenn die Kleinsparer nun doch ihre Guthaben in vollem Umfang behalten können sollen, hat die Eurokratie für einen Moment ihre Maske fallen lassen und offenbart, dass man nicht zögert, ja, sich sogar einig darin ist, dem kleinen Mann von heute auf morgen den Boden unter den Füßen wegzuziehen. So müssen sich viele Zyprer gefühlt haben, als sie nicht mehr auf ihr Geld zugreifen konnten und mit Mühe und Not genügend Bargeld auftreiben mussten, um überhaupt für den Lebensunterhalt einkaufen zu können. Der Plan, flächendeckend die Kleinsparer auszunehmen, war kein Ausrutscher. Das war ein Testballon der Eurokratie, um zu prüfen, wie weit sie es treiben können, bis die Völker wütend aufschreien. Und es wird nicht der letzte gewesen sein.

Quellen:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-die-auswirkungen-des-rettungsdramas-auf-die-euro-zone-a-890717.html
http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-03/rettungspaket-zypern-reaktionen

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Über Reisig

Reisig erblickte 1983 in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums und dem Abitur führte ihn die Bereitschaft, seinen Dienst an der Gemeinschaft zu tun, zur Bundeswehr, wo er seinen Grundwehrdienst leistete. In den folgenden Jahren studierte er ein naturwissenschaftliches Fach. Während des Studiums engagierte sich Reisig einige Zeit in der politischen Linken. Dies ergab sich ihm aus seiner Ablehnung eines unreflektierten Untertanengeistes und der wirtschaftlichen Ausbeutung des unmündigen Bürgers. Dabei galt ihm stets das Wohl des deutschen Volkes als höchstes Ziel. Die Erkenntnis, dass weite Teile der Linken dieses Ziel nicht teilen wollen und dass er nunmehr keine faulen Kompromisse mehr machen wollen würde, ließ Reisig vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand nehmen. Eine neue politische Heimat fand Reisig bei den Jungdeutschen. Er hat an einer deutschen Universität in einem naturwissenschaftlichen Fach promoviert, ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland.

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