Nietzsches ‚Biopolitik’

Denkanstoe¯e„Entartete Kultur“ – so charakterisierte Kardinal Meißner 2007 den unfruchtbaren Zustand modernen Kunstlebens. Sofort schallten die Alarmglocken der öffentlichen Meinung, die reflexartig den Bannfluch über die vermeintliche Nazivokabel aktualisierte. Ent-artung – was soviel meint wie „aus der Art schlagen“ – wurde tatsächlich von dem nationaljüdischen Arzt Max Nordau geprägt, und zwar im Rahmen einer Semantik, die bewusst das physiologische und kulturelle Feld miteinander verschränkte. Er transferierte die ursprünglich medizinische Vokabel auf kulturell-künstlerische Phänomene, um vor einer für die Menschheit ungesunden Kulturentwicklung zu warnen. Unter anderem geriet Friedrich Nietzsche unter Nordaus Entartungsverdikt. Der Philosoph, der sich selbst als „Arzt der Kultur“ verstand, hatte nicht zuletzt selbst von einer „Degenereszenz der Instinkte“ als einer Ursache kultureller décadence gesprochen und empfahl den Übermenschen als Remedur zugunsten einer „Höherzüchtung der Menschheit“. Es sieht so aus, als könne man eine Kontinuität zu eugenischen Programmen und Sozialhygienemaßnahmen herstellen, die im 20. Jahrhundert verhängnisvolle Folgen zeitigen sollten. Es scheint, als wäre das Entartungstheorem das darwinistische Pendant der radikalen Rechten zum marxistischen Entfremdungstheorem der radikalen Linken. Beide eröffnen eine ‚engineering’-Perspektive auf Mensch und Gesellschaft, die heute im gender-mainstreaming oder den Anthropotechniken fröhliche Urständ feiert und das befürchten lässt, was C. S. Lewis die Abschaffung des Menschen nennt. Weiterlesen

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Der 20. Juli 1944 und die Schönheit die vergessen wird

HistorischesZugegeben, das die Zeit sich mit „Helden“ auseinandersetzt, kann man schon mutig nennen. Der Artikel der unter diesem Thema dann Stauffenberg behandelt, kommt mit einigen Stücken daher, die den üblichen Ton, was die deutsche Geschichte angeht, der Zeit oder der etablierten Medien in einem Punkt etwas entgegenschlägt. Ijoma Mangold hat ein Interview mit Karl Heinz Bohrer geführt, an dessen Ende folgende Absätze stehen [Hervorhebungen von mir]:

 

Bohrer: Stauffenberg war ein sehr gut aussehender Mann, an dem alles stimmte, symbolisch und faktisch, bis zum Augenblick seiner letzten Handlung. Es gibt eine Selbstevidenz der Form, die man bildungsbürgerlich Schönheit nennt. Das ist die Grazie von Stauffenberg. Die Verbindung von Humanität und Heroik, von der Bereitschaft, sein Leben zu opfern, ohne einen hysterischen Messianismus zu verfolgen. An ihm ist nichts Gewolltes, nichts Prätentiöses. Und der Mut ist niemals infrage gestellt. Dieser Mann hatte offenbar unter unglaublichem psychischem Druck die Fähigkeit, das Ganze in seiner Hand zu halten. Die Deutschen haben die Neigung zum ständigen spekulativen Wiederaufnehmen eines Gegenarguments, deshalb haben sie ja Hamlet so gern. Bei Stauffenberg wurde alles zur Form, die man Tat nennt.

ZEIT: Warum hat sich die Bundesrepublik so lange so schwergetan mit dem 20. Juli und ihn erinnerungspolitisch nur mit spitzen Fingern angefasst?

Bohrer: Für viele geschichtsphilosophisch angehauchte Vertreter deutscher Moralpolitik ist der Holocaust ein eschatologisches Datum, der totale Bruch. Da muss der 20. Juli Schaden nehmen, weil er die Kontinuität des alten Deutschlands darstellt. Deshalb ist der Großteil der Intellektuellen bis heute am 20. Juli nicht interessiert, weil sie mit der Möglichkeit eines deutschen Symbolorts, der irgendwas zu tun hat mit der Zeit vor dem Holocaust, nichts anfangen können.“

 

 

Den letzten Satz muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: „…weil sie mit der Möglichkeit eines deutschen Symbolorts, der irgendwas zu tun hat mit der Zeit vor dem Holocaust, nichts anfangen können.“

Sehr fein zusammengefasst. Die immerwährende Grundtendenz dieses Staates und seiner „Bevölkerung“, – besser: seiner Eliten –  zwar den Namen „Deutsche“ tragen zu müssen aber doch nichts damit zu tun haben zu wollen (Zugegeben: das hat sich auch in manchen Köpfen schon geändert) und alles historisch Gewachsene vielleicht noch im künstlerischen aber nicht im kulturellen Sinn zu sehen, erhöht die Strahlkraft dieser Tat – für Einige – noch mehr. Diese Leute waren kein „anderes Deutschland“ sondern sie waren eben „auch Deutschland“. Durch ihre Tat, konnten sie wenigstens noch einen Funken retten… Brüche können verheilen.
P.S.: „Was ist mit den anderen Widerständlern?“ Heute ist der 20. Juli. Deswegen reden wir heute über diese.

„Was ist denn hier los?“

JD-Blog… wird sich vielleicht der treue Leser denken. Einige Seiten sind verschwunden und vorstellen tun wir uns auch nicht mehr. Grund:

Wir überarbeiten derzeit unsere Inhalte und damit auch diesen Blog.

Wird werden mit diesem Neustart unseren Standpunkt klarer machen als er bisher vielleicht ist und auch ein – bisschen – mehr von uns preisgeben.

Wir rechnen mit einer fertigen Überarbeitung Anfang August.

Bis dahin eine schöne Zeit!

P.S.: Vereinzelte Beiträge werden weiterhin erscheinen.

P.P.S.: „Das mit den Änderungen habt ihr schon vor Wochen gesagt!“ Stimmt, aber jetzt geht es mit den Veränderungen richtig los. Die letzte Meldung war lediglich eine Ankündigung.