Der 20. Juli 1944 und die Schönheit die vergessen wird

HistorischesZugegeben, das die Zeit sich mit „Helden“ auseinandersetzt, kann man schon mutig nennen. Der Artikel der unter diesem Thema dann Stauffenberg behandelt, kommt mit einigen Stücken daher, die den üblichen Ton, was die deutsche Geschichte angeht, der Zeit oder der etablierten Medien in einem Punkt etwas entgegenschlägt. Ijoma Mangold hat ein Interview mit Karl Heinz Bohrer geführt, an dessen Ende folgende Absätze stehen [Hervorhebungen von mir]:

 

Bohrer: Stauffenberg war ein sehr gut aussehender Mann, an dem alles stimmte, symbolisch und faktisch, bis zum Augenblick seiner letzten Handlung. Es gibt eine Selbstevidenz der Form, die man bildungsbürgerlich Schönheit nennt. Das ist die Grazie von Stauffenberg. Die Verbindung von Humanität und Heroik, von der Bereitschaft, sein Leben zu opfern, ohne einen hysterischen Messianismus zu verfolgen. An ihm ist nichts Gewolltes, nichts Prätentiöses. Und der Mut ist niemals infrage gestellt. Dieser Mann hatte offenbar unter unglaublichem psychischem Druck die Fähigkeit, das Ganze in seiner Hand zu halten. Die Deutschen haben die Neigung zum ständigen spekulativen Wiederaufnehmen eines Gegenarguments, deshalb haben sie ja Hamlet so gern. Bei Stauffenberg wurde alles zur Form, die man Tat nennt.

ZEIT: Warum hat sich die Bundesrepublik so lange so schwergetan mit dem 20. Juli und ihn erinnerungspolitisch nur mit spitzen Fingern angefasst?

Bohrer: Für viele geschichtsphilosophisch angehauchte Vertreter deutscher Moralpolitik ist der Holocaust ein eschatologisches Datum, der totale Bruch. Da muss der 20. Juli Schaden nehmen, weil er die Kontinuität des alten Deutschlands darstellt. Deshalb ist der Großteil der Intellektuellen bis heute am 20. Juli nicht interessiert, weil sie mit der Möglichkeit eines deutschen Symbolorts, der irgendwas zu tun hat mit der Zeit vor dem Holocaust, nichts anfangen können.“

 

 

Den letzten Satz muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: „…weil sie mit der Möglichkeit eines deutschen Symbolorts, der irgendwas zu tun hat mit der Zeit vor dem Holocaust, nichts anfangen können.“

Sehr fein zusammengefasst. Die immerwährende Grundtendenz dieses Staates und seiner „Bevölkerung“, – besser: seiner Eliten –  zwar den Namen „Deutsche“ tragen zu müssen aber doch nichts damit zu tun haben zu wollen (Zugegeben: das hat sich auch in manchen Köpfen schon geändert) und alles historisch Gewachsene vielleicht noch im künstlerischen aber nicht im kulturellen Sinn zu sehen, erhöht die Strahlkraft dieser Tat – für Einige – noch mehr. Diese Leute waren kein „anderes Deutschland“ sondern sie waren eben „auch Deutschland“. Durch ihre Tat, konnten sie wenigstens noch einen Funken retten… Brüche können verheilen.
P.S.: „Was ist mit den anderen Widerständlern?“ Heute ist der 20. Juli. Deswegen reden wir heute über diese.

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