Wirtschaftswachstum um jeden Preis?

geld-inversArmut, Verschuldung, Überarbeitung, Konsumwahn, Ausbeutung, Krieg, Umweltverschmutzung und -zerstörung – das sind soziale, wirtschaftliche, politische und ökologische Problemfelder, mit denen wir heute konfrontiert sind und die mehr oder weniger unser Leben bestimmen.

Überall gibt es arme Menschen, die trotz ihrer harten Arbeit auf keinen grünen Zweig kommen. Viele so genannte Arbeitnehmer sind dermaßen in ihre Erwerbsarbeit eingespannt, dass sie gar nicht dazu kommen, die Dinge zu genießen, die sie sich von ihrem Gehalt kaufen können; von der Entfremdung zwischen Partnern und innerhalb Familien durch exorbitante Arbeitszeiten und psychischen Dauerstress ganz zu schweigen. Es gibt Staaten, deren Verschuldung ihr Sozialprodukt weit übersteigt. Politiker und Medien schreien nach immer mehr Wirtschaftswachstum. Alle Bereiche des Lebens werden der Profitmaximierung untergeordnet, während Beziehungen und Bindungen zu Menschen, Land und Regionen zerbrechen. Wir schätzen den Frieden in Europa, hören aber ständig von schrecklichen blutigen Auseinandersetzungen in Afrika und dem Nahen Osten, und die westlichen Industrienationen suchen sich immer wieder Feindbilder, an denen Luftangriffe und Invasionen festgemacht werden. Wir freuen uns über unsere schönen Wälder in Europa und lassen uns Benzin, Seltene Erden, Gold und Uran aus fernen Ländern bringen, wofür dort flächendeckend die Natur verwüstet und vergiftet wird, während die einheimische Bevölkerung nichts von ihren Bodenschätzen hat.

Alle diese Erscheinungen haben eine gemeinsame Ursache. Man kommt dieser Ursache nicht auf die Spur, wenn man schulische, universitäre und persönliche Bildung sowie das Erlangen beruflicher Kompetenz als einen immer schmaler werdenden Pfad begreift, auf dem man sich immer weiter von einem robusten Grundlagenwissen verschiedener Bereiche entfernt und über ein immer stärker eingegrenztes Fachgebiet immer mehr Wissen erlangt. Sicherlich kann man so ein gefragter Experte werden und zu einer respektablen Position im Berufsleben aufsteigen. Das heißt aber nicht, dass man die tieferen Zusammenhänge verstanden hat, die diese Welt und unsere Gesellschaft zusammenhalten bzw. spalten. Auf diesem Wege muss man Scheuklappen tragen, so dass man die allermeisten Fragen unbeantwortet lässt, die einem bei der Suche nach dem Verständnis der Wahrheit begegnen. Verständnis aber erfordert breites Wissen. Man kann Zusammenhänge nur dann verstehen, wenn man die Pole kennt, die zusammenhängen, und das, was dazwischenliegt. Ein solches Verständnis ermöglicht nicht nur aus der Vergangenheit Lehren zu ziehen, sondern auch begründete Vorhersagen über die Zukunft zu machen oder zumindest verschiedene Szenarien durchzuspielen. Es kostet uns jedoch Überwindung, uns in der Breite zu bilden, denn der Stereotyp des Berufsmenschen ist der Spezialist. Wir müssen gegen Erwartungen anderer und eigene Gewohnheiten verstoßen, wenn wir verstehen wollen, was hinter den Kulissen geschieht. Wir müssen der Frage etwas entgegensetzen: „Warum beschäftigst du dich denn mit X? Du hast doch Y gelernt!“

Gehen wir also zunächst einmal nicht in die Tiefe, sondern in die Breite. Wir sehen die genannten Probleme und finden eine Gemeinsamkeit: Woran es in allen diesen Fällen mangelt, ist Nachhaltigkeit – je nachdem sozialer, ökonomischer oder ökologischer Art. Die gemeinsame Ursache hinter all den Problemen muss also etwas sein, das nicht nachhaltig ist. Und was haben alle diese Prozesse gemeinsam? Überall geht es ums Geld. Und darüber darf man sich eine Meinung bilden, auch wenn man nicht VWL studiert hat.

• Menschen bekommen Geld für ihre Erwerbsarbeit (für die oftmals viel sinnvollere Arbeit in der Familie bekommen sie keines).
• Staaten nehmen Kredite bei Banken auf und übernehmen dann im Handumdrehen die Schulden derselben Banken, als gäbe es kein Morgen (Das geht tatsächlich, da alles Geld als Kredit erschaffen wird. Wenn niemand Schulden macht, gibt es auch kein Geld).
• Die ganze Welt produziert auf Teufel komm‘ raus, weitgehend zu Hungerlöhnen und Dumpingpreisen. Und darunter sind viele Produkte, nach denen noch vor Jahren niemand ein Bedürfnis gehabt hätte. Heute vermittelt uns die Werbung ein Bedürfnis nach allen möglichen Sonderfunktionen in Telefon und Auto, von denen wir niemals geträumt hätten, weil sie eigentlich kein Mensch braucht.
• Hinter vielen Kriegen stehen handfeste Profitinteressen des so genannten militärisch-industriellen Komplexes einiger Industrieländer sowie von Investmentbänkern der Wall Street und ihrer Aktionäre. Geld an der Börse anzulegen und den richtigen Moment zur Ernte abzupassen ist eine brillante Geschäftsmethode, seinen Kontostand zu erhöhen ohne etwas Neues zu schaffen. Der Begriff der „Finanzindustrie“ ist völlig irreführend, denn sie produziert nichts Greifbares.
• Transnationale Konzerne beuten die natürlichen Ressourcen der Dritten Welt aus und die Einheimischen schauen zu, während ihre korrupten Eliten im Geld der Konzerne schwimmen. Denken wir daran, wenn wir etwas aus „fairem Handel“ kaufen, dass jeder andere Handel grundsätzlich unfair ist.
• Wofür man nicht bezahlt, dem misst man auch keinen Wert bei. Deshalb fährt man mit der Rolltreppe zum Eingang des Fitnessstudios. Weihnachten ist zu einer Schlacht um Schnäppchen und einem Wettbewerb um angesagte Produkte verkommen. So sehr haben wir den Tanz um den Mammon bereits verinnerlicht. Wir sollen heute völlig flexibel sein: ohne dauerhaften Wohnsitz, alle paar Jahre woanders, am besten immer international unterwegs, ein Weltenbürger, den nichts hält und der vor nichts mehr Respekt hat außer vor der Macht des Geldes. Wo da noch Platz für Kinder und Familie sein soll? Wohl von gestern oder was?!
Peak Oil? Schon mal gehört, aber kein Problem, für uns reicht’s noch und nach uns die Sintflut. Artensterben? Ach was, das kam in der Erdgeschichte ja schon öfter vor, und das wächst auch wieder nach.

Hinter all dem steht der Wachstumswahn. Aber warum soll eine Volkswirtschaft immer wachsen, wenn es uns doch offenbar bereits gut geht?

Staaten finanzieren sich längst nicht nur durch Steuern, sondern maßgeblich durch Kredite, die sie bei Banken aufnehmen. Wenn Rückzahlungen fällig werden, nehmen Staaten oftmals einfach neue Kredite auf, um die alten zu tilgen. Das machen die Banken mit, weil sie dem Staat zugestehen, jederzeit beliebige Geldmengen über Steuern aus den Bürgern herauspressen zu können. Der Staat tut es aber in der Regel nicht, weil sich eine solche Regierung äußerst unbeliebt machen würde. Während sich die Schuldenberge der Staaten samt Zinsforderungen der Banken türmen, türmt sich natürlich auch das in Umlauf gebrachte Geld in der Volkswirtschaft. Und nun muss die Wirtschaft wachsen, damit es nicht zu einer Inflation untragbaren Ausmaßes kommt. Die hinzugekommene Geldmenge muss mit Wert in Form neuer Waren und Dienstleistungen unterlegt werden. Die Kredite wurden von den Banken geschöpft, die Zinsen aber niemals. Man zahlt sie mit neuen Krediten – und neue Zinsen tauchen auf. Die Wirtschaft muss dauerhaft exponentiell wachsen, damit das funktionieren kann. Die Weltwirtschaft aber kann nicht mehr so weiterwachsen wie bisher und die meisten Volkswirtschaften schon gar nicht. Wenn wir uns also genauer mit dem Geldsystem befassen, stellen wir fest, dass es alles andere als nachhaltig ist.

Es muss sich eines Tages etwas ändern. Irgendwann müssen die Schulden erlassen werden, aber vorher wird man sicherlich aus uns herausquetschen, was nur geht (siehe Griechenland und Spanien). Um diesen ganzen furchtbaren Auswüchsen des Wachstumswahns Einhalt zu gebieten, müssen wir folgende Schritte unternehmen:

1. Verstehen, dass die meisten sozialen, politischen, ökonomischen und ökologischen Probleme größeren Ausmaßes eine gemeinsame Ursache haben.
2. Verstehen, dass diese Ursache die fehlende Nachhaltigkeit ist, die durch Fehler des Geldsystems bedingt ist.
3. Neue Lösungsansätze prüfen, ggf. ausprobieren und für dauerhaften Wohlstand sorgen.

Was können diese Lösungsansätze ein? Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Schulen und Gruppen, die glauben, die Lösung gefunden zu haben, und die die Ansichten der anderen mehr oder weniger vehement angreifen. Der Mensch neigt nun einmal dazu, sich Ideen zu verschreiben, in die er ein Stück weit hineingewachsen ist, sei es durch Sozialisation in der Jugend oder durch eigene Anstrengung. Dummerweise macht das viele Menschen blind für die Ideen anderer. Das wäre ja nicht so schlimm, wenn diese Lösungsansätze nicht so stark voneinander abwichen wie sie es tun (vorausgesetzt, die optimale Lösung wäre darunter). Die Ideen greifen auch auf unterschiedlichen Ebenen an: Die einen wollen an der Art und Entstehung des Geldes gar nichts ändern, sondern das Geld nur umverteilen. Es gibt Verfechter des Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE), die dieses aus der Mehrwertsteuer finanzieren wollen. Andere sagen, das ginge nur, wenn man noch grundlegendere Parameter der Volkswirtschaft änderte. Die einen wollen den Euro in mehrere Euros aufteilen, die wenige Länder umfassen. Andere wollen den Euro abschaffen und zur Mark zurückkehren. Wieder andere wollen regionale Währungen, zum Teil parallel zu nationalen und übernationalen Währungen. Die einen wollen eine vollkommen goldgedeckte Währung, die anderen ein fließen des Papiergeld mit Umlaufsicherung durch regelmäßige Reduktion des Nennwertes. Und so weiter und so fort.

Wie auch immer die optimale oder zumindest eine in der Praxis wirklich gut funktionierende Lösung aussähe, kann sie nur dann ausreichend Kraft zur Verwirklichung bekommen, wenn sich viele Menschen damit befassen. Bisher ist das nicht zu erkennen. Deshalb schreibe ich diese Zeilen.

Nur persönlich ohnmächtige Marionetten in der Politik und den Medien glauben, es ginge in ihrer Tätigkeit um Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit in ihrer Gesellschaft und in der Welt. Wir lassen uns allzu gerne von ihnen einlullen, zumal sie ja auch noch selbst an die potemkinschen Dörfer glauben, die sie uns aufbauen. So eine Welt wäre schön, aber in so einer Welt leben wir leider nicht. Die schon etwas mächtigeren Marionetten glauben nicht mehr an das, was sie sagen, da man sie hin und wieder einen Blick hinter die Kulissen werfen lässt. Diejenigen aber, die wirklich das Steuer in der Hand haben, treten nicht gerne in Erscheinung und sind den meisten unbekannt. Aber sie verstehen es, das Geld zu erschaffen, andere zu versklaven und den Fluss des Geldes letztendlich in ihre Taschen zu lenken. Fragt euch deshalb immer, wer von etwas profitiert. Der Fluss des Geldes führt meistens zu den Schuldigen.

Quellen und Verweise:

G. Edward Griffin: Die Kreatur von Jekyll Island, Kopp Verlag
https://www.alternativefuer.de/partei/faq/
http://www.monetative.de/
http://www.parteidervernunft.de/
http://www.wertperspektive.de/
http://www.wissensmanufaktur.net/

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Über Reisig

Reisig erblickte 1983 in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums und dem Abitur führte ihn die Bereitschaft, seinen Dienst an der Gemeinschaft zu tun, zur Bundeswehr, wo er seinen Grundwehrdienst leistete. In den folgenden Jahren studierte er ein naturwissenschaftliches Fach. Während des Studiums engagierte sich Reisig einige Zeit in der politischen Linken. Dies ergab sich ihm aus seiner Ablehnung eines unreflektierten Untertanengeistes und der wirtschaftlichen Ausbeutung des unmündigen Bürgers. Dabei galt ihm stets das Wohl des deutschen Volkes als höchstes Ziel. Die Erkenntnis, dass weite Teile der Linken dieses Ziel nicht teilen wollen und dass er nunmehr keine faulen Kompromisse mehr machen wollen würde, ließ Reisig vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand nehmen. Eine neue politische Heimat fand Reisig bei den Jungdeutschen. Er hat an einer deutschen Universität in einem naturwissenschaftlichen Fach promoviert, ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland.

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