Verkaufsschlager Patriotismus?

Fundstücke-01Neulich schaute ich mir ein Musikvideo der talentierten jungen amerikanischen Geigerin Lindsey Sterling an, das sich mit dem Videospiel „Assassin’s Creed III“ (Der Glaube des Assassinen) beschäftigt. In dem Musikvideo schwingt sie die Flagge der 13 Gründerstaaten und verbirgt sich in der Kleidung des Helden aus dem Spiel vor britischen Truppen zur Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1775-1783). In den USA wird dieser Krieg als American Revolutionary War bezeichnet. Dass sich die Musikerin mit diesem patriotischen Thema befasst, weckte mein Interesse und ließ mich im Internet recherchieren.

Es gibt eine Vorschau (einen Trailer) des Spiels für den nordamerikanischen Markt. Bei vielen Amerikanern weckt dieses Video sicherlich patriotische Gefühle, denn es verleitet den Zuschauer dazu, anzunehmen, dass der Held auf der Seite der amerikanischen Rebellen gegen die britischen Unterdrücker kämpfe – und das ganz und gar nicht zimperlich. In dasselbe Horn stößt das Video von Lindsey Sterling, was sicherlich bei ihren Landsleuten gern gesehen ist.

Mir kam die Idee, dass sich dieses Spiel mit einem solchen antibritischen Grundton wohl kaum in Großbritannien würde verkaufen lassen. Ein Hersteller von Videospielen wird sich aber doch nicht ohne Not einem einträglichen Absatzmarkt verschließen wollen. Also vermutete ich, dass man den Briten dieses Spiel anders schmackhaft machen würde. Ich suchte und stieß tatsächlich auf einen Blogbeitrag einer Britin, in dem sie auf Differenzen in den Vorschauen für den nordamerikanischen und den britischen Markt aufmerksam macht. Im Gegensatz zur amerikanischen Vorschau verlaufen in der britischen Version die Fronten des Spiels quer zu den politischen Fronten. Der Held wird hier als Angehöriger eines geheimen Ordens herausgestellt, der gegen den Templerorden kämpft (der Bezug zum mittelalterlichen Templerorden ist mir nicht klar, aber es ist ja nur ein Spiel). Dabei räumt er sowohl rot uniformierte britische als auch blau uniformierte amerikanische Soldaten aus dem Weg. Das Letztere überwiegen, ist wohl ein Zugeständnis an den verletzten Nationalstolz der Briten angesichts ihrer abtrünnigen ehemaligen Kolonien.

Die deutsche Vorschau fällt übrigens wesentlich weniger blutrünstig aus als die anderen, suggeriert aber genau wie die amerikanische, dass es in dem Spiel darum ginge, auf Seiten der Rebellen die britische Tyrannei abzuschütteln. Schließlich wird uns immer wieder das Wunderland Amerika zum Vorbild für Europa gemacht, während Großbritannien als der rückständige Bremser der „europäischen Integration“ erscheinen soll.

Was man dann daraus macht, wenn man das Spiel spielt, bleibt einem bei der heutigen Generation der virtuellen Rollenspiele angesichts einer unüberschaubaren Fülle der Möglichkeiten selbst überlassen.

Wir sehen also, dass auch heute noch mit Patriotismus Geld gemacht wird. Vielleicht könnte man einmal ein Spiel entwickeln, das von der Revolution von 1848 handelt – und sie siegen lässt!

Quellen:

http://www.forbes.com/sites/carolpinchefsky/2012/10/05/how-the-uk-trailer-for-assassins-creed-iii-tops-the-us-version/



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Über Reisig

Reisig erblickte 1983 in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums und dem Abitur führte ihn die Bereitschaft, seinen Dienst an der Gemeinschaft zu tun, zur Bundeswehr, wo er seinen Grundwehrdienst leistete. In den folgenden Jahren studierte er ein naturwissenschaftliches Fach. Während des Studiums engagierte sich Reisig einige Zeit in der politischen Linken. Dies ergab sich ihm aus seiner Ablehnung eines unreflektierten Untertanengeistes und der wirtschaftlichen Ausbeutung des unmündigen Bürgers. Dabei galt ihm stets das Wohl des deutschen Volkes als höchstes Ziel. Die Erkenntnis, dass weite Teile der Linken dieses Ziel nicht teilen wollen und dass er nunmehr keine faulen Kompromisse mehr machen wollen würde, ließ Reisig vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand nehmen. Eine neue politische Heimat fand Reisig bei den Jungdeutschen. Er hat an einer deutschen Universität in einem naturwissenschaftlichen Fach promoviert, ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland.

2 Gedanken zu „Verkaufsschlager Patriotismus?

  1. 1) Patriotische Gefühle, wie verdünnt und verdreht auch immer, könnte dieses Spiel nur bei einer ganz kleinen Minderheit der US-amerikaner erwecken, nämlich nur bei den protestantischen Weißen, die ihre Vorfahren schon zur damaligen Zeit dort nachweisen können. Diese Spezies ist am aussterben, aber die Frau Sterling zählt sich offenbar noch dazu, wie ja ihr treuWASPischer Name auch nahelegt. Es ist kaum anzunehmen, daß dieses Spiel bei Hispanics, italienischen Mafiosi, katholischen Polen, Kanton-Chinesen oder Negern irgendwelche höheren Gefühle erweckt. Das ist einfach nur ein Ballerquatsch wie alle anderen auch. Das ursprüngliche Spiel hat ja auch damit gar nichts zu tun, sondern hier hat nur die Frau Sterling eine seltene Marotte ausgelebt. Von den US-amerikanern, soweit es diese überhaupt noch gibt, wird der Unabhängigkeitskrieg übrigens nicht so sehr als anti-BRITISCH, als vielmehr anti-DEUTSCH memoriert. Die Schuld dafür, daß es zu diesem tragischen Kampf kommen mußte, wird dem deutschen König von England und seinen deutschen (in Wahrheit jüdischen) Beratern angelastet. Ein Großteil der Truppen, die gegen die Rebellen kämpften, waren deutsche Söldner. Das war also auch gar kein „Bruderkrieg“.
    2. Selbstverständlich ist trotz alledem die ganze Sache für die heutigen Briten recht mißlich (da sie ja immer noch dasselbe Königshaus haben). Daher ist der Dreh mit dem geheimem Orden gar nicht einmal so verkehrt und kommt sogar den geschichtlichen Tatsachen recht nahe.
    3. Was die deutsche Version propagiert, ist vollkommen belanglos. Es interessiert das niemanden. Unsinnig ist es jedoch, die jetzigen Groß-Briten als Hort des Nationalismus in „Europa“ anzusprechen oder sie gar noch in einem Gegensatz zu den US-amerikanern zu sehen. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Die Bremserrolle, die die Groß-Briten in „Europa“ spielen, üben sie auf Geheiß der US-amerikaner aus, die gar nicht wollen, daß Europa (ohne Anführungszeichen) geeint und dadurch stark wird. Ein wirkliches Europa stünde unter deutscher Führung und das will man weder in London, noch in Washington (übrigens auch nicht in Moskau).
    4. Die Revolution von 1848 hat doch gesiegt. Alle wichtigen Ziele dieser Revolution wurden erreicht, als da waren: 1) Zulassung von Aktiengesellschaften in Deutschland, die bis dahin verboten waren, 2) vollständige Gleichberechtigung aller „Religionsgemeischaften“ und restlose Abschaffung der letzten „Diskriminierungen“ beim Zugang zu Beamtenstellen, 3) Abschaffung des Gottesgnadentums der Fürsten und zwangsweise Einführung von – an sich überflüssigen, parasitäten – Parlamenten samt „Volksvertretern“ und dazugehörigen „Parteien“, und schließlich 4) Ersetzung des Königswortes („rule of man“) durch geschriebene, ebenfalls überflüssige, sogenannte „Verfassungen“ (rule of law). Daß es nicht zur Errichtung einer starken deutschen Zentralgewalt kam, lag daran, daß England, Frankreich und Rußland das nicht wollten, weil sie davon nur Nachteile gehabt hätten. Also die Siegerkonstellation von 1945, die über Deutschland zu Gericht saß, war dieselbe, die 1848 vorderhand die Entstehung eines starken Deutschlands verhinderte. Hätte die Revolution in DIESEM Punkt sich durchgesetzt, wäre es unweigerlich bereits 1848 zu einem „Weltkrieg“ mit denselben Fronten wie 1914 gekommen. Diesen Krieg hätte Deutschland damals aber nicht gewinnen können, weil es noch nicht industrialisiert genug war.

    • Ich stimme Ihnen zu, dass es nur den weißen, angelsächsischen und protestantischen Nachkommen britischer Siedler (WASP) naheliegt, patriotische Gefühle gegenüber dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zu haben. Die anderen heutigen US-Amerikaner haben dazu entweder gar keinen Bezug oder sie verbinden die Versklavung ihrer afrikanischen Vorfahren mit dieser Geschichte.

      Wir Jungdeutsche scheuen uns nicht davor, Begriffe wie „Volkstum“ oder „deutsches Volk“ zu verwenden, die heutzutage weithin als politisch inkorrekt gelten. Wir weisen darauf hin, dass diese Begriffe älter als das Dritte Reich sind und ohne chauvinistische Bedeutung verwendet werden können. Dennoch lehnen wir die Verwendung des Begriffes „Neger“ wegen seiner rassistischen Konnotation ab. Es gibt ein treffendes deutsches Wort dafür: Schwarze.

      Ja, es waren viele deutsche Söldner auf britischer Seite am Krieg beteiligt. Man denke aber auch an den preußischen General Friedrich Wilhelm von Steuben, der die Revolutionstruppen auf Vordermann gebracht hat und zumindest gebildeten Amerikanern eine bekannte Größe sein sollte. Wie so oft im 18. und 19. Jahrhundert traten Deutsche in Ermangelung eines gemeinsamen Nationalstaates bedauerlicherweise auch hier gegeneinander an.

      Es ist richtig, dass Deutschland in einem einigermaßen demokratisch gearteten Europa die Führungsrolle haben müsste. Von den genannten Mächten traue ich am ehesten noch der russischen Politik zu, Deutschland diese Rolle zuzugestehen.

      Viele Ziele der Revolution von 1848 wurden mittlerweile erreicht, zum Teil aber nur zum Schein bzw. sie werden zurückgebaut. Damals wurden die freiheitlichen Ideale erstickt und die feudalen Mächte restauriert. Heute überschattet die Herrschaft der Lobby des Geldes die Herrschaft des Volkes. Wir Jungdeutsche streben nach einer Wiederbelebung der Ziele der deutschen Revolution von 1848 in unserer heutigen Zeit.
      Dass Könige und Fürsten nach und nach dann doch entmachtet wurden, ist nicht zu betrauern. Es gebührt dem Volk, dass die Macht sich mit seiner Legitimation aus seinen Reihen erhebt.
      Es ist gut möglich, dass die Schaffung eines demokratischen deutschen Nationalstaates nach einer gelungenen Revolution von 1848 zu einem Krieg mit autokratischen Staaten wie England und Russland geführt hätte. Vielleicht wäre es unter diesen Umständen aber auch möglich gewesen, revolutionären antifeudalen Bewegungen in diesen Ländern zum Sieg zu verhelfen.

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