Richard Wagner: Was ist deutsch?

Fundstücke-01Richard Wagner war nicht nur der bekannteste Komponist der Romantik, sondern er liebte auch das Schreiben. Ich bin auf eine Abhandlung seinerseits mit dem Titel „Was ist deutsch?“ gestoßen, die Wagner 1865 geschrieben und bis 1878 überarbeitet hat. Dieses Dokument geht also auf eine Zeit des großen nationalen Auf- und Umbruchs zurück und lässt einen erahnen, welche Spannungen damals in der Luft lagen. Es ist nicht leicht, sich in die altmodische, umständliche Sprache einzulesen, aber nach ein paar Seiten hat man sich darauf eingeschwungen. Die zentrale Stelle (in damaliger Rechtschreibung) ist folgende:

Wagner schrieb, dass der deutsche Geist der Welt verkündete, dass „das Schöne und Edle nicht um des Vortheils, ja selbst nicht um des Ruhmes und der Anerkennung willen in die Welt tritt; und alles, was im Sinne dieser Lehre gewirkt wird, ist „deutsch“, und deshalb ist der Deutsche groß; und nur, was in diesem Sinne gewirkt wird, kann zur Größe Deutschland’s führen“.

Als Beispiel führt Wagner Beethoven an, der in ärmlichen Verhältnissen und von der Öffentlichkeit und den Fürsten verkannt seine genialen Stücke schrieb und auf der Orgel spielte. Währenddessen gaben die Fürsten Unsummen für mittelmäßige italienische Komponisten an ihren Höfen aus, die aber voller Geringschätzung für das in ihren Augen ungehobelte Deutschland gewesen seien. Aber die Aussage Wagners geht tiefer als dieses Beispiel. Man kann das für Geschwafel halten und zum Tagesgeschäft übergehen. Man kann davon aber auch ergriffen sein. Und ich möchte behaupten, dass viele, die eine tiefe Liebe zu ihrem Land spüren, wissen, was ich meine. Anderen kann man es kaum erklären. Mir spricht es direkt aus dem Herzen; es bringt eine Saite in mir zum Schwingen. Ich kann nur immer wieder versuchen, mich dieser Aussage Wagners auch rational anzunähern. Sie ist außerordentlich allgemein, ja ganzheitlich, sie ist unfassbar schön und von zeitloser Ästhetik.

Quelle:

Richard Wagner: Was ist deutsch? In: Gesammelte Schriften und Dichtungen. Zehnter Band. Verlag von E.W. Fritzsch. Leipzig, 1883. http://archive.org/download/gesammelteschrif10wagn/gesammelteschrif10wagn.pdf

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Über Reisig

Reisig erblickte 1983 in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums und dem Abitur führte ihn die Bereitschaft, seinen Dienst an der Gemeinschaft zu tun, zur Bundeswehr, wo er seinen Grundwehrdienst leistete. In den folgenden Jahren studierte er ein naturwissenschaftliches Fach. Während des Studiums engagierte sich Reisig einige Zeit in der politischen Linken. Dies ergab sich ihm aus seiner Ablehnung eines unreflektierten Untertanengeistes und der wirtschaftlichen Ausbeutung des unmündigen Bürgers. Dabei galt ihm stets das Wohl des deutschen Volkes als höchstes Ziel. Die Erkenntnis, dass weite Teile der Linken dieses Ziel nicht teilen wollen und dass er nunmehr keine faulen Kompromisse mehr machen wollen würde, ließ Reisig vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand nehmen. Eine neue politische Heimat fand Reisig bei den Jungdeutschen. Er hat an einer deutschen Universität in einem naturwissenschaftlichen Fach promoviert, ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland.

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