Wie Hitler seinen Krieg finanzierte

Geschichte-01Das „Dritte Reich“ wird oft so dargestellt, als sei es von völlig irrationalen Antrieben gesteuert gewesen, praktisch als Ausgeburt einer kollektiven antisemitischen Zwangsneurose der Deutschen. Bei Krieg und Judenverfolgung ging es aber um mehr als nur arische Weltherrschaft und Vernichtung von „Volksschädlingen“. Es ging auch ums Geld. Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie viele politische Verwicklungen der Menschheitsgeschichte sich nicht zuletzt ums Geld drehen.
Die Wirtschaft des „Dritten Reiches“ funktionierte als ein sehr geschickt ausgeklügeltes Schneeballsystem, das sich immer neue Finanzierungsquellen erschließen musste. Hitler war nämlich stets darum bemüht, eine hohe Besteuerung der Deutschen zu vermeiden, um sich seine Popularität zu sichern. Das System erweckte durchaus den Eindruck, sich um die kleinen Leute zu kümmern (zumindest solange sie keine Juden, Zigeuner, Kommunisten, Behinderte oder Homosexuelle waren), und soziale Gerechtigkeit herzustellen. So kann man auch verstehen, warum es heute noch Leute gibt, die Hitler in positiver Erinnerung haben für den Abbau der Arbeitslosigkeit und den Ausbau der Infrastruktur, z.B. der Autobahnen. Hinter diesen Kulissen sah es jedoch düster aus. Sowohl die Aufrüstung, die durch die Versailler Auflagen streng reglementiert war und deshalb im Verborgenen stattfinden musste, als auch soziale und infrastrukturelle Maßnahmen wurden im Wesentlichen auf Pump finanziert. So häufte sich eine enorme Staatsverschuldung an, die das Reich förmlich in den Krieg drängte, um den Staatsbankrott zu verhindern. Ich will nicht behaupten, Hitler wäre nicht in Polen einmarschiert, wenn das Reich keine Schulden gehabt hätte. Schließlich war der Krieg ja der Sinn der Rüstung. Aber eine gewisse Dynamik, die Dinge zuzuspitzen, wird die Finanzierungsfrage entwickelt haben.

Die Verschuldung in der Rüstung funktionierte auf Grundlage der so genannten „Mefo-Wechsel“. Allgemein ist ein Wechsel ein Wertpapier, das bescheinigt, dass eine Person A (Bezogener) an eine Person B (Begünstigter) zu einem gewissen Zeitpunkt einen gewissen Geldbetrag zahlen muss. Eine Person C (Aussteller) stellt diese Bescheinigung aus. Diese Personen können einzelne Menschen, Firmen, Banken oder sonstige Institutionen sein. Wechsel können gehandelt werden, wobei sich der Begünstigte ändert.
Schauen wir uns nun an, wie die Mefo-Wechsel funktionierten. Die Reichsregierung hatte damals eine Scheinfirma namens Metallurgische Forschungsgesellschaft mbH gegründet, daher die Abkürzung „Mefo“. Da wegen der Versailler Beschränkungen das Reichswehrministerium nicht als Auftraggeber der Industrieproduktion im tatsächlichen Umfang auftreten durfte, wurde die Mefo vorgeschoben. Wenn das Reichswehrministerium Aufträge an Rüstungsunternehmen vergeben hatte, stellten diese Unternehmen Wechsel aus (Aussteller) mit einer Forderung an die Mefo (Bezogener) zugunsten der Banken als ihren Gläubigern (Begünstigte). Die Rüstungsunternehmen waren nicht selbst die Begünstigten, da sie wiederum Kredit von Banken genommen hatten, um produzieren zu können. Mit diesen Wechseln bezahlten die Rüstungsunternehmen also ihre eigenen Schulden bei Geschäftsbanken. Die Geschäftsbanken wiederum konnten ihre Wechsel nun an die Reichsbank vor dem Fälligkeitsdatum verkaufen. Die Reichsbank würde das Geld für diesen Zweck erschaffen – salopp gesagt, aus dem Hut zau-bern – was Inflation zur Folge gehabt hätte. Um das zu verhindern, wurden die Mefo-Wechsel mit einem jährlichen Zins versehen, so dass sie bis zum Fälligkeitsdatum als Geldanlage gehalten wurden. Ab 1934 wurden die Mefo-Wechsel immer wieder verlängert, bis sie schließlich 1939 fällig wurden. Es wäre natürlich für die Regierung ein Leichtes gewesen, das Geld dafür von der Reichsbank erschaffen zu lassen, das hätte aber wie gesagt Inflation bewirkt. Vor diesem Hintergrund ist es vielleicht nicht ganz überraschend, dass der Kriegsausbruch in Europa im September 1939 stattfand. Der Krieg eröffnet nämlich ungeahnte Finanzierungsmöglichkeiten.

Den besetzten Ländern wurden 100 % des letzten Friedenshaushaltes als Besatzungskosten auferlegt. Es wurde in Zentralbankgeschäfte eingegriffen, um eine Inflation der Landeswährungen zu verhindern. Juden wurden enteignet, wodurch man Geld, Wertpapiere und Gold in die Hände bekam. Juden waren sowieso mehr oder weniger überall unbeliebte Außenseiter, deshalb konnte man es mit ihnen machen. Das ist eine Antwort auf die Frage, warum ausgerechnet die Juden als Sündenböcke herhalten mussten. Das jüdische Gold wurde verkauft, und das so erhaltene Geld aus dem Umlauf entzogen, um die Geldmenge zu verkleinern, bzw. von der Besatzungsmacht ausgegeben. Das war ein Weg, die Währung eines besetzten Landes zu stabilisieren und dennoch die Besatzungskosten herauszupressen. So wurde der laufende Krieg maßgeblich aus den besetzten Ländern finanziert.

Juden, die Wertpapiere besaßen, mussten diese in deutsche Staatsanleihen umtauschen. Ein weithin unbekanntes, finanzielles Motiv für die Judenvernichtung bestand darin, dass die Halter dieser Staatsanleihen zum Zeitpunkt ihrer Fälligkeit nicht mehr am Leben sein sollten, um sie sich auszahlen zu lassen. Damit konnte sich die deutsche Regierung die Aktien praktisch umsonst aneignen, und die Staatsanleihen fielen unter den Tisch.

Aus Sicht der deutschen Kriegsführung wäre es vielleicht das Klügste gewesen, den Krieg nach dem Sieg über Polen und Frankreich auf den Kampf gegen Großbritannien zu beschränken, und sich nicht in einem unberechenbaren Konflikt mit der Sowjetunion zu begeben. Dann hätte man die Rechnung allerdings ohne den Finanz-Wirt gemacht. Dieser Wirt waren die Rüstungsindustrie und die dahinerstehenden Banken, u.a. an der Wall Street. Wollte man einen deutschen Staatsbankrott verhindern, musste der Krieg nach dem Sieg über Frankreich 1940 eine neue Dimension erreichen. Neben dem Drang nach Lebensraum im Osten und Vorstellungen von einem Präventivschlag war das ein Grund für den Krieg gegen Russland.

Als der Kampf an allen Fronten stockte, konnte sich die Blase nicht mehr weiter auf Kosten neuer Eroberungen aufblähen. Deshalb verlangte Hitler den deutschen Hausbesitzern zur Wende des Krieges Ende 1942 eine gewaltige Sonderzahlung von 8 Mrd. Reichsmark ab – entgegen seines Prinzips der steuerlichen Entlastung der Deutschen auf Kosten anderer.

Bekanntlich ging das Ganze nach hinten los: Deutschland bekam nach dem Krieg Reparationszahlungen für fast die ganze Welt aufgebrummt. Diese Dinge zeigen uns, wie wichtig es ist, in der Weltpolitik stets zu fragen, woher und wohin das Geld fließt. Das wird gerne übersehen, nicht nur weil es so kompliziert ist, sondern auch weil es mächtige Interessen gibt, die dem entgegenstehen. Wenn wir aber tiefer verstehen wollen, wie Politik und Gesellschaft funktionieren, sollten wir ein Auge auf das Geld haben.

Quellen:


http://de.wikipedia.org/wiki/Mefo-Wechsel

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Über Reisig

Reisig erblickte 1983 in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums und dem Abitur führte ihn die Bereitschaft, seinen Dienst an der Gemeinschaft zu tun, zur Bundeswehr, wo er seinen Grundwehrdienst leistete. In den folgenden Jahren studierte er ein naturwissenschaftliches Fach. Während des Studiums engagierte sich Reisig einige Zeit in der politischen Linken. Dies ergab sich ihm aus seiner Ablehnung eines unreflektierten Untertanengeistes und der wirtschaftlichen Ausbeutung des unmündigen Bürgers. Dabei galt ihm stets das Wohl des deutschen Volkes als höchstes Ziel. Die Erkenntnis, dass weite Teile der Linken dieses Ziel nicht teilen wollen und dass er nunmehr keine faulen Kompromisse mehr machen wollen würde, ließ Reisig vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand nehmen. Eine neue politische Heimat fand Reisig bei den Jungdeutschen. Er hat an einer deutschen Universität in einem naturwissenschaftlichen Fach promoviert, ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland.

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