Zur Todesstrafe

Aussenpolitik-01Die Hinrichtung des Mörders Dennis McGuire im US-Bundesstaat Ohio hat v.a. wegen der eingesetzten neuartigen Giftmischung für Aufsehen gesorgt. In Europa empören sich viele darüber, dass es in einigen Bundesstaaten der Vereinigten Staaten noch die Todesstrafe gibt, in den Kommentarspalten der Medien sprechen sich aber auch hierzulande manche für Hinrichtungen aus. Wie kommt man überhaupt auf die Idee, der Staatsgewalt die Macht einzuräumen, Verbrecher zu töten?

  • Sie sollen es nicht wieder tun können. Statt sie umzubringen, kann man das auch dadurch gewährleisten, dass man sie einsperrt. Da sie aus dem Gefängnis immer noch ausbrechen können, geht man mit der Hinrichtung jedoch kein Risiko ein.
  • Die Täter selbst sollen in einem angemessenen Maße leiden, d.h. ihr Leben soll an diesem Punkt aufhören. Damit soll sozusagen die Rechnung beglichen werden, die der Verurteilte mit der Welt offen hat –  wobei man eine übergeordnete Gerechtigkeit, übermenschliche Kategorien von Gut und Böse, Richtig und Falsch, voraussetzt. Zumindest aber wird die Rechnung beglichen, die der Betreffende mit dem jeweiligen menschengemachten Rechtssystem offen hat.
  • Andere potentielle Täter sollen abgeschreckt werden. Man sollte meinen, dass eine besonders strenge Strafe eine besonders starke Abschreckungswirkung ausübt. Das gilt jedoch nicht für Triebtäter, Täter im Affekt und besonders skrupellose Täter. Sollte man Affekthandlungen und Triebtaten deshalb milder beurteilen? Wir bekommen hier das Problem, ab welcher Stelle im Strafrecht wir die ultimative Strafe ansetzen. Wir müssen erkennen, dass diese Entscheidung willkürlich ist. Mit dieser Entscheidung müssen wir dann leben bzw. sterben.
  • Die Opfer oder ihre Angehörigen sollen Genugtuung erhalten, damit sie nicht zur Selbstjustiz greifen. Das würde nämlich das Gewaltmonopol des Staates angreifen, woran die wenigsten Politiker ernsthaft interessiert sind.

Die Geschichte ist voller äußerst brutaler Hinrichtungsmethoden. Im Zuge der Aufklärung kam dann der Gedanke auf, dass eine Hinrichtung möglichst schmerzfrei ablaufen sollte. Deshalb wurde in der Französischen Revolution die Guillotine eingesetzt, von der man überzeugt war, dass sie einen schlagartigen Tod gewährleisten würde. Es ist sicherlich ein Schritt in ein zivilisierteres und bürgerrechtskonformeres Zeitalter, wenn der Sinn der Hinrichtung fortan darin besteht, die Person so schnell und effektiv wie möglich aus der Welt zu schaffen, anstatt sie zu Tode zu martern. Dabei kommt jedoch der Aspekt der Genugtuung etwas kurz. Gerade wenn die Opfer des Täters schwer gelitten haben, könnte man meinen, dass der Gehenkte vielleicht zu leicht davon gekommen sei. Solches Fühlen ist menschlich. Unser Respekt voreinander sollte uns aber vernunftgemäß dazu bringen, uns als die richtende Gewalt nicht auf die gleiche niedere Stufe wie der Täter zu stellen. Das alte Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ist moralisch überholt.

Die Todesstrafe ist qualitativ anders als alle andere Strafen, da sie dem Täter keine Chance auf Weiterentwicklung, d.h. Verbesserung, einräumt. So mancher ist in 15 Jahren im Gefängnis ein anderer Mensch geworden. Deshalb ist es auch problematisch, dass gerade in den USA oftmals viele Jahre zwischen Todesurteil und Hinrichtung vergehen. Aus diesem Gesichtspunkt heraus wäre es sinnvoll, jemanden, wenn überhaupt, dann möglichst unverzüglich hinzurichten. Die Qual des Wartens auf die Hinrichtung ist ja auch schon eine Art Strafe, die im Todesurteil zwangsläufig enthalten ist. Andererseits kann man es so sehen, dass jemand, der erst nach Jahren hingerichtet wird, noch einige Lebenszeit herausschlagen konnte gegenüber jemandem, der sofort exekutiert wird.

Erschwerend kommt hinzu, dass man nicht generell ausschließen kann, Unschuldige zu verurteilen. Das ist bei ein paar Jahren Haft schon schrecklich, aber im Falle der Todesstrafe absolut untragbar, da nicht einmal ansatzweise wiedergutzumachen. Wer weiß, wie oft das schon vorgekommen ist.

Ich halte es für das Sinnvollste, die Todesstrafe generell nicht zu verhängen. Sie ist weder moralisch angemessen noch volkswirtschaftlich klug. Die Gesellschaft könnte nämlich noch einen Nutzen an Schwerverbrechern haben, wenn man sie unentgeltlich arbeiten ließe. Ein toter Verbrecher kann nämlich weder Erz abbauen noch monotone oder unappetitliche Tätigkeiten ausführen. Unsere Volkswirtschaft hat allerdings ein Problem damit, wenn Arbeit ohne Entgelt verrichtet wird, denn dann kann ja keine Firma daran verdienen. Schaffen wir wirtschaftliche Freiräume dafür und lassen wir den Mehrwert dieser Leistungen der Allgemeinheit zugute kommen. Schwerverbrecher könnten Arbeit tun, die ansonsten vom Staat bezahlt worden wäre und Steuergelder gekostet oder Neuverschuldung verursacht hätte. Schicken wir Schwerverbrecher also nicht in die Guillotine, sondern in die Mine – natürlich gut bewacht. Dabei haben sie auch noch die Chance, sich zu verbessern.

Quelle:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/us-todeskandidat-dennis-mcguire-in-ohio-stirbt-nach-langem-leiden-a-943973.html

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Über Reisig

Reisig erblickte 1983 in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums und dem Abitur führte ihn die Bereitschaft, seinen Dienst an der Gemeinschaft zu tun, zur Bundeswehr, wo er seinen Grundwehrdienst leistete. In den folgenden Jahren studierte er ein naturwissenschaftliches Fach. Während des Studiums engagierte sich Reisig einige Zeit in der politischen Linken. Dies ergab sich ihm aus seiner Ablehnung eines unreflektierten Untertanengeistes und der wirtschaftlichen Ausbeutung des unmündigen Bürgers. Dabei galt ihm stets das Wohl des deutschen Volkes als höchstes Ziel. Die Erkenntnis, dass weite Teile der Linken dieses Ziel nicht teilen wollen und dass er nunmehr keine faulen Kompromisse mehr machen wollen würde, ließ Reisig vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand nehmen. Eine neue politische Heimat fand Reisig bei den Jungdeutschen. Er hat an einer deutschen Universität in einem naturwissenschaftlichen Fach promoviert, ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland.

Ein Gedanke zu „Zur Todesstrafe

  1. Klassischen Bergbau oder den berühmten Steinbruch gibt es doch in dieser Form gar nicht mehr. Ihn so zu führen, das er noch als Straflager dient, wäre unwirtschaftlich und ineffizient und würde schon deshalb nicht mehr gemacht werden.Strafgefangene sind immer ein Minusgeschäft. Auch wenn man sie kostenlos arbeiten lässt, übersteigen die Kosten immer den Gewinn. Also ist VWL schon mal kein Argument.
    Affekthandlungen werden bereits milder beurteilt, das ist der Unterschied zwischen Totschlag und Mord, bei dem andere Kriterien erfüllt sein müssen. Es ist ja schön, das sich ein Mörder innerhalb von 15 Jahren Gefängnis weiter entwickeln kann, man sollte aber nicht vergessen, sein Opfer hatte KEINE Gelegenheit mehr, sich überhaupt noch irgendwie zu entwickeln. Jemandem das Leben zu nehmen und dann nach 15 Jahren wieder aus dem Gefängnistor heraus spazieren zur dürfen ist grotesk!
    Die langen Wartezeiten und die merkwürdigen Tötungsverfahren in den USA sind in der Tat zu beanstanden, doch das hat nichts mit der Todesstrafe an sich zu tun.
    Letztendlich kann man die Argumente hin und her drehen, aber der springende Punkt ist die Frage: Bin ich der Meinung, daß der Staat einem Verbrecher das Leben nehmen darf? Für mich ein klares Ja. So wie er auch das Recht hat, Soldaten einzusetzen und im Ernstfall von denen ihr Leben zu verlangen.

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