Umwälzungen in den USA stehen bevor – eine Chance für die Welt?

USA-FlaggeSeit dem Jahr 2011 werden in den USA jedes Jahr mehr Kinder der Minderheiten (Schwarze, Hispanics, Asiaten u.a.) geboren als Weiße. Noch sind 63 % der Einwohner des Landes Weiße, in weniger als 30 Jahren werden sie allerdings weniger als die Hälfte stellen. Das schreibt das amerikanische Nachrichtenportal Voice of America. Ein Vertreter der der Demokratischen Partei nahestehenden Denkfabrik Brookings Institution namens William Frey sieht in der Diversität der US-Bevölkerung einen Vorteil, da, anders als z.B. in Deutschland, der demografische Wandel hin zur Überalterung und einem Schrumpfen der Bevölkerung durch die anwachsenden nicht-weißen Gruppen kompensiert werde. Frey sieht die Regierung nun in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass Schwarze, Hispanics und Asiaten u.a. gute Bildung erhalten und in gesellschaftlich hochstehende Positionen hineinwachsen, in denen die Weißen weniger werden. Ein Blick in die Kommentarspalte des Artikels lohnt sich ebenfalls. Dort tobt eine Schlacht zwischen konservativ bis rassistischen mit linksliberalen bis globalistischen Kreisen, die typisch für die politische Debatte und Spaltung des Landes ist.

Vordergründig geht es bei dieser Umwälzung um rassische Differenzen. Bei näherem Hinsehen verschwimmen die Gruppen aber zum Teil. Die so genannten Hispanics sind nämlich in sich sehr divers, bestehend aus amerikanischen Ureinwohnern, Nachkommen von Spaniern, die ja auch zu den Weißen gezählt werden könnten, und Mischlingen. Mischlinge erschweren auch die Abgrenzung der Schwarzen und der Asiaten mit den Weißen. Alte, aber immer noch vorhandene Denkmuster der Sklaverei verleihen Mischlingen aus Schwarz und Weiß eine eindeutig schwarze Identität. Das ist z.B. bei Barrack Obama der Fall, der als Sohn eines Schwarzen und einer Weißen ebensogut als weiß wie als schwarz eingestuft werden könnte.

An dieser verwirrenden Einteilung wird augenfällig, dass wir es hier nicht nur mit rassischen, sondern in erheblichem Maße mit sozialen Differenzen zu tun haben. Während Asiaten im Schnitt beruflich und finanziell ähnlich erfolgreich sind wie Weiße, sind Armut und Arbeitslosigkeit unter Schwarzen und Hispanics deutlich größer, die Bildung schlechter und die Kriminalität höher. Über die sozialen Spannungen, Parallelgesellschaften und Schichten der US-amerikanischen Gesellschaft habe ich mich aus eigener Erfahrung bereits ausführlich geäußert. Im Licht der Parallelgesellschaften ergibt die Trennung in Weiß, Schwarz und Hispanics allerdings durchaus Sinn. Diese Gruppen leben in der Regel räumlich beisammen, so dass reiche, weiße Stadtteile armen, schwarzen Stadtteilen und von Hispanics bewohnten Straßenzügen gegenüberstehen. Mit dem höheren Nachwuchs der Schwarzen und Hispanics geht eine größeres Familienzusammengehörigkeitsgefühl und ein geringerer Individualisimus als bei den Weißen einher.

Interessanterweise ist der US-amerikanische Patriotismus unter Weißen wesentlich stärker vertreten als unter den anderen Gruppen. Das rührt daher, dass die Minderheiten sozial weniger geachtet und weniger erfolgreich sind. Aus Gründen der psychologischen Gesundheit, d.h. um mit sich selbst im Reinen sein zu können, wenden sie sich anderen identitiätsstiftenden Elementen zu. Was liegt da näher als ihre einige Generationen zurückliegende Herkunftsidentität? Das gleiche erleben wir in Deutschland mit Migranten und deren Nachkommen. So fühlen sich Schwarze in den USA oftmals eher ihrer afrikanischen bzw. karibischen Herkunft als den USA verbunden. Das äußert sich massiv in den Hip-Hop- und Reggae-Kulturen, wo auch Beziehungen zum Rastafari-Kult hergestellt werden. Hispanics beziehen große Teile ihrer Identität aus Lateinamerika und dem Katholizismus. Letzterer spielt zwar auch bei der Gruppe der Weißen eine Rolle, für das typische US-amerikanische Selbstverständnis ist aber der angloamerikanische Protestantismus prägender. Nicht umsonst spricht man von den WASP – White Anglo Saxon Protestant – als der gesellschaftliche Elite. Das können die vor langer Zeit aus Irland und Polen eingewandereten Katholiken nicht aufwiegen.

Der American Way of Life mit seiner puritanischen Arbeitseinstellung, seinen trügerischen Verheißungen, seinem Sendungsbewusstsein und weltumspannenden Vermarktungsdrang, seiner Selbstverliebtheit, seiner Geringschätzung und seiner Ignoranz gegenüber dem Anderen ist zutiefst weiß-amerikanisch. Die gegenwärtige Weltordnung wird von der US-Hochfinanz und ihrem Kapital in Gestalt der Wall Street, des IWF und der Weltbank dominiert. Die US-Regierung und ihr Militär setzen deren Interessen in aller Welt mit Gewalt durch. Damit wird die ganze Welt im Würgegriff gehalten.

Natürlich ist es nicht die weiße Noch-Mehrheit in den USA, die das willentlich tut, sondern nur eine mächtige Minderheit darin. Die Zukunft wird zeigen, ob, wenn diese Mehrheit zur Minderheit wird, die Eliten ihr Spiel weitertreiben können werden. Vielleicht werden sich aber auch anderen Faktoren im Kräftespiel der amerikanischen Gesellschaft verändern. Auf jeden Fall werden stärkere Minderheiten und das Verschwinden einer klaren Mehrheit zu großen inneren Reibungsprozessen führen. Dann wird weniger Energie übrig bleiben, Aggression nach außen zu richten und ein immer größerer Druck wird erforderlich sein, die auseinander strebenden Bevölkerungsgruppen durch plakativen Patriotismus und Schüren der Terrorangst zusammenzuhalten. Irgendwann wird das nicht mehr funktionieren. Darin liegt durchaus eine Hoffnung für die Welt, auch für uns in Deutschland. Aber vielleicht müssen wir gar nicht bis 2030 warten, bis die US-Hegemonie verblasst. Wir leben heute nämlich in einer zwar furchteinflößenden, aber auch spannenden Zeit. Wir haben es in der Hand, ein Stück dazu beizutragen, die Zukunft zu formen.

Quelle:

http://blogs.voanews.com/all-about-america/2015/02/04/decline-of-white-america-is-in-full-swing/

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Über Reisig

Reisig erblickte 1983 in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums und dem Abitur führte ihn die Bereitschaft, seinen Dienst an der Gemeinschaft zu tun, zur Bundeswehr, wo er seinen Grundwehrdienst leistete. In den folgenden Jahren studierte er ein naturwissenschaftliches Fach. Während des Studiums engagierte sich Reisig einige Zeit in der politischen Linken. Dies ergab sich ihm aus seiner Ablehnung eines unreflektierten Untertanengeistes und der wirtschaftlichen Ausbeutung des unmündigen Bürgers. Dabei galt ihm stets das Wohl des deutschen Volkes als höchstes Ziel. Die Erkenntnis, dass weite Teile der Linken dieses Ziel nicht teilen wollen und dass er nunmehr keine faulen Kompromisse mehr machen wollen würde, ließ Reisig vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand nehmen. Eine neue politische Heimat fand Reisig bei den Jungdeutschen. Er hat an einer deutschen Universität in einem naturwissenschaftlichen Fach promoviert, ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland.

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