Pispers meint es gut, ist aber nicht auf der Hut

Aussenpolitik-01Der Kabarettist Volker Pispers bezieht zwar stets einseitig linke Positionen und äußert sich zuweilen abfällig zum Thema Nation, es lohnt sich dennoch oftmals, ihm ein Ohr zu leihen. So hat er sich kürzlich anlässlich der Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises erfrischend kritisch zum Krieg in der Ukraine, den verbrecherischen Machenschaften der USA in der Weltpolitik und zur Lügenpresse geäußert. Alles schön und gut, bis auf ein paar Schnitzer, die der Huffington Post der willkommene Anlass waren, ihn zu diskreditieren.

Es ist ärgerlich, dass Pispers eine gute Sache vertritt, aber aufgrund mangelnder Recherche in Fettnäpfchen tritt. Er behauptet, 27 Millionen russische Soldaten haben im Zweiten Weltkrieg ihr Leben gelassen. Es mögen in etwa so viele sowjetische Opfer gewesen sein, ein hoher Anteil davon waren allerdings Zivilisten, was das Ganze eigentlich noch verschlimmert. Nicht nur sachlich daneben, sondern auch mit einer waghalsigen Stoßrichtung versehen, ist seine Aussage, Russland habe den Westen nie überfallen, sondern sei immer vom Westen angegriffen worden. Mit solchen absoluten Aussagen über die ganze Geschichte sollte man vorsichtig sein. Kann Pispers das für die lange Liste der Nordischen Kriege zwischen 1554 und 1721 v.a. gegen Schweden mit Sicherheit sagen? Im Ersten Weltkrieg sind die zaristischen Truppen in Ostpreußen eingefallen, bevor sie von deutschen Streitkräften zurückgeschlagen wurden. Der nächste Reinfall von Pispers besteht darin, dass er indirekt sagt, Russland habe noch nie seine Nachbarn überfallen. Russland hat mindestens zwischen dem 17. Jahrhundert und den sowjetischen Revolutionskriegen einige Kriege gegen Polen geführt, deren Ausbruch man eher Russland bzw. der Sowjetunion als Polen anlasten muss. Was ist mit dem sowjetischen Eingreifen in der DDR und Ungarn in den 50er Jahren? Und zwischen 1979 und 1989 hat die Sowjetunion in Afghanistan “interveniert”. Oder gehen die militärischen Aggressionen der Sowjetunion nicht auf das Konto Russlands, auf das wir uns heute beziehen, da die SU nicht mehr existiert? Das wäre abwegig.

Russland eine weiße Weste zuzuschreiben und als Daueropfer der Geschichte darzustellen ist sicherlich nicht zu rechtfertigen. Russland aber als zum unverbesserlichen bösen Aggressor und Widersacher der “westlichen Werte” zu stilisieren, ist ebenso falsch.
Es tut bis auf die genannten Ausrutscher gut, Pispers zuzuhören, und sein Verdienst für den Widerstand gegen die von ihm selbst am Ende benannte Lügenpresse ist groß.

Vielleicht wird Pispers noch einen ähnlichen Weg gehen wie Ken Jebsen, Dagmar Berghoff und Xavier Naidoo, die allesamt aus der etablierten Medienlandschaft herausgefallen sind bzw. herausgeworfen wurden und nun in alternativen Kreisen aktiv sind.

Quellen:

http://www.huffingtonpost.de/2015/03/09/pispers-kabarettist_n_6830514.html

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=-FBDPxDtjlk

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Über Reisig

Reisig erblickte 1983 in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums und dem Abitur führte ihn die Bereitschaft, seinen Dienst an der Gemeinschaft zu tun, zur Bundeswehr, wo er seinen Grundwehrdienst leistete. In den folgenden Jahren studierte er ein naturwissenschaftliches Fach. Während des Studiums engagierte sich Reisig einige Zeit in der politischen Linken. Dies ergab sich ihm aus seiner Ablehnung eines unreflektierten Untertanengeistes und der wirtschaftlichen Ausbeutung des unmündigen Bürgers. Dabei galt ihm stets das Wohl des deutschen Volkes als höchstes Ziel. Die Erkenntnis, dass weite Teile der Linken dieses Ziel nicht teilen wollen und dass er nunmehr keine faulen Kompromisse mehr machen wollen würde, ließ Reisig vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand nehmen. Eine neue politische Heimat fand Reisig bei den Jungdeutschen. Er hat an einer deutschen Universität in einem naturwissenschaftlichen Fach promoviert, ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland.

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