Eine Analyse der Flüchtlingsproblematik: Teil I. Arbeit und Krieg

Aussenpolitik-01Nach meinem letzten Beitrag im Mai habe ich mehrere Monate gebraucht, ehe ich wieder bloggen konnte. Es drängte mich von Zeit zu Zeit, zur Griechenlandkrise und zur Flüchtingsproblematik zu schreiben, aber immer wieder konnte ich es nicht umsetzen, weil es mir schwer fiel, einen Überblick zu gewinnen und mir eine fundierte Meinung zu bilden. Nun will ich versuchen, zumindest zum Flüchtlingsthema angemessene Worte zu finden. Da das ein recht umfassendes Thema ist, beginne ich hiermit eine kleine Serie von Artikeln. Der erste soll sich mit den Vorbedingungen und Ursachen der Flüchtlingsandrangs befassen.

Wir sehen uns in Deutschland und generell in den wohlhabenden Staaten Europas einer neuartigen Situation gegenüber. Die Arbeitslosigkeit im Süden Europas ist hoch, die wirtschaftlichen Perspektiven der Jugend sind schlecht. In Nord- und Mitteleuropa sieht es damit besser aus. Die wirtschaftliche Stabilität der EU aber hat durch die Schuldenkrise so nachgelassen, dass früher oder später auch die Bürger der heute wohlhabenden Länder zur Kasse gebeten werden müssen. Man mache sich keine Illusionen, diese Krise sei vorüber. Die Aussichten sind also nicht rosig. Wir wären eigentlich genug mit uns selbst beschäftigt. Das hat die intensive Diskussion über Griechenland gezeigt. Sie wurde aber in den Medien fast vollständig von einem Thema verdrängt, das vollständig von außen zu kommen scheint.

Nun fließen mehr oder weniger von einer unfähigen oder unwilligen Politik ungehindert Ströme von Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie Afrika nach Europa und Deutschland. Viele flüchten vor Kriegen und möchten vielleicht baldmöglichst wieder in ihre Heimat zurückkehren, wenn sich die Lage beruhigt haben wird. Andere träumen davon, viel Geld zu verdienen und es ihren Angehörigen nach Hause zu schicken, bis sie sie per Familiennachzug ebenfalls nach Deutschland holen können. Ein Faktor, der oft übersehen wird, ist, dass sich Schwellenländer wie Syrien im demographischen Übergang befinden, d.h. ihre Bevölkerung wächst stark, da aufgrund verbesserter Infrastruktur und Hygiene die Kindersterblichkeit abnimmt und die Lebenserwartung steigt. Es ist ganz normal, dass Gesellschaften in dieser Phase ihrer Entwicklung ein Ventil brauchen, um Teile ihrer Bevölkerung abzugeben, damit der Druck auf die vorhandenen Ressourcen und Arbeitsplätze auf ein mit dem Funktionieren der Gesellschaft kompatibles Maß sinken kann. Viele Deutsche und andere Europäer sind im 19. Jahrhundert aus diesem Grund nach Amerika ausgewandert. Die Vereinigten Staaten hatten damals Bedarf an Arbeitskräften und Konsumenten, da Wirtschaft und Infrastruktur noch im Aufbau begriffen waren und es alle Hände voll zu tun gab. Es sieht nicht so aus, als befänden wir uns in Deutschland und Europa heute in einer vergleichbaren Situation. Es mag an Fachkräften mangeln, aber bestimmt nicht an gering qualifizierten Arbeitskräften. Nicht umsonst wird in den Massenmedien gerne hervorgkehrt, wie gut ausgebildet die Flüchtlinge doch seien. Man könnte den Eindruck gewinnen, dieses Jahr käme eine Million Programmierer, Zahnärzte und Elektriker nach Deutschland. Solche Behauptungen sind jedoch aufgrund mangelnder Informationen spekulativ – ebenso spekulativ wie die krasse Gegenbehauptung, dass alle, die zu uns strömen, gering qualifiziert seien und ins kollabierende Sozialsystem einwandern wollten. Wir können sicher sein, dass solche und solche darunter sind. Wie es aber wirklich aussieht, können wir nicht wissen. Unser Staat schafft es ja nicht einmal, alle, die einreisen wollen, zu erfassen. Diese Ungewissheit ist ein Grund, weshalb es mir bisher schwer gefallen ist, über dieses Thema zu schreiben.

Die herrschende Politik und Presse legt den Ursachen der Kriege und somit zum Teil auch der Armut in den Herkunftsländern der Migranten gegenüber ein gerüttelt Maß an Knechthaftigkeit an den Tag. Wir erleben seit Jahrzehnten in der Welt, dass in einem Land nach dem anderen von den USA und verschiedenen NATO-“Partnern” mit kriegerischen Mitteln Regime beseitigt und Chaos geschaffen wird. Das war so in Afghanistan, im Irak und in Libyen. Wenn es nach dem Pentagon und seinen größenwahnsinnigen Beratern wie Zbigniew Brzezinski ginge, wäre es in Syrien auch schon so weit. Dieses Chaos gibt einerseits Islamisten die Möglichkeit, ihre Träume vom Aufbau eines Gottesstaat auszuleben, und andererseits dem militärisch-wirtschaftlichen Komplex der USA und anderer westlicher Volkswirtschaften den Rahmen, zuerst an der Zerstörung und dann am Wiederaufbau fremder Länder zu verdienen. Die Regierungen Deutschlands und anderer NATO-Staaten spielen dieses dreckige Spiel mit, fressen Kreide und säuseln von Menschenrechten und Demokratie. Eine wirklich souveräne Regierung würde nicht nur entschlossen und mit kühlem Kopf mit den Migrantenströmen umgehen, sondern auch die wahren Schuldigen an der Misere beim Namen nennen und sich in Zukunft weigern, für sie die Drecksarbeit zu machen. Das wäre durchaus im Sinne der Syrer und ihrer Leidensgenossen, die noch in ihrer Heimat ausharren.

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Über Reisig

Reisig erblickte 1983 in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums und dem Abitur führte ihn die Bereitschaft, seinen Dienst an der Gemeinschaft zu tun, zur Bundeswehr, wo er seinen Grundwehrdienst leistete. In den folgenden Jahren studierte er ein naturwissenschaftliches Fach. Während des Studiums engagierte sich Reisig einige Zeit in der politischen Linken. Dies ergab sich ihm aus seiner Ablehnung eines unreflektierten Untertanengeistes und der wirtschaftlichen Ausbeutung des unmündigen Bürgers. Dabei galt ihm stets das Wohl des deutschen Volkes als höchstes Ziel. Die Erkenntnis, dass weite Teile der Linken dieses Ziel nicht teilen wollen und dass er nunmehr keine faulen Kompromisse mehr machen wollen würde, ließ Reisig vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand nehmen. Eine neue politische Heimat fand Reisig bei den Jungdeutschen. Er hat an einer deutschen Universität in einem naturwissenschaftlichen Fach promoviert, ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland.

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