Pispers meint es gut, ist aber nicht auf der Hut

Aussenpolitik-01Der Kabarettist Volker Pispers bezieht zwar stets einseitig linke Positionen und äußert sich zuweilen abfällig zum Thema Nation, es lohnt sich dennoch oftmals, ihm ein Ohr zu leihen. So hat er sich kürzlich anlässlich der Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises erfrischend kritisch zum Krieg in der Ukraine, den verbrecherischen Machenschaften der USA in der Weltpolitik und zur Lügenpresse geäußert. Alles schön und gut, bis auf ein paar Schnitzer, die der Huffington Post der willkommene Anlass waren, ihn zu diskreditieren. Weiterlesen

Propaganda in der BILD-Sonderausgabe zum Mauerfall

Kommentiert-01Die BILD-Zeitung hat ganz Deutschland mit einer kostenlosen Sonderausgabe zum Berliner Mauerfall heute vor 25 Jahren gesegnet. Erwartungsgemäß ist dem Blatt nicht viel Gehaltvolles zu entnehmen, aber die Dreistigkeit, mit der Propaganda für eine ausschließliche Westbindung Deutschlands gemacht wird, hat mich doch überrascht. Da gibt es auf Seite 2 ein großformatiges Foto vom ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl: im Rollstuhl vor dem Brandenburger Tor sitzend, das Gesicht unkenntlich, als historisch verklärte Lichtfigur vom Leser abgewandt. Kohl blickt in ein jenseitiges Licht, das durch das hoch vor ihm aufragende Tor fällt. Ist das eine CDU-Parteizeitung? Eine unparteiische Berichterstattung sieht anders aus. Das ist Personenkult. Weiterlesen

Wer eine Reise tut, kann was erzählen: So sind die USA

USA-FlaggeAls ich vor ziemlich genau einem Jahr mit dem Frachtschiff von Bremerhaven nach Amerika gefahren und im Begriff war, meine ersten Erfahrungen in den Vereinigten Staaten zu machen, hatte ich mir vorgenommen, aufmerksam hinzusehen und mir meine Gedanken zu machen. Ich schrieb damals: „Ich aber beobachte nach meiner Ankunft in Amerika die sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhänge im ,Land der unbegrenzten Möglichkeiten‘. Wo tun sich die Gräben zwischen, white anglosaxon protestants‘ und ,black neighborhoods‘ auf? Wie tickt das Land, das den Rest der Welt ökonomisch, kulturell und militärisch so sehr beeinflusst wie kein anderes? Wie ticken seine Menschen? Und was bedeutet das für uns?“ Weiterlesen

Wie Hitler seinen Krieg finanzierte

Geschichte-01Das „Dritte Reich“ wird oft so dargestellt, als sei es von völlig irrationalen Antrieben gesteuert gewesen, praktisch als Ausgeburt einer kollektiven antisemitischen Zwangsneurose der Deutschen. Bei Krieg und Judenverfolgung ging es aber um mehr als nur arische Weltherrschaft und Vernichtung von „Volksschädlingen“. Es ging auch ums Geld. Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie viele politische Verwicklungen der Menschheitsgeschichte sich nicht zuletzt ums Geld drehen.
Die Wirtschaft des „Dritten Reiches“ funktionierte als ein sehr geschickt ausgeklügeltes Schneeballsystem, das sich immer neue Finanzierungsquellen erschließen musste. Hitler war nämlich stets darum bemüht, eine hohe Besteuerung der Deutschen zu vermeiden, um sich seine Popularität zu sichern. Weiterlesen

Richard Wagner: Was ist deutsch?

Fundstücke-01Richard Wagner war nicht nur der bekannteste Komponist der Romantik, sondern er liebte auch das Schreiben. Ich bin auf eine Abhandlung seinerseits mit dem Titel „Was ist deutsch?“ gestoßen, die Wagner 1865 geschrieben und bis 1878 überarbeitet hat. Dieses Dokument geht also auf eine Zeit des großen nationalen Auf- und Umbruchs zurück und lässt einen erahnen, welche Spannungen damals in der Luft lagen. Es ist nicht leicht, sich in die altmodische, umständliche Sprache einzulesen, aber nach ein paar Seiten hat man sich darauf eingeschwungen. Die zentrale Stelle (in damaliger Rechtschreibung) ist folgende:

Wagner schrieb, dass der deutsche Geist der Welt verkündete, dass „das Schöne und Edle nicht um des Vortheils, ja selbst nicht um des Ruhmes und der Anerkennung willen in die Welt tritt; und alles, was im Sinne dieser Lehre gewirkt wird, ist „deutsch“, und deshalb ist der Deutsche groß; und nur, was in diesem Sinne gewirkt wird, kann zur Größe Deutschland’s führen“. Weiterlesen

Thomas Manns Protest gegen den Zivilisationsliteraten

Als Thomas Mann seine „Betrachtungen eines Unpolitischen“ schrieb, war er noch streng deutschnational und kriegsbejahend gesinnt. Das sollte sich bald ändern: Schon kurze Zeit später distanzierte sich Mann von seinem schriftstellerischen Beitrag zum Ersten Weltkrieg und avancierte zum Vernunftrepublikaner, der die Weimarer Republik publizistisch gegen ihre Feinde von rechts und links verteidigte. Manns frühe Betrachtungen sind allerdings nicht einfach als dumpfe Kriegspropaganda abzustempeln, sondern stellen große Literatur dar, die darüber hinaus immer noch wichtige Einsichten politischer und kultureller Art zu vermitteln in der Lage ist. Mit Blick auf seinen Bruder Heinrich –damals pazifistisch eingestellt und ein eifernder Gegner des heraufziehenden Krieges – entwarf Mann die Figur des Zivilisationsliteraten, der gegen sein eigenes Land als intellektueller Agent der Westmächte publizistisch zu agitieren begann. Natürlich ist diese Figur stereotypisch überzeichnet; wir dürfen aber davon ausgehen, dass dieser Typus damals zuhauf Repräsentanten fand – und bis heute findet. Thomas Mann verketzert das Zivilisationsliteratentum jedoch nicht als „Verräterei“ und schiebt sie auf die Feindseite ab, sondern fragt nach den tieferen Ursachen dieses Phänomens.

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Der 20. Juli 1944 und die Schönheit die vergessen wird

HistorischesZugegeben, das die Zeit sich mit „Helden“ auseinandersetzt, kann man schon mutig nennen. Der Artikel der unter diesem Thema dann Stauffenberg behandelt, kommt mit einigen Stücken daher, die den üblichen Ton, was die deutsche Geschichte angeht, der Zeit oder der etablierten Medien in einem Punkt etwas entgegenschlägt. Ijoma Mangold hat ein Interview mit Karl Heinz Bohrer geführt, an dessen Ende folgende Absätze stehen [Hervorhebungen von mir]:

 

Bohrer: Stauffenberg war ein sehr gut aussehender Mann, an dem alles stimmte, symbolisch und faktisch, bis zum Augenblick seiner letzten Handlung. Es gibt eine Selbstevidenz der Form, die man bildungsbürgerlich Schönheit nennt. Das ist die Grazie von Stauffenberg. Die Verbindung von Humanität und Heroik, von der Bereitschaft, sein Leben zu opfern, ohne einen hysterischen Messianismus zu verfolgen. An ihm ist nichts Gewolltes, nichts Prätentiöses. Und der Mut ist niemals infrage gestellt. Dieser Mann hatte offenbar unter unglaublichem psychischem Druck die Fähigkeit, das Ganze in seiner Hand zu halten. Die Deutschen haben die Neigung zum ständigen spekulativen Wiederaufnehmen eines Gegenarguments, deshalb haben sie ja Hamlet so gern. Bei Stauffenberg wurde alles zur Form, die man Tat nennt.

ZEIT: Warum hat sich die Bundesrepublik so lange so schwergetan mit dem 20. Juli und ihn erinnerungspolitisch nur mit spitzen Fingern angefasst?

Bohrer: Für viele geschichtsphilosophisch angehauchte Vertreter deutscher Moralpolitik ist der Holocaust ein eschatologisches Datum, der totale Bruch. Da muss der 20. Juli Schaden nehmen, weil er die Kontinuität des alten Deutschlands darstellt. Deshalb ist der Großteil der Intellektuellen bis heute am 20. Juli nicht interessiert, weil sie mit der Möglichkeit eines deutschen Symbolorts, der irgendwas zu tun hat mit der Zeit vor dem Holocaust, nichts anfangen können.“

 

 

Den letzten Satz muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: „…weil sie mit der Möglichkeit eines deutschen Symbolorts, der irgendwas zu tun hat mit der Zeit vor dem Holocaust, nichts anfangen können.“

Sehr fein zusammengefasst. Die immerwährende Grundtendenz dieses Staates und seiner „Bevölkerung“, – besser: seiner Eliten –  zwar den Namen „Deutsche“ tragen zu müssen aber doch nichts damit zu tun haben zu wollen (Zugegeben: das hat sich auch in manchen Köpfen schon geändert) und alles historisch Gewachsene vielleicht noch im künstlerischen aber nicht im kulturellen Sinn zu sehen, erhöht die Strahlkraft dieser Tat – für Einige – noch mehr. Diese Leute waren kein „anderes Deutschland“ sondern sie waren eben „auch Deutschland“. Durch ihre Tat, konnten sie wenigstens noch einen Funken retten… Brüche können verheilen.
P.S.: „Was ist mit den anderen Widerständlern?“ Heute ist der 20. Juli. Deswegen reden wir heute über diese.