Deutschlands Rolle in EU und NATO in der Zukunft – ein offizielles Schreckensszenario

Ich habe mir ein im Jahr 2013 erschienenes richtungsweisendes Papier namens „Neue Macht, neue Verantwortung – Elemente einer deutschen Außen- und Sicherheitspolitik für eine Welt im Umbruch“ vorgenommen. Dieses Werk wurde von der Stiftung Wissenschaft und Politik und dem German Marshall Fund of the United States erarbeitet durch den Planungsstab des Auswärtigen Amts gefördert. Es liegt also schon einmal auf der Hand, dass das transatlantische Bündnis hier nicht gerade kritisch betrachtet werden dürfte. Über die Autoren heißt es darin: „Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren außen- und sicherheitspolitische Fachleute aus Bundestag, Bundesregierung, Wissenschaft, Wirtschaft, Stiftungen, Denkfabriken, Medien und Nichtregierungsorganisationen“. Da finden sich Größen wie die Friedrich-Ebert-Stiftung, die ZEIT, die FAZ, Amnesty International, der berüchtigte European Council on Foreign Relations, die Daimler AG, die Konrad-Adenauer-Stiftung und die unvermeidliche Bertelsmann-Stiftung. Es geht hier also um ganz großes Kino. Was haben die Großkopferten, wie die Bayern so schön sagen, also mit uns vor? Weiterlesen

Wer eine Reise tut, kann was erzählen: So sind die USA

USA-FlaggeAls ich vor ziemlich genau einem Jahr mit dem Frachtschiff von Bremerhaven nach Amerika gefahren und im Begriff war, meine ersten Erfahrungen in den Vereinigten Staaten zu machen, hatte ich mir vorgenommen, aufmerksam hinzusehen und mir meine Gedanken zu machen. Ich schrieb damals: „Ich aber beobachte nach meiner Ankunft in Amerika die sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhänge im ,Land der unbegrenzten Möglichkeiten‘. Wo tun sich die Gräben zwischen, white anglosaxon protestants‘ und ,black neighborhoods‘ auf? Wie tickt das Land, das den Rest der Welt ökonomisch, kulturell und militärisch so sehr beeinflusst wie kein anderes? Wie ticken seine Menschen? Und was bedeutet das für uns?“ Weiterlesen

Die kapitalistische und sozialistische Begriffsverwirrung

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Das Rockefeller-Center in New York. Unternehmen beeinflussen die Politik und behindern ihre Konkurrenz.

Warum Linke „Kapitalismus“ und Libertäre „Sozialismus“ schreien, wenn sie das Gleiche meinen.

Wie kann man zugleich kapitalistisch und patriotisch sein? Lange Zeit habe ich mich gefragt, wie eine Person aufrichtig diese beiden Haltungen miteinander vereinbaren kann. Es liege ja auf der Hand, dass der Kapitalismus die Lebensgrundlagen des Volkes zerstört. Der Konsumwahn mit allen seinen Folgen für Leben, Gesundheit und Identität, die Abwanderung von Arbeitsplätzen durch die Globalisierung und die hemmungslose Ausbeutung der Umwelt seien dafür untrügliche Zeichen. Wer also von sich behauptete, wirtschaftsliberal zu sein und das Wohl des Volkes im Sinn zu haben, der stand in meinen Augen unter dem Verdacht, ein Verräter, ein Kriegsgewinnler zu sein. Die Zinseinkünfte transnationaler Banken und die Gewinne globaler Konzerne mussten ihm am Ende mehr bedeuten als das Wohlergehen seiner Mitmenschen. Weiterlesen

Allen Lesern frohe Weihnachten – ein mutiger Papst

kerzePapst Franziskus hat in seinem aktuellen apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium recht deutlich eine kapitalismuskritische Position bezogen, was von einigen Zeitungen rezipiert wurde. Lesen Sie hier nun meine Interpretation einiger seiner Worte.

Unter der Überschrift „Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung“ heißt es unter anderem: „In diesem Zusammenhang verteidigen einige noch die „Überlauf“-Theorien (trickle-down theories), die davon ausgehen, dass jedes vom freien Markt begünstigte Wirtschaftswachstum von sich aus eine größere Gleichheit und soziale Einbindung in der Welt hervorzurufen vermag. Diese Ansicht, die nie von den Fakten bestätigt wurde, drückt ein undifferenziertes, naives Vertrauen auf die Güte derer aus, die die wirtschaftliche Macht in Händen halten, wie auch auf die sakralisierten Mechanismen des herrschenden Wirtschaftssystems.“

Der Papst mag sich hier täuschen, dass Verteidiger des freien Marktes auf die Güte erfolgreicher Marktteilnehmer vertrauen. Vielmehr glauben sie, dass gerade das egoistische Handeln von Unternehmern zu einem Vorteil für alle Beteiligten führt. Doch auch das ist sehr zweifelhaft, denn Kartellbildung, Bailouts und unvollständige Information aller Beteiligten über mögliche Handlungsalternativen führen dazu, dass wir tatsächlich keinen freien Markt haben. Überhaupt ist es sehr fraglich, ob ein freier Markt überhaupt aufrechtzuerhalten wäre oder sofort wieder Ungleichgewichte auftreten würden.  Es ist also durchaus berechtigt, dass der Papst das Wirtschaftssystem kritisiert, es ist jedoch nicht ganz zutreffend, wie er dies tut. Weiterlesen

Wie Hitler seinen Krieg finanzierte

Geschichte-01Das „Dritte Reich“ wird oft so dargestellt, als sei es von völlig irrationalen Antrieben gesteuert gewesen, praktisch als Ausgeburt einer kollektiven antisemitischen Zwangsneurose der Deutschen. Bei Krieg und Judenverfolgung ging es aber um mehr als nur arische Weltherrschaft und Vernichtung von „Volksschädlingen“. Es ging auch ums Geld. Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie viele politische Verwicklungen der Menschheitsgeschichte sich nicht zuletzt ums Geld drehen.
Die Wirtschaft des „Dritten Reiches“ funktionierte als ein sehr geschickt ausgeklügeltes Schneeballsystem, das sich immer neue Finanzierungsquellen erschließen musste. Hitler war nämlich stets darum bemüht, eine hohe Besteuerung der Deutschen zu vermeiden, um sich seine Popularität zu sichern. Weiterlesen

Wirtschaftswachstum um jeden Preis?

geld-inversArmut, Verschuldung, Überarbeitung, Konsumwahn, Ausbeutung, Krieg, Umweltverschmutzung und -zerstörung – das sind soziale, wirtschaftliche, politische und ökologische Problemfelder, mit denen wir heute konfrontiert sind und die mehr oder weniger unser Leben bestimmen.

Überall gibt es arme Menschen, die trotz ihrer harten Arbeit auf keinen grünen Zweig kommen. Viele so genannte Arbeitnehmer sind dermaßen in ihre Erwerbsarbeit eingespannt, dass sie gar nicht dazu kommen, die Dinge zu genießen, die sie sich von ihrem Gehalt kaufen können; von der Entfremdung zwischen Partnern und innerhalb Familien durch exorbitante Arbeitszeiten und psychischen Dauerstress ganz zu schweigen. Es gibt Staaten, deren Verschuldung ihr Sozialprodukt weit übersteigt. Politiker und Medien schreien nach immer mehr Wirtschaftswachstum. Alle Bereiche des Lebens werden der Profitmaximierung untergeordnet, während Beziehungen und Bindungen zu Menschen, Land und Regionen zerbrechen. Weiterlesen

Das kann nicht mehr lange gutgehen: Philanthropie in den USA

IMG_1156aDie Großstadtschluchten von Manhattan hat jeder vor Augen, der einmal diese Stadt besucht hat. Hier könnte man meinen, drei Städte seien über einander gestapelt worden. Im Rockefeller Center stehen besonders viele Wolkenkratzer beisammen. Dort sind auf einer Tafel berühmte Worte des Unternehmers und „Philanthropen“ J. D. Rockefeller festgehalten, in denen er die amerikanischen Werte definiert. Unter anderem heißt es da:

“I believe in the dignity of labour, whether with head or hand; that the world owes no man a living but that it owes every man an opportunity to make a living.” “I believe that every right implies a responsibility; every opportunity, an obligation; every possession, a duty.”

Diese Worte sagen einiges über das Staatsverständnis vieler Amerikaner aus. Unter der Freiheit, die sie so hoch halten, verstehen sie die Freiheit des Individuums, für sein eigenes Glück und seinen eigenen Wohlstand zu sorgen. Auf der anderen Seite bedeutet dies: Wer im Wettbewerb zu kurz kommt, hat eben Pech gehabt und muss selber sehen, wie er klar kommt. Geschichtlich ist diese Haltung mit der puritanischen Arbeitsethik vieler europäischer Siedler verbunden, wonach sich eine gute christliche Gesinnung bereits im Wohlstand auf Erden bemerkbar macht. Weiterlesen